Vor zehn Jahren überfielen islamistische Terroristen die syrisch-katholische Marienkathedrale in Bagdad

Syrisch-katholischer Patriarch Mor Ignatius Yousef III. bei Gedenkfeier: "Unsere Märtyrer sind die Lichter des Glaubens, die den Weg unseres Lebens erleuchten“- Seligsprechung von 48 Märtyrern wird vorbereitet

0
70
Foto: © Aziz1005 (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Bagdad, 01.11.20 (poi) „Unsere Märtyrer sind die Lichter des Glaubens, die den Weg unseres Lebens erleuchten und in uns das Feuer der Nächstenliebe für alle entzünden“: Dies sagte der syrisch-katholische Patriarch Mor Ignatius Yousef III. Younan am Vorabend des Allerheiligen-Festes in Bagdad im Gedenken an die Opfer des Terror-Anschlags, der vor zehn Jahren von islamistischen Terroristen in der syrisch-katholischen Marienkathedrale der irakischen Hauptstadt verübt wurde. Bei dem Anschlag am 31. Oktober 2010 wurden insgesamt 48 Christen getötet und 80 weitere verletzt. Das Kommando war während des Gottesdienstes in die Kirche eingedrungen. Die fünf Terroristen nahmen alle Anwesenden als Geiseln und forderten die Freilassung von verhafteten Dschihadisten. Die irakischen Sicherheitskräfte versuchten, zusammen mit US-Soldaten die Geiseln zu befreien, doch die Terroristen zündeten Sprengsätze, nachdem die Menschen zuvor gezwungen worden waren, sich auf den Boden zu legen.

Die ersten, die getötet wurden, waren die beiden jungen Priester Abdallah Thaer und Boutros Wassim Kas, die erschossen wurden, als sie versuchten, das Massaker zu stoppen. Abdallah Thaer, der die Liturgie feierte, war vom Altar heruntergekommen, um mit den Terroristen zu verhandeln, er wurde umgehend von einem von ihnen getötet. Das gleiche Schicksal widerfuhr Boutros Wassim, der aus dem Beichtstuhl gekommen war, um zu versuchen, die Terroristen aufzuhalten. „Das Blut unserer Märtyrer wurde mit dem Opfer des Lammes auf dem Altar vermischt, und ihre zum Himmel aufgestiegenen Seelen blicken zärtlich auf uns herab und halten Fürsprache für uns“, so der Patriarch. In seiner Predigt äußerte Mor Ignatius Yousef III. die Hoffnung, dass die Seligsprechungsprozess für alle 48 Märtyrer „von den zuständigen Behörden des Heiligen Stuhls rasch abgeschlossen wird, damit wir sie bald zur Ehre der Altäre erheben können“. Das Massaker in der syrische-katholischen Marienkathedrale war der schwerste Angriff auf Christen im Irak in den letzten Jahrzehnten. Nach diesem Massaker sahen sich viele Christen gezwungen, Bagdad zu verlassen. „Aber unsere Märtyrer versichern uns, dass ihr Sieg endgültig ist“, sagte der Patriarch und fügte hinzu: „Unser wahres Zuhause ist im Himmel, wo es weder Trauer noch Tränen noch Schmerz gibt, sondern wahres Glück.“ Ende Oktober 2019 endete in Bagdad die Diözesanphase des Seligsprechungsverfahrens für die 48 Märtyrer von 2010. Unter ihnen ist auch der dreijährige Adam.
Während seines Besuchs in Bagdad wurde der syrisch-katholische Patriarch auch vom irakischen Präsidenten Barham Salih, empfangen, der während der Begegnung sein Engagement dafür bekräftigte, den Exodus von Christen aus dem Irak einzudämmen. Er betonte neuerlich, dass die christliche Gemeinschaft ein grundlegender Bestandteil des irakischen Sozialgefüges sei.