Völkermord an Armeniern: Zwei libanesische Kapuziner als Märtyrer anerkannt

Die beiden Ordensleute waren Opfer der Kampagne, die von der jungtürkischen Bewegung „Einheit und Fortschritt“ im Jahr 1915 gegen die armenische Bevölkerung gestartet wurde – Zusammenhang mit der Causa von Erzbischof Maloyan

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Völkermord an den Armeniern 1915

Vatikanstadt-Ankara,  28.10.20 (KAP) Der Heilige Stuhl hat das Martyrium von zwei aus dem Libanon stammenden Kapuziner-Patres im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich anerkannt. Die Kapuzinerpatres Leonard Melki (1881-1915) und Thomas Saleh (1879-1917)  seien  wegen ihrer Unterstützung für die armenische Bevölkerung von den Handlangern der damals vom „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) gestellten osmanischen Regierung „aus Hass auf den Glauben“ ermordet worden, heißt es im Dekret der Heiligsprechungskongregation. Die Patres können damit demnächst seliggesprochen werden. Die beiden Kapuzinerpatres aus dem Libanon wurden während des Völkermords ab 1915 von osmanischen Sicherheitsleuten festgenommen, gefoltert und getötet. Auf Grund der Anordnungen der vom „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) gestellten osmanischen Regierung  (die damals mit Österreich-Ungarn verbündet war) war überall im östlichen Anatolien der Völkermord gegen die armenische, aber auch die syrisch-christliche Bevölkerung in Gang gesetzt worden.

Auch die katholische („unierte“) Bevölkerung war betroffen, obwohl die österreichischen und ungarischen Vertreter in den verschiedenen anatolischen Städten hätten eigentlich eingreifen müssen. P. Leonard Melki weigerte sich vor den osmanischen Geheimpolizisten, die ihn zur Konversion zum Islam aufforderten, seinen Glauben zu verleugnen (er hatte bereits zuvor in der Kirche das Allerheiligste versteckt). Er wurde am 11. Juni 2015 zusammen mit 415 armenischen Notabeln aus Mardin, an der Spitze der armenisch-katholische Erzbischof der Stadt, Ignatius (Choukrallah) Maloyan, erschossen. Der im Jahr 2001 selig gesprochene Märtyrer-Bischof Maloyan war zum Zeitpunkt seines Todes erst 46 Jahre alt. Er war einer der brillantesten Repräsentanten der armenisch-katholischen Kirche. Mehrere Jahre war er als Privatsekretär des damals in Konstantinopel residierenden armenisch-katholischen Patriarchen tätig und sorgte in dieser Funktion auch für die Kontakte mit dem Hof des Sultans und der Hohen Pforte, der osmanischen Regierung. 1911 wurde er zum armenisch-katholischen Erzbischof von Mardin gewählt, einer damals noch weitgehend christlich geprägten Stadt. Am 30. April 1915 umzingelten osmanische Gendarmen und verbrecherische Angehörige der „Spezialorganisation“ (Teskilat-i-Mahsusa) die armenisch-katholische Kathedrale und die Residenz des Erzbischofs in Mardin unter dem Vorwand, Waffenverstecke zu suchen. Waffen wurden keine gefunden, die Archive und Papiere der Erzdiözese hingegen wurden vernichtet und Geistliche und Laien verhaftet und gefoltert. Wenige Tage später versammelte Maloyan die Priester seiner Erzdiözese, warnte sie vor der aufziehenden Gefahr und rief sie zur Standhaftigkeit im Glauben auf. Am 3. Juni 1915 wurde Erzbischof Maloyan zusammen mit seinem Sekretär P. Paul Sanyoor und 27 führenden Gemeindemitgliedern festgenommen. Der Polizeipräsident Mamduh Bey forderte neuerlich die Herausgabe angeblich versteckter Waffen. Maloyan bekräftigte seine Treue zum Sultan (von dem er mehrfach ausgezeichnet worden war) und zur Regierung und verweigerte entschieden den von Mamduh Bey vorgeschlagenen Übertritt zum Islam, der sein Leben gerettet hätte. Er wurde geschlagen, gefoltert und am 11. Juni 1915 zum Todesmarsch mit 415 Geistlichen und Gläubigen – darunter P. Leonard Melki – gezwungen. Mamduh Bey warf den Verhafteten „Undankbarkeit“ gegenüber dem osmanischen Staat vor und bot erneut die Möglichkeit zur Annahme des Islam an. Im Namen aller bestritt Maloyan die Untreue zum Staat. Der fanatische ittrihadistische Polizeipräsident erschoss daraufhin den betenden Erzbischof Maloyan mit der Dienstpistole.

P. Thomas hatte während des Völkermords der – mit Berlin und Wien verbündeten – Machthaber in Konstantinopel einen armenischen Priester in seinem Pfarrhaus untergebracht. Er wurde verhaftet und mitten im Winter deportiert. Er starb am 18. Jänner 1917 auf dem Weg und wiederholte mutig: „Ich habe volles Vertrauen in Gott, ich habe keine Angst vor dem Tod“.