Wieder chaldäisch-katholischer Erzbischof für das anatolische Diyarbakir

Ramzi Garmou wurde von Teheran in die Großstadt in der östlichen Türkei transferiert

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Foto: © Ziegler175 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Ankara, 23.02.19 (poi) Seit kurzem gibt es in Diyarbakir (römisch: Amida, kurdisch: Amid) wieder einen chaldäisch-katholischen Erzbischof: Es ist Ramzi Garmou, zuvor chaldäisch-katholischer Erzbischof von Teheran. Der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, hatte – mit Zustimmung seiner Bischofssynode und unter Information des Heiligen Stuhls – Garmou von Teheran nach Diyarbakir transferiert. Erzbischof Garmou hatte verschiedentlich das Missfallen der Hardliner im iranischen Sicherheitsapparat erregt, weil er bei Messfeiern in Teheran mitunter auf persisch gepredigt hatte. Den chaldäisch-katholischen Christen ist – ebenso wie anderen christlichen Gruppen wie den Armeniern – nur Kultfreiheit als religiös-nationale Minderheit eingeräumt. Predigten auf persisch werden als verbotene Missionierung interpretiert. Der Erzbischof spricht suryoyo, arabisch, persisch und französisch.

Ramzi Garmou stammt aus der Stadt Zakho im Irak, wo er 1945 geboren wurde. Er trat in das Priesterseminar der Dominikaner in Mosul ein und setzte seine Studien später in Frankreich fort. 1977 wurde er für die Erzeparchie Teheran zum Priester geweiht. Als Seelsorger war er zunächst in Bagdad, dann später in Teheran tätig. 1995 wurde er zum Erzbischof-Koadjutor für Teheran gewählt, der damalige chaldäische Patriarch, Mar Raphael I. Bidawid, weihte ihn am 25. Februar 1996 zum Bischof. Im Februar 1999 wurde Garmou Nachfolger des verstorbenen Teheraner Erzbischofs Mar Youhanna Semaan Issayi. Zusätzlich übte er von 2013 bis 2016 die Funktion eines Apostolischen Visitators für die in Europa lebenden chaldäisch-katholischen Gläubigen aus. Von 2007 bis 2011 und dann wieder von 2015 bis 2018 wirkte er auch als Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz des Iran.

Mit seiner Transferierung nach Diyarbakir hat die Stadt mit den eindrucksvollen schwarzen Basaltstadtmauern aus römischer Zeit nach langer Zeit wieder einen Bischof. Der Bischofssitz von Amida reicht in frühchristliche Zeit zurück, wobei es ab dem 5. Jahrhundert immer Bischöfe mehrerer Konfessionen in der Stadt gab, auch Bischöfe der Apostolischen Kirche des Ostens, der Mutterkirche der chaldäisch-katholischen Kirche.

Diyarbakir hatte bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs – wie viele andere anatolische Städte – noch eine zu 50 Prozent christliche Bevölkerung. Aber der Vali (Gouverneur) von Diyarbakir, Mehmet Reschid Bey (ein Arzt aus tscherkessischer Familie), entwickelte eine mörderische Strategie zur Ausrottung aller Christen in seinem Bereich. Er war stolz darauf, sein Vilayet (Provinz) „christenfrei“ gemacht zu haben.

Reschid Bey war einer der Mitbegründer des „Komitees für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki), das während des Ersten Weltkriegs die osmanische Regierung stellte. 1909 gab er den Arztberuf auf und trat er in den Staatsdienst ein, 1915 wurde er zum Vali von Diyarbakir ernannt. Als ihn der „Ittihad“-Generalsekretär Mithat Şükrü Bleda später fragte, wie er als Arzt das Herz haben konnte, so viele Menschen zu töten, soll Reschid geantwortet haben: „Die armenischen Banditen waren eine Menge schädlicher Mikroben, die den Körper des Vaterlandes befallen hatten. War es nicht die Pflicht des Arztes, die Mikroben zu töten?“ Als einer der wenigen Täter des Völkermordes an den Christen wurde Reschid Bey 1918 verhaftet, um vor ein Kriegsgericht in Konstantinopel gestellt zu werden. Unter ungeklärten Umständen hatte er Gelegenheit, sich am 6. Februar 1919 im Gefängnis zu erschießen.