Vertrauensmann von „Patriarch“ Filaret wurde zum Primas der neuen ukrainischen Kirche Konstantinopels gewählt

Am „Vereinigungskonzil“ in Kiew nahmen nur zwei Metropoliten der autonomen ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats teil – Der neugewählte Primas wird am 6. Jänner aus der Hand von Patriarch Bartholomaios I. den „Tomos“ über die Verleihung der Autokephalie erhalten

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Foto: © Frolexandr (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Kiew, 15.12.18 (poi) Der Metropolit Epifanij (Dumenko) – bisher Bischof von Perejaslaw im Rahmen des bis vor kurzem als schismatisch angesehenen „Kiewer Patriarchats“ – wurde am Samstag beim „Vereinigungskonzil“ in der Kiewer Hagia Sophia zum Metropoliten von „Kiew und der ganzen Ukraine“ der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Patriarchats von Konstantinopel gewählt. An dem Wahlvorgang nahmen vor allem Bischöfe des „Kiewer Patriarchats“ und der – bis vor kurzem ebenfalls als schismatisch geltenden – „ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche“ teil. Von der orthodoxen Mehrheitskirche in der Ukraine – der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats – waren nur zwei Bischöfe anwesend, Metropolit Simeon (Schostatskij) von Winnitsa, ein persönlicher Freund des Präsidenten Petro Poroschenko, und Metropolit Aleksandar (Drabinko) von Perejaslaw.

Das „Vereinigungskonzil“ tagte unter dem Vorsitz des Pariser Metropoliten Emmanuel (Adamakis). Die Verkündigung der Wahl von Metropolit Epifanij erfolgte allerdings durch Präsident Poroschenko und den Vorsitzenden der Werchowna Rada, Andrej Parubiy (einen griechisch-katholischen Christen), auf dem Vorplatz der Andreaskathedrale, die vor kurzem dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel überlassen wurde. Poroschenko sprach von der „soeben vollzogenen Gründung der ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche“.

Der Primas der neuen ukrainischen Kirche des Patriarchats von Konstantinopel,. Metropolit Epifanij, ist 39 Jahre alt. Er stammt aus der Region Odessa. Seine Jugend verbrachte er in der Bukowina, in der Region von Cerniwtsi (rumänisch: Cernauti, altösterreichisch: Czernowitz). 1996 trat er in das Kiewer Theologische Seminar ein, als „Kandidat der Theologie“ wirkte er von 2003 bis 2005 als Sekretär der Eparchialverwaltung (des „Kiewer Patriarchats“) von Rowno. 2006/07 studierte er in Athen Philosophie. Im Dezember 2007 empfing er die Mönchstonsur, im Jänner des folgenden Jahres die Mönchsweihe. Kurz darauf wurde er zum Sekretär des „Patriarchen“ Filaret (Denisenko) ernannt. Bereits am 30. Mai 2008 erfolgte seine Ernennung zum Kanzler des „Kiewer Patriarchats“. Im Oktober 2009 wurde er zum Bischof von Wyschgorod ernannt, im Juli 2010 wählte ihn der Heilige Synod des „Kiewer Patriarchats“ zum Bischof von Perejaslaw und Rektor der Kiewer Theologischen Akademie. In den darauf folgenden Jahren erfolgte die Rangerhöhung Epifanijs zum Metropoliten.

Der neugewählte Primas (der am 3. Februar seinen 40. Geburtstag hat) wird am 6. Jänner in Konstantinopel aus den Händen des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. den vieldiskutierten „Tomos“ (das Dekret) über die Verleihung der Autokephalie an die neugegründete ukrainische Kirche erhalten. Der ukrainische Präsident Poroschenko kündigte an, dass er Metropolit Epifanij bei der Reise an den Bosporus begleiten werde.

In seiner Ansprache an die in der Hagia Sophia versammelten Teilnehmer des „Vereinigungskonzils“ sagte Poroschenko, ein „tausendjähriger Traum“ der „spirituellen Freiheit“ gehe „durch den Willen Gottes“ in Erfüllung. Tausend Jahre hindurch sei betont worden, dass die Ukraine sich der Ketten entledigen müsse, die sie „spirituell knebeln“, um ihre Staatlichkeit zu befestigen. In diesem Zusammenhang nannte der Staatschef auch die Namen der nicht unumstrittenen Politiker Pawlo Skoropadskij und Simon Petljura, die sich vor 100 Jahren für eine autokephale Kirche eingesetzt hätten. Wörtlich erklärte Poroschenko: „Ich betone neuerdings, dass die Ukraine nie kanonisches Territorium der russischen Kirche war, es nicht ist und es nicht sein wird“. Der Staatspräsident bedankte sich beim Ökumenischen Patriarchen, dass dieser die „Moskauer Annexion der Kiewer Metropolie im späten 17. Jahrhundert als illegal erklärt“ habe und pries „den Mut und die Weisheit“ von Bartholomaios I.

Aus Moskau kam zunächst nur eine kurze Erklärung des stellvertretenden Leiters des Außenamts der russisch-orthodoxen Kirche, Erzpriester Nikolaj Balaschow, in dem das Kiewer Konzil und die Wahl von Metropolit Epifanij als „nichtig“ bezeichnet wurden: „Die unkanonische Versammlung von Personen, von denen einige die Bischofsweihe haben und die meisten nicht, hat unter der Leitung eines Laien – des Staatspräsidenten – und eines Ausländers, der nichts in der örtlichen Sprache versteht (Metropolit Emmanuel, Red.), einen nichtkanonischen ‚Hierarchen‘ zu einem ebenso nichtkanonischen ‚Primas‘ gewählt. Für uns bedeutet dieses Ereignis absolut nichts“. Er könne auch nicht verstehen, was sich die beiden ukrainisch-orthodoxen Bischöfe erhofft hätten, die an dem „Konzil“ teilnahmen, betonte Balaschow: „Tut uns leid für sie. Trauriges Schicksal“.

Die Wahl von Metropolit Epifanij hatte als ausgemacht gegolten, nachdem er am 13. Dezember vom Heiligen Synod des „Kiewer Patriarchats“ zum Kandidaten bestimmt worden war. Bei der offenen Abstimmung im Heiligen Synod erhielt Epifanij 30 Stimmen, sein Gegenkandidat – Metropolit Michael (Zynkewytsch) von Lutsk – wurde nur von zwölf Bischöfen gewählt. Der Heilige Synod akzeptierte zugleich die Bedingungen Konstantinopels für das „Vereinigungskonzil“ (Stimmrecht für die Priester, Mönche und Laien in der Begleitung der Bischöfe), obwohl die Parteigänger von „Patriarch“ Filaret zuvor darauf bestanden hatten, dass nur Bischöfe das Stimmrecht haben sollten. Auch die geheime Abstimmung für die Erstellung der „Terna“ (des Dreiervorschlags) für die Wahl des Primas wurde akzeptiert. Im Hinblick auf den im Phanar ausgearbeiteten Entwurf des Statuts für die neue ukrainische Kirche wurde festgestellt, dass einige Bestimmungen zurückgewiesen oder abgeändert werden müssten. Am Samstagabend war nicht klar, ob sich die Anhänger Filarets oder die Abgesandten von Bartholomaios I. in Sachen Statut durchgesetzt hatten.