Verwirrung um das berühmte orthodoxe Felsenkloster Sumela

Entgegen ersten Ankündigungen wird am 15. August zum Fest der Entschlafung der Gottesmutter im Katholikon des Klosters die Göttliche Liturgie gefeiert werden – Nach Abschluss der fünfjährigen Restaurierungsarbeiten ist das Kloster seit Dienstag wieder für die Öffentlichkeit zugänglich

0
141
Foto: © Jean & Nathalie (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Ankara, 30.07.20 (poi) Vorübergehende Verwirrung um das berühmte orthodoxe Felsenkloster Sumela im Pontus unweit von Trapezunt (Trabzon): Am 29. Juli gab es in zwei angesehenen orthodoxen Nachrichtenmedien widersprüchliche Berichte, ob am 15. August – dem Fest der Entschlafung der Gottesmutter – in Sumela festliche Gottesdienste stattfinden werden oder nicht. “Orthodox Times” berichtete, dass das Amt des Vali von Trabzon die entsprechende Erlaubnis erteilt habe. Die Göttliche Liturgie werde von Metropolit Stephanos (Dinidis) von Kallioupolis und Metropolit Ioannis(Tsaphtaridis) von Zambia im  Katholikon des Klosters zelebriert werden. Der Ökumenische Patriarchat Bartholomaios I. habe am Montag mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep T. Erdogan telefoniert und ihm für die Restaurierung des Klosters Sumela gedankt. Zugleich habe der Patriarch dem Präsidenten im Namen der griechischen Gemeinschaft von Konstantinopel zum bevorstehenden islamischen Opferfest (Id-al-Adha, im türkischen Volksmund: Kurban Bayrami) gratuliert.

Ebenfalls am 29. Juli berichtete die in Paris publizierte Website “orthodoxie.com” unter Berufung auf eine Mitteilung des Ökumenischen Patriarchats, dass am 15. August im Hinblick auf die coronabedingten Restriktionsmaßnahmen “zum Schutz von Klerus und Volk” die Göttliche Liturgie und weitere Feiern in Sumela nicht stattfinden könnten. In der Folge gab es eine Mitteilung der türkischen Präsidentschaftskanzlei, derzufolge Präsident Erdogan mitgeteilt habe, dass “unsere orthodoxen Bürger am 15. August in Sumela Gottesdienst feiern können, was in den letzten Jahren wegen der Restaurierungsarbeiten im Kloster nicht möglich war”.

Am Dienstag eröffnete der (parteilose) türkische Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy den Klosterkomplex von Sumela nach Abschluss der fünfjährigen Restaurierungsarbeiten wieder für die Öffentlichkeit. Das Kloster Sumela wurde im Jahr 386 gegründet und war viele Jahrhunderte hindurch der bedeutendste Wallfahrtsort am Schwarzen Meer, vor allem wegen der hier verehrten Marienikone, die dem Evangelisten Lukas zugeschrieben wird. Nach dem Ende der kurzlebigen Pontischen Republik mussten 1923 alle griechischen und armenischen Christen des Pontus das Land verlassen, auch die Mönche von Sumela. Jahrzehnte hindurch war das Kloster eine Ruine, bis es 1972 von der Regierung in Ankara zum Nationaldenkmal erklärt wurde. 2010 wurde erstmals dem Ersuchen von Patriarch Bartholomaios I. stattgegeben, am 15. August die Göttliche Liturgie in Sumela feiern zu dürfen. Bei dem Gottesdienst sagte der Ökumenische Patriarch vor tausenden Gläubigen damals wörtlich: „Nach 88 Jahren weint die Jungfrau Maria nicht mehr“. 88 Jahre zuvor, am 15. August 1922, war zum letzten Mal das Marienfest in Sumela feierlich begangen worden.

Die ältesten erhaltenen Gebäude des Klosters in dem romantischen Gebirgstal stammen aus der Zeit der Komnenen, die ab 1204 als Kaiser von Trapezunt herrschten. Mehrere Kaiserkrönungen fanden in Sumela statt. Auch nach der Eroberung durch die Osmanen im Jahr 1461 blieb das Kloster ein spirituelles und kulturelles christliches Zentrum, das auch von den Sultanen durch große Schenkungen gefördert wurde. Im 19. Jahrhundert erfolgte noch einmal ein großer Ausbau des Klosters, das sowohl christliche als auch muslimische Pilger aus dem ganzen kleinasiatischen Raum, aber auch aus Russland und Kaukasien anzog.

Das Kloster Sumela ist das meistbesuchte Kulturdenkmal im Pontus.