Weltkirchenrat verurteilt Terror gegen Kirchen in Sri Lanka

Pfarrer Fykse Tveit: „Wir stehen an diesem Ostertag zur Überzeugung, dass Gewalt, Hass und Tod nicht das letzte Wort haben werden“ – Prof. Riccardi: „Das Martyrium ist für viele Christen eine Realität der Gegenwart“

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Genf-Colombo, 21.04.19 (örkö) Der Weltkirchenrat (WCC) hat die Terror-Attacken auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka scharf verurteilt. WCC-Generalsekretär Olav Fykse Tveit sagte am Ostersonntag: „Während noch genauere Informationen über die Täter und ihre Motive fehlen, verurteilen wir auf das Entschiedenste diese Attacken auf zum Gottesdienst versammelte Christen und auf Touristen, die Sri Lanka besuchten. Unser tief empfundenes Gebet gilt den Opfern und unser Mitgefühl all denen, die durch diese schrecklichen Gewaltakte geliebte Menschen verloren haben“. Der Weltkirchenrat stehe als weltweite Gemeinschaft von Kirchen in besonderer Solidarität an der Seite der Christen von Sri Lanka, die auf diese verwerfliche Art attackiert wurden, während sie die Auferstehung Jesu Christi feierten, „den Angelpunkt in der Glaubensreise aller Christen“. Die Angriffe auf Kirchen seien eine Attacke auf den religiösen Frieden und die Harmonie, auf das gesellschaftliche und kulturelle Gewebe einer Nation, die lang darum gekämpft habe, „die Prinzipien der religiösen Harmonie bei aller Verschiedenheit aufrecht zu erhalten“.

Pfarrer Fykse Tveit bezog sich insbesondere auf den Angriff auf die Antoniuskirche in einem Vorort von Colombo, die als Nationalheiligtum von Bürgern unterschiedlichen Glaubens zutiefst respektiert werde. Solche Gewaltakte würden die Heiligkeit des Lebens unterminieren und stellten in vielfacher Hinsicht ein „Sakrileg“ dar. Gewalt dürfe aber nicht wieder Gewalt zeugen, führte der Generalsekretär aus: „Im Geist der Liebe Christi stehen wir an diesem Ostertag fest zur Überzeugung, dass Gewalt, Hass und Tod nicht das letzte Wort haben werden“. Im Gedenken an jene, die ihr Leben an heiligen Orten des Friedens verloren haben, hätten die Christen jetzt die schwierige Aufgabe, die Überlegenheit der Kraft von Friede und Liebe über die rohe Gewalt aufzuzeigen.

Das Oberhaupt der anglikanischen Kirche von Ceylon, Bischof Dhiloraj Canagasabey, appellierte an die Regierung in Colombo für die Sicherheit der Gotteshäuser zu sorgen, aber auch Einzelne und Gruppen davon abzuhalten, „das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen“ oder bestimmte Gemeinschaften einzuschüchtern oder mit Gewalt zu bedrohen. Der Bischof, der auch Mitglied des Zentralausschusses des Weltkirchenrats ist, brachte sein tief empfundenes Mitgefühl für die Familien und Freunde der durch die „feigen und grausamen terroristischen Akte“ ums Leben Gekommenen zum Ausdruck.

Die Antoniuskirche im Vorort Kotahena von Colombo spiegelt die schwierige Geschichte der Katholiken unter der niederländischen Herrschaft ab der Mitte des 17. Jahrhunderts. Offiziell war die katholische Kirche verboten, nach der niederländischen Eroberung wurden alle katholischen Gotteshäuser auf Ceylon der reformierten Kirche übergeben. Es war den Oratorianerpatres aus Goa zu verdanken, dass der katholische Glaube erhalten blieb. Wie viele seiner Mitbrüder kam auch P. Antonio,  dem die Antoniuskirche ihre Entstehung verdankt, verkleidet als Kaufmann auf die Insel. Nach der lokalen Legende baten ihn die Bewohner des Fischerdorfs Mutwal um Hilfe, weil das Meer ihr Dorf bedrohte. P. Antonio errichtete am Strand ein Kreuz und betete dort, worauf das Meer zurückgegangen sei. Im späten 18. Jahrhundert war die niederländische Verwaltung schon kompromissbereit, daher erhielt der Pater ein Stück Land zugewiesen, auf dem er eine erste Kapelle errichten konnte. 1806 wurde die Kapelle erweitert, 1822 wurde aus Goa eine schöne Antoniusstatue nach Kotahena gebracht. Seither nahm die Zahl der Pilger stark zu. 1828 wurde mit dem Neubau einer großen Kirche begonnen, die 1834 geweiht werden konnte. Die Kirche wurde 1938 noch einmal erweitert und gilt seither als ein Nationalheiligtum.

Der Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio, Prof. Andrea Riccardi, hat am Ostersonntag im „Corriere della Sera“ die besondere Bedeutung der Antoniuskirche hervorgehoben. Es genüge, an einem Dienstag die Antoniuskirche zu besuchen, wenn nicht nur Katholiken aus allen Teilen der Inselrepublik die Fürsprache des Heiligen Antonius von Padua anrufen (er lebte von 1195 bis 1231 und stammte aus Lissabon), sondern auch viele andere Ceylonesen unterschiedlichsten Religionsbekenntnisses. Insofern sei die Kirche ein „Ort des multireligiösen Miteinanders“. Aber Sri Lankas jüngste Geschichte und Gegenwart sei auch von schweren Spannungen gekennzeichnet (insbesondere durch den singalesischen Nationalismus und die jahrzehntelange blutige Auseinandersetzung mit den tamilischen „Rebellen“ im Norden der Insel).

Riccardi machte darauf aufmerksam, dass es in den letzten Jahren weit über Sri Lanka hinaus eine Tatsache sei, dass die christlichen Gotteshäuser für jene ein Ziel geworden sind, „die durch Terrorismus Spaltungen erzeugen und die öffentliche Aufmerksamkeit erregen wollen“.  Wörtlich stellte der Sant’Egidio-Gründer in diesem Zusammenhang fest: „Für die Christen ist der Besuch von Kirchen in einigen Weltteilen nicht nur ein Ritus, sondern ein Akt des Mutes – wie in Ägypten, Pakistan, Nigeria und anderswo. Das Martyrium ist nicht nur eine Erscheinung der ersten Jahrhunderte des Christentums, sondern für so viele Christen eine Realität der Gegenwart“.