Weltkirchenrat betont Solidarität mit armenischen Gemeinschaften, „die sich von einem Völkermord bedroht fühlen“

Erklärung des Exekutivausschusses fordert „dauerhaften Frieden“ auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Menschenrechten für die Menschen von Berg-Karabach/Artsach und der weiteren Region

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Genf, 14.11.20 (poi) Der Weltkirchenrat hat in einer Erklärung seines Exekutivausschusses die Solidarität mit den armenischen Gemeinschaften betont, die sich neuerlich von einem Völkermord bedroht fühlen. Wörtlich heißt es in der Erklärung: „Wir vereinigen uns mit dem obersten Katholikos-Patriarchen der armenisch-apostolischen Kirche, Karekin II., im Gebet um Weisheit, Einheit und Ruhe. Wir trauern mit denen, die nicht nur in den neuerlichen Kämpfen seit 27. September schreckliche Verluste erlitten haben, sondern auch in der langen Geschichte des Kampfes um Selbstbestimmung in der Region“. Der Exekutivausschuss des Weltkirchenrats begrüßt zugleich, dass es durch russische Vermittlung zu einem Waffenstillstand und damit zum Ende des Blutvergießens  und der Zerstörung gekommen ist. Jetzt aber sei es notwendig, einen „dauerhaften Frieden“ auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Menschenrechten für die Menschen von Berg-Karabach/Artsach und der weiteren Region zu erzielen.

Scharfe Kritik übt der Exekutivausschuss des Weltkirchenrates an dem türkischen Staatspräsidenten Recep T. Erdogan, der im Hinblick auf den Berg-Karabach-Konflikt erklärt hatte, die Türken müssten jetzt jene Aufgabe vollenden, „die die Vorfahren jahrhundertelang in der Kaukasus-Region erfüllt haben“. Diese verhüllte Bezugnahme auf den Völkermord an den Armeniern in den letzten Jahren des Osmanischen Reiches im frühen 20. Jahrhundert haben in der armenischen Diaspora  in aller Welt tiefe Empörung ausgelöst. Der Weltkirchenrat verurteilt alle solchen „expliziten oder impliziten“ Drohungen und die Handlungen jener, „die sich in den Konflikt eingemischt und die Gewalt durch die Lieferung international geächteter Waffen und die Entsendung von Söldnern und Dschihadisten aus Syrien“ verschlimmert haben. Es sei offensichtlich die Absicht gewesen, die Auseinandersetzung als Religionskonflikt darzustellen.

In der Erklärung werden der Gebrauch von chemischen Waffen und Streumunition sowie Angriffe auf die Zivilbevölkerung, auf Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen bedingungslos verurteilt. Ausdrücklich ist in der Erklärung des Exekutivausschusses von Kriegsverbrechen in den letzten Wochen die Rede, Personen seien geköpft worden, es habe Folter und andere Grausamkeiten gegeben.

Der Weltkirchenrat verlangt die Respektierung der Heiligen Stätten und des kulturellen Erbes von Berg-Karabach/Artsach. Leider hätten die wiederholte Beschießung der Erlöserkathedrale in Shushi/Shusha am 8. Oktober und neueste Berichte über die Schändung armenischer Kirchen in den von der azerbaidschanischen Armee eroberten Orten eine andere Realität gezeigt. Die UNESCO sei dringend aufgefordert, alle möglichen Maßnahmen zum Schutz der heiligen Stätten zu treffen. Die internationale Gemeinschaft müsse sich an diesen Maßnahmen beteiligen, aber auch für die Sicherheit und Würde  aller Flüchtlinge und Vertriebenen sorgen, letztlich „für den Schutz des armenischen Volkes vor der Gefahr des Völkermords“. Der Weltkirchenrat unterstütze den Dienst und das Zeugnis der Kirchen der Region; das Gebet gelte den kirchenleitenden Persönlichkeiten, „damit sie mit Stärke und Weisheit ihre Gläubigen durch die Krise führen“.