Weißrussland: Fürbittgottesdienste in allen orthodoxen Kirchen

Weitgehende Übereinstimmung zwischen dem orthodoxen Metropoliten und dem katholischen Erzbischof: Wahrheit statt Lüge, Liebe statt Hass, Vergebung statt Verurteilung

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Foto: © Dmitrij M (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Minsk, 31.08.20 (poi) In allen orthodoxen Kirchen in Weißrussland wurden am Sonntagnachmittag um 17 Uhr Fürbittgottesdienste gehalten, an die sich der marianische „Hymnos Akathistos“ und das „Gebet für das Volk von Weißrussland“ anschloss. Zum Beginn und Abschluss der Gottesdienste läuteten die Glocken. Der neuernannte russisch-orthodoxe Metropolit von Minsk und Zaslawsk (und Exarch von Weißrussland), Wenjamin (Tupjeko), hatte zu dieser Gebetsoffensive eingeladen. In der orthodoxen Heiligengeist-Kathedrale in Minsk leitete der Metropolit selbst den Gottesdienst. Es war das erste Mal, dass er in seiner künftigen Kathedrale liturgisch tätig war. Am Sonntagvormittag hatte der bisherige Metropolit Pawel (Ponomarjow) in der Kathedrale seinen Abschiedsgottesdienst gefeiert. Er stellte unter anderem fest, dass der Heilige Synod der russisch-orthodoxen Kirche und Patriarch Kyrill eine Entscheidung getroffen hätten, um die Einheit der orthodoxen Kirche in Weißrussland zu bewahren. Persönlich sei es ihm immer darum gegangen, die Menschen nicht „wegen politischer Auffassungen“ auseinanderzudividieren.

Auch der katholische Erzbischof von Minsk, Tadeusz Kondrusiewicz, veröffentlichte am Sonntag einen Aufruf zu Buße und Gebet, wobei die weitgehende Übereinstimmung mit dem ersten Appell von Metropolit Wenjamin an die orthodoxen Christen vom 26. August auffallend war. Wie der orthodoxe Metropolit stellte auch der katholische Erzbischof fest, die Krise sei die „unvermeidliche Konsequenz der Sünde der Gesetzlosigkeit“. Es sei notwendig, die persönliche und kollektive Sünde einzubekennen und zu bereuen, um das Leben zu ändern. Fast wortgleich wie Metropolit Wenjamin plädierte auch Erzbischof Tadeusz dafür, dass an die Stelle der Lüge die Wahrheit treten müsse, an die Stelle des Bösen das Gute, an die Stelle des Hasses die Liebe, an die Stelle der Verurteilung die Vergebung und an die Stelle der Spaltung die Einheit. Anders als sein orthodoxer Amtsbruder nannte der katholische Erzbischof aber auch ausdrücklich die Notwendigkeit des Dialogs.