Weltkirchenrat entsetzt über Wiener Nacht des Terrors

Generalsekretär Sauca setzt das Geschehen in der österreichischen Hauptstadt mit gleichzeitigen Blutbädern in anderen Weltteilen in Beziehung

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Genf, 03.11.20 (örkö/poi) Mit der Bitte an den „barmherzigen Gott, Gewalt und Blutvergießen zu einem Ende zu bringen“, hat der geschäftsführende Generalsekretär des Weltkirchenrates, der rumänisch-orthodoxe Theologe Prof. Ioan Sauca, das Entsetzen der weltweiten Kirchenorganisation über die Nacht des Terrors in Wien verbunden. Auf Grund seiner Informationen aus verschiedenen Weltteilen sah Prof. Sauca das schreckliche Geschehen in Wien im Zusammenhang mit vergleichbaren Ereignissen am selben Tag in Äthiopien und in Afghanistan. Der Generalsekretär verwies darauf, dass die extremistische Attacke in Wien vermutlich „religiös“ bemäntelt worden sei; sie habe vor dem Wiener Jüdischen Stadttempel in der Seitenstettengasse begonnen, wo am 29. August 1981 durch eine palästinensische Terrorgruppe ein Anschlag während einer Bar Mitzwah-Feier verübt wurde, bei dem zwei Menschen starben und 21 verletzt wurden. Der Weltkirchenrat wiederhole einmal mehr seine kategorische Verurteilung all dieser Attacken und aller Versuche, Gewaltausübung „religiös“ begründen zu wollen, so Sauca. Zugleich fordere der Weltkirchenrat die politischen und religiösen Führungspersönlichkeiten zu einer „erneuerten Haltung der Zusammenarbeit“ auf, um effektive Wege zur Beendigung von Blutvergießen und Spaltung zu finden.

Prof. Sauca erinnerte daran, dass am 1./2. November im äthiopischen Bundesstaat Oromia „in einer tragischen Eskalation, die das Gebäude der äthiopischen Staatlichkeit bedroht“, 54 äthiopisch-orthodoxe Christen getötet worden seien. Orthodoxe Christen seien im Bundesstaat Oromia seit Mitte 2018 immer wieder zur Zielscheibe von Angreifern geworden, die ethnische und religiöse Unterschiede für politische Zwecke instrumentalisieren. Seit der Föderalisierung gibt es im Bundesstaat Oromia chauvinistische Kräfte, die die äthiopisch-orthodoxen Christen – obwohl sie oft die Mehrheitsbevölkerung stellen – vertreiben wollen. Schließlich sei es in Kabul am 2. November zu einem islamistischen Angriff auf die größte Universität Afghanistans gekommen. Dabei wurden 19 Menschen getötet und mehr als ein Dutzend schwer verletzt.

Die Täter, die anderen Menschen wegen deren ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit oder überhaupt grundlos Schmerz, Leid und Tod zufügen, seien offensichtlich seelisch krank, so Prof. Sauca. Nur Gott könne einer zunehmend von Spaltungen und Hass bedrohten Welt Frieden bringen und den politischen Führungspersönlichkeiten, die so sichtbar am Fehlen von Mitgefühl und Weisheit leiden, diese Qualitäten vermitteln.