„Verfolgung und Wegnahme von Gotteshäusern werden die ukrainisch-orthodoxe Kirche nur stärker machen“

Metropolit Onufrij betonte am „Sonntag der Orthodoxie“ vor in Kiew akkreditierten Diplomaten orthodoxer Länder seine Überzeugung, dass die orthodoxe Kirche „wie so oft in der Geschichte“ siegreich aus den aktuellen Prüfungen hervorgehen werde

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Foto: © Vadim Chuprina (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Kiew, 18.03.19 (poi) Verfolgung und die Wegnahme von Gotteshäusern werde die ukrainisch-orthodoxe Kirche (des Moskauer Patriarchats) nur stärker machen, sagte das Oberhaupt dieser Kirche, Metropolit Onufrij (Berezowskij), bei der Liturgie zum „Sonntag der Orthodoxie“ in der Kathedrale des Kiewer Höhlenklosters. An dem Gottesdienst nahmen auch Repräsentanten der diplomatischen Vertretungen von Weißrussland, Griechenland, Moldawien, Russland, Rumänien und Serbien in Kiew teil.

In seiner Predigt wandte sich der Metropolit von Kiew auch an die Diplomaten und verwies auf die Gemeinschaft der orthodoxen Völker im Glauben. Die Orthodoxie habe derzeit in der Ukraine und in der ganzen Welt schwierige Prüfungen zu bestehen, „aber das soll uns nicht betrüben und nicht in Schrecken versetzen“.  Er sei überzeugt, dass die orthodoxe Kirche „siegreich aus diesen Prüfungen hervorgehen“ werde „wie so oft in der Geschichte“, sagte der Metropolit und fügte hinzu: „Die Zeit wird kommen, dass die Heilige Kirche auch über die heutigen Schismata und Verwirrungen triumphieren wird“. Wichtig sei, der Orthodoxie treu zu bleiben und die Reinheit des orthodoxen Glaubens zu bewahren. Dann werde Christus jedem orthodoxen Volk, jeder orthodoxen Ortskirche und „allen orthodoxen Ländern“ seinen Schutz gewähren.

Nach der Göttlichen Liturgie waren die Diplomaten – wie in früheren Jahren –  zu einem Empfang des Metropoliten geladen. Metropolit Onufrij vertiefte dabei seine Feststellungen aus der Predigt und erinnerte daran, dass der „Sonntag der Orthodoxie“ im Lauf der Zeit zu einem Fest der Überwindung aller Häresien und Schismata geworden sei. Die ukrainisch-orthodoxe Kirche sei von den Prüfungen besonders betroffen, sie seien aber auch nutzbringend für die Kirche: „Man nimmt uns unsere Gotteshäuser weg, aber unsere Gemeinden stehen treu zur Kirche, ja sie werden stärker. Unsere Kirche wird geschmäht, aber unsere Kirchen sind voll von Menschen, die nicht an die Falschheit glauben, sondern die Wahrheit suchen“. Die Kirche verschwinde nicht, „weil sie das Werk Gottes ist“.

Politiker und säkular eingestellte Menschen würden die Kirche oft ausschließlich als „eine Art gesellschaftlicher oder ideologischer Macht“ sehen und ihre mystische und spirituelle Natur ignorieren oder nicht verstehen, stellte der Metropolit fest. Wenn die Kirche nur mehr eine gesellschaftliche oder ideologische Struktur wäre, die „irgendjemandes irdischen Interessen dient“ und ihren göttlichen Ursprung vergisst, dann verliere sie ihre Stärke, das Salz des Evangeliums. Die Gotteshäuser der ukrainisch-orthodoxen Kirche seien voll, weil sie ihre Kraft nicht verloren habe, weil sie der Ursprung göttlicher Gnade sei und „die Quelle des lebendigen Wassers“, an der jede gläubige Seele ihren spirituellen Durst löschen könne.

Freilich seien Gut und Böse in dieser Welt präsent, aber das solle die Christen nicht verunsichern, „denn Gott ist da und wirkt unter uns, wir sind dazu berufen, seine Mitarbeiter zu sein, auf der Seite des Guten, auf der Seite Gottes“, unterstrich das Oberhaupt der ukrainisch-orthodoxen Kirche.

 

Prozessionen in vielen Städten

Zu Beginn seiner Ansprache beim Diplomatenempfang hatte Metropolit Onufrij daran erinnert, wie am ersten Fastensonntag des Jahres 843 Klerus und Volk in einer machtvollen Kreuzprozession mit den Ikonen in ihren Händen durch die Straßen von Konstantinopel zur Hagia Sophia gezogen waren. Nach diesem Vorbild gab es am „Sonntag der Orthodoxie“ in vielen ukrainischen Städten eindrucksvolle Prozessionen von ukrainisch-orthodoxen Gläubigen. Allein in Odessa beteiligten sich mehr als 10.000 Gläubige an der Prozession nach der von Metropolit Agafangel (Sawwin) in der Verklärungskathedrale der Hafenstadt zelebrierten Göttlichen Liturgie. Die Prozession begann mit dem Gebet um Frieden für die Ukraine. Klerus und Volk zogen dann mit Kreuzen, Ikonen, Reliquiaren und Kirchenfahnen unter dem Gesang von Psalmen und Hymnen durch die Straßen. Metropolit Agafangel erflehte im Abschlussgebet die Bewahrung der Ukraine vor „allen Schwierigkeiten und Sorgen“ und rief die Menschen zur Treue zum orthodoxen Glauben auf.