Weltkirchenrat in tiefer Sorge wegen Entwicklung im nordöstlichen Syrien

Exekutivausschuss verlangt Ende des Konflikts, damit endlich ein „Prozess der Versöhnung und des Wiederaufbaus“ in dem zerstörten Land beginnen kann – Neuerliche Forderung nach sofortiger Freilassung der im April 2013 entführten Aleppiner Metropoliten Mor Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi

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Foto: © Voice of America News: Henry Ridgwell on the Turkish border (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain in the United States)

Genf, 25.11.19 (poi) Der Exekutivausschuss des Weltkirchenrats (WCC) hat bei seiner Tagung in Bossey bei Genf neuerlich ein Ende des Konflikts in Syrien nach „acht tragischen Jahren des Todes, der Zerstörung und der Vertreibung“ gefordert. Die jüngste „Eskalation der Gewalt“ nach dem Einmarsch von Milizen unter türkischem Kommando im nordöstlichen Syrien habe tausende Menschen aus ihren Heimstätten vertrieben und zahllose Flüchtlinge veranlasst, Sicherheit in Nachbarländern zu suchen. Der Weltkirchenrat sei in tiefer Sorge über die humanitäre Situation in der Region. Der WCC-Exekutivausschuss verlangt ein Ende des Konflikts „in der nordöstlichen Region Syriens, in der Provinz Idlib und im ganzen Land“, damit endlich ein „Prozess der Versöhnung und des Wiederaufbaus“ in dem zerstörten Staat beginnen kann. Der Weltkirchenrat werde sich weiterhin für die Förderung und Erleichterung des Dialogs und der Solidarität zwischen den verschiedenen Gruppierungen der syrischen Gesellschaft einsetzen, um „Frieden, Gerechtigkeit und gleiche Rechte für alle Syrer“ zu erreichen. Zugleich verlangte der WCC-Exekutivausschuss neuerlich die sofortige Freilassung der beiden im April 2013 entführten Metropoliten von Aleppo, Mor Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi: „Wir beten um ihre sichere Heimkehr in ihre Diözesen, in ihre Gemeinschaften und Familien als ein Zeichen der Hoffnung für alle Christen Syriens und der ganzen nahöstlichen Region“.

Das jetzt besonders betroffene Gebiet im Nordosten Syriens, das im Jahr 2012 de facto autonom geworden sei, habe eine vielfältige Bevölkerung, die aus Kurden, christlichen und muslimischen Arabern, Armeniern und Jesiden besteht, wird in der Erklärung des WCC-Exekutivausschusses betont. Viele verletzliche Gruppen hätten in den Jahren des Krieges schwer gelitten, darunter auch viele Christen. Zahlreiche Menschen seien mehrfach vertrieben worden, weil sie vor den Kämpfen in anderen Teilen Syriens in den zunächst ruhig gebliebenen Nordosten geflohen seien, jetzt aber sei auch dieses „Refugium“ in ein Schlachtfeld verwandelt worden. Im Kontext der neuerlichen Gewalt und des Umbruchs hätten die Christen – ebenso wie andere Gemeinschaften – wieder Leid zu ertragen. Der Exekutivausschuss erinnerte in diesem Zusammenhang an die sieben Todesopfer und 70 Verletzten bei der Explosion von drei Autobomben am 11. November in Qamishlie und die Ermordung eines armenisch-katholischen Priesters und seines Vaters am selben Tag auf dem Weg nach Der-ez-Zor. Auf dem Hintergrund dieser Gewaltakte sei der Exekutivausschuss in tiefer Sorge über die negativen Auswirkungen auf den von der UNO eingeleiteten „politischen Prozess“ und auf den kürzlich wieder aufgenommenen „nationalen Dialog“ im syrischen Verfassungskomitee.