Weltkirchenrat fordert erneut Freilassung der entführten Metropoliten von Aleppo

Ständiges Komitee des Weltkirchenrats für die Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen veröffentlichte von seiner Tagung im libanesischen orthodoxen Kloster Balamand aus eine Erklärung

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Foto: © Camille Enlart (1862–1927) (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Beirut, 10.04.10 (poi) Die Freilassung der beiden vor sechs Jahren entführten Metropoliten von Aleppo – des syrisch-orthodoxen Metropoliten Mor Gregorios Youhanna Ibrahim und seines antiochenisch-orthodoxen Amtsbruders Boulos (Yazigi) – hat das ständige Komitee des Weltkirchenrats für die Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen am Dienstagabend gefordert. Das Komitee tagt derzeit im Theologischen Institut St. Johannes von Damaskus im orthodoxen Kloster Balamand im Libanon. In der Erklärung des Komitees wird die Solidarität mit den orthodoxen Kirchen in Syrien und im Libanon zum Ausdruck gebracht, die durch die Entführung der beiden Metropoliten so viel Leid erfahren haben. Wörtlich heißt es in der Erklärung: „In den Jahren seit der Entführung hat der Weltkirchenrat wiederholt seine Sorge betont und die Freilassung der beiden Aleppiner Bischöfe gefordert. Aber noch immer gibt es kein Wort über den Aufenthaltsort und den Zustand der beiden Metropoliten“.

Der Tagungsort des Komitees, das Kloster Balamand, ist nicht allzu weit entfernt vom Ort der Entführung in Syrien. Die Mitglieder des Komitees erinnerten sich zugleich mit tiefer Betroffenheit an die Tatsache, dass Metropolit Boulos (Yazigi) auch Dekan des Theologischen Instituts St. Johannes von Damaskus war. Der Metropolit habe Balamand als eine Heimstätte der orthodoxen Theologie und der antiochenischen Spiritualität gestärkt und damit die Präsenz der Orthodoxie im ganzen Nahen Osten gefestigt, heißt es in der Erklärung des Komitees. Durch ihre Studenten mache diese Institution weiterhin die Stimme der Orthodoxie in der ganzen Welt vernehmbar. Beide Metropoliten von Aleppo hätten nicht nur mit Hingabe ihren Gemeinschaften gedient, sondern sich auch intensiv in der ökumenischen Bewegung engagiert (Mor Gregorios Youhanna Ibrahim ist eine der Stützen der Stiftung „Pro Oriente“).

Abschließend heißt es in der Erklärung: „Die beiden Metropoliten haben die Liebe Christi für alle Menschen ohne Ausnahme unter Beweis gestellt. Das ständige Komitee des Weltkirchenrats für die Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen lädt alle ein, beständig um die sichere Rückkehr der beiden Erzbischöfe zu ihren Kirchen, ihren Gemeinschaften und ihren Familien zu beten – als ein Zeichen der Hoffnung für alle Christen in Syrien und der ganzen Region“.

Die Entführung der Metropoliten hatte sich am 22. April 2013 ereignet, als Mor Gregorios Youhanna Ibrahim seinen antiochenisch-orthodoxen Amtsbruder am türkisch-syrischen Grenzübergang Bab al-Hawa abholte; Metropolit Boulos (Yazigi) kam von einer pastoral-humanitären Mission aus Antiochien (Antakya). Auf dem Weg nach Aleppo wurde das Auto von Mor Gregorios zwischen Kafr Dael und Mansoura von „Unbekannten“ angehalten. Der Fahrer des Metropoliten, der Diakon Fathullah Kabboud, wurde erschossen, Fouad Eliya, der sich ebenfalls im Wagen befunden hatte, konnte fliehen. Eliya, der heute in den USA leben soll, sagte aus, dass die bewaffneten Entführer untereinander nicht arabisch gesprochen hätten, er hielt sie für Tschetschenen. Möglicherweise hatten die Entführer den beiden Metropoliten eine Falle gestellt, indem sie ihnen die Freilassung von zwei im Februar 2013 aus einem Linienautobus Aleppo-Damaskus entführten Priestern (dem armenisch-katholischen Geistlichen Michel Kayyal und dem antiochenisch-orthodoxen Geistlichen Maher Mahfouz) versprachen. Seit 2013 gibt es eine Fülle widersprüchlicher Versionen über das Schicksal der beiden Metropoliten nach ihrer Entführung.