Weltkirchenrat verschiebt wegen Corona-Krise seine Vollversammlung

Die für September 2021 geplante Versammlung wird auf 2022 verlegt - Rumänisch-orthodoxer Priester Ioan Sauca bleibt interimistischer Generalsekretär

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Foto: © Carsten Naber ( Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Genf, 04.06.20 (poi/örkö) Der Exekutivausschuss des Weltkirchenrats hat im Auftrag des Zentralausschusses und in enger Abstimmung mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), anderen gastgebenden Kirchen und lokalen Partnern beschlossen, die ursprünglich für September 2021 in Karlsruhe geplante 11. Vollversammlung des „Ökumenischen Rates der Kirchen“ auf 2022 zu verschieben. Die Entscheidung wurde insbesondere wegen der „unkalkulierbaren globalen Risiken“ im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie getroffen. Es sei zu hoffen, dass eine Versammlung im Jahr 2022 eine bessere Gelegenheit bietet, die uneingeschränkte Teilnahme der ökumenischen Gemeinschaft sicherzustellen, heißt es im Kommunique des Zentralausschusses. Der Standort Karlsruhe bleibt unverändert.

Die EKD, die Evangelische Landeskirche in Baden, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und andere Kirchen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz haben die Versammlung gemeinsam nach Karlsruhe, „in eine europäische Grenzregion“, eingeladen. Nun haben sie ihre Einladung für 2022 bestätigt. Die Vollversammlung wird 800 offizielle Delegierte aus den 350 Mitgliedskirchen des Weltkirchenrats sowie viele andere Teilnehmende und Gäste unter dem Thema „Christi Liebe bewegt, versöhnt und eint die Welt“ zusammenbringen.

Das Thema wird im Licht der dramatischen globalen Situation reflektiert werden, die durch die Covid-19-Pandemie verursacht wurde, heißt es im Kommunique. Die Pandemie wird auch erhebliche Auswirkungen auf die Planungen von Inhalt, Logistik und Finanzen haben. Der neue Termin für die Vollversammlung in der zweiten Jahreshälfte 2022 wird derzeit gesucht. Die bereits weit fortgeschrittenen Pläne werden für 2022 überarbeitet und umstrukturiert.

Die Vollversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium des Weltkirchenrats und tagt in der Regel alle acht Jahren. Sie legt die Grundsätze und Leitlinien für die nächsten Jahre fest und wählt den Zentralausschuss, die wichtigste Instanz zwischen den Vollversammlungen.

Die Vorsitzende des Zentralausschusses, Agnes Abuom, sagte bei der Online-Sitzung: „Wir hoffen, dass wir bis 2022 genauere Kenntnisse über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie haben werden. Wir sind zuversichtlich, dass die Verschiebung allen, die miteinander vorangehen, arbeiten und beten wollen, eine umfassendere Teilnahme ermöglichen wird. Es war eine sehr schwierige Entscheidung, aber wir vertrauen darauf, dass sie durch die Freude ausgeglichen wird, die wir empfinden werden, wenn wir uns endlich im Jahr 2022 versammeln können“.

Metropolit Gennadios (Limouris) von Sasima, stellvertretender Vorsitzender des Zentralausschusses und Leiter des Planungsausschusses der Vollversammlung, sagte, dass die Sicherheit und die Beteiligung aller Kirchen für den Weltkirchenrat an erster Stelle stehe. „Wir treffen diese Entscheidung in Fürsorge und Liebe für die Einheit unserer einen menschlichen Familie“, sagte der Metropolit: „Möge Gott uns helfen, die nötige Sicherheit und Chancengleichheit zu gewährleisten für eine Vollversammlung, bei der alle herzlich willkommen sind“.

„Karlsruhe bleibt in vieler Hinsicht ein idealer Ort für eine grenzüberschreitende ökumenische Versammlung mit einer europäischen Dimension“, sagte der bayrische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der auch Vorsitzender des Rates der EKD ist: „Der wichtigste Grund, warum wir die Vollversammlung nach Europa einladen, ist, dass wir hoffen, etwas zu empfangen. Angesichts der Herausforderungen, denen wir uns auch in den kommenden Jahren werden stellen müssen, kann dieses ökumenische Großereignis ein sichtbares Zeichen der einen Welt in Solidarität, Frieden und Gerechtigkeit sein.“

Der rumänisch-orthodoxe Priester Prof. Ioan Sauca, interimistischer Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, unterstrich: „Eine Menge kreatives Denken und harte Arbeit sind bereits in die Vorbereitungen für unsere nächste Versammlung geflossen. Ich bin allen dankbar, die bislang schon dazu beigetragen haben, und ich bin zuversichtlich, dass durch unsere fortdauernde Zusammenarbeit, die Unterstützung der Kirchen und Gottes Segen unsere elfte Vollversammlung noch intensiver zum Leben, Zeugnis und zur Spiritualität der Christen weltweit beitragen kann“.

Der Exekutivausschuss hat Ioan Sauca bei der Online-Sitzung als interimistischen Generalsekretär bestätigt (der frühere Generalsekretär, Pfarrer Olav Fykse Tveit, war zum leitenden Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche Norwegens gewählt worden). Der 64-jährige Sauca wird die Funktion mindestens bis zur Sitzung des Zentralausschusses des Weltkirchenrats im Juni 2021 innehaben. Sauca ist seit 1994 für den Weltkirchenrat tätig. Ab 1998 war er Professor für Missiologie und ökumenische Theologie am Ökumenischen Institut in Bossey. Seit 2001 ist er Direktor des Instituts. 2014 wurde er zum stellvertretenden Generalsekretär des Weltkirchenrats gewählt.

Vor seiner Tätigkeit für den Weltkirchenrat hatte Sauca zunächst über Fragen von Mission und Ökumenismus an der orthodoxen Theologischen Fakultät in Sibiu gelehrt. Anschließend übernahm er 1990 die Leitung der neu errichteten Patriarchats-Abteilung für Medien und Kommunikation in Bukarest, zugleich war er verantwortlich für das Außenamt des rumänischen Patriarchats und dessen ökumenische Beziehungen sowie für den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Die theologische Ausbildung Saucas erfolgte in Sibiu, Bukarest, Birmingham und Bossey. Erst nach der „Wende“ wurde er zum Priester geweiht.