Weltkirchenrat in tiefer Sorge über die Eskalation des Konflikts um Artsach

Erklärung des Generalsekretärs Ioan Sauca mit Aufruf zur sofortigen Einstellung der Kämpfe – Appell an die „Minsk-Gruppe“ der OSZE

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Genf, 29.09.20 (poi) Die tiefe Sorge der Kirchen über die Eskalation des Konflikts um die Region Artsach (Berg-Karabach) hat der geschäftsführende Generalsekretär des Weltkirchenrats, der rumänisch-orthodoxe Priester Prof. Ioan Sauca, am Montagabend zum Ausdruck gebracht. Die Eskalation sei offensichtlich auf eine Attacke azerbaidschanischer militärischer Kräfte zurückzuführen, die Dutzende Todesopfer – einschließlich von Zivilisten – gefordert habe und das Risiko eines umfassenden bewaffneten Konflikts in der Region beinhalte. In der Erklärung von  Prof. Sauca heißt es wörtlich: „Ich bedaure den tragischen Verlust von Menschenleben und drücke den trauernden Familien meine aufrichtige Anteilnahme aus. Um dieses Blutvergießen zu stoppen, ruft der Weltkirchenrat alle Kämpfenden auf, sofort jegliche militärische Aktion einzustellen und den Dialog und die Verhandlung wieder aufzunehmen“. Der Generalsekretär appellierte an die sogenannte „Minsk-Gruppe“ der OSZE, dringend Initiativen zu setzen, um „Fortschritte im Hinblick auf eine friedliche Lösung dieses langandauernden ungelösten Konflikts zu erzielen“. An die Adresse der Türkei stellte Prof. Sauca fest, er sei „enttäuscht“ über die „aggressiv einseitige Haltung der Regierung in Ankara“. Die Türkei sollte „als Mitglied der ‚Minsk-Gruppe‘“ eine neutrale Rolle einnehmen „und nicht die eines Konfliktbeteiligten“. An die Mitgliedskirchen des Weltkirchenrats in den an der „Minsk-Gruppe“ beteiligten Ländern appellierte Prof. Sauca, Einfluss auf die Regierungen zu nehmen, um „dringende diplomatische Anstrengungen für den Frieden in der Kaukasus-Region zu ermutigen“.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) schaltete sich 1992 in den Konflikt ein. Die „Minsk-Gruppe“ aus 13 Teilnehmerstaaten begleitet seitdem Treffen der azerbaidschanischen und armenischen Seite. Vertreter von Artsach wurden jedoch nicht zugelassen. Bisher hat die Gruppe wenige Erfolge vorzuweisen, auch wenn 2001 schon einmal eine Lösung nahe schien.