Wien: Hommage für Rhigas Fereos, den Vordenker der griechischen Freiheit

Metropolit Arsenios würdigte den Visionär einer Balkan-Föderation - Wissenschaftliche, kulturelle und musikalische Höhepunkte und ein Straßenfest in der Griechengasse unter dem Motto „Wir feiern die Freiheit“

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Foto: © Dungodung (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Wien, 25.06.18 (poi) Als ein Vorbild auch für das vereinte Europa von heute hat Metropolit Arsenios (Kardamakis) den großen griechischen Aufklärer und Freiheitskämpfer Rhigas Fereos Velestinlis gewürdigt. Bei der Eröffnung einer dreitägigen Hommage für den vor 220 Jahren von den Osmanen in Belgrad hingerichteten Visionär einer Balkan-Föderation sagte der Metropolit am 22. Juni in der orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale, Rhigas Fereos – der entscheidende Jahre seines Wirkens in Wien verbrachte – sei eine der wichtigsten Persönlichkeiten der neueren griechischen Geschichte, „weil er als Wegbereiter der griechischen Revolution von 1821 gilt, die letztlich zur griechischen Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich führte“. Rhigas Fereos sei aber nicht nur ein griechischer Nationalheld gewesen, sondern auch Südosteuropäer, der die orthodoxen Völker Südosteuropas unermüdlich zur Einigkeit und Vereinigung aufgerufen habe. Und als Europäer habe er in bedeutendem Maße zur Geistes- und Kulturgeschichte des europäischen Kontinents beigetragen.

Wien und die hiesige griechische Diasporagemeinde hätten im Leben und Wirken von Rhigas Fereos eine maßgebliche und prägende Rolle gespielt, betonte Metropolit Arsenios. Hier habe er seine wahre Schöpfungskraft entfaltet und seine revolutionären Lieder und Schriften verfasst und drucken lassen. Hier sei auch sein Gedanke eines  Verfassungsentwurfes für einen demokratischen, vom Osmanischen Reich unabhängigen, föderativen Balkanstaat gereift („Charta von Hellas“). Rhigas Fereos habe für Freiheit und Solidarität, Grundelemente des christlichen Glaubens, gekämpft. Im Hinblick auf die Aktualität des Freiheitsdenkers sagte der Metropolit wörtlich: „In einer Zeit, in der vermehrt über Trennungen und  Abgrenzungen gesprochen wird, zeigt Rhigas Fereos, dass die persönliche Identität und die Liebe zu seinem Vaterland nicht Trennungen hervorrufen muss, sondern eine Bereicherung für das gemeinsame Zusammenleben sein kann und soll“.

Die von dem Pianisten Christos Marantos kuratierte Hommage für Rhigas Fereos wurde von der Metropolis von Austria in Zusammenarbeit mit der griechischen Botschaft, dem Verband Hellenischer Vereine in Österreich, dem Sozial-kulturellen Verein der griechischen Gemeinde in Wien und Umgebung (der den Namen von Rhigas Fereos  trägt) und dem Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien veranstaltet. Die Hommage umfasste zahlreiche wissenschaftliche, kulturelle und musikalische Höhepunkte und mündete in ein Straßenfest in der Griechengasse unter dem Motto „Wir feiern die Freiheit“ mit griechischer Kulinarik, Musik und Tanz. Vor dem Straßenfest wurde bei der Göttlichen Liturgie in der Dreifaltigkeitskathedrale in besonderer Weise im Gebet des großen Aufklärers und Visionärs Rhigas Fereos gedacht. In die Hommage integriert war auch das Sommerfest der Schülerinnen und Schüler der Wiener Griechischen Nationalschule, die im Gebäude der Metropolie untergebracht ist.

Rhigas Fereos (1757-1798) aus dem kleinen griechischen Dorf Velestino habe sich auf den Weg gemacht, um sein Land in die Freiheit zu führen, hieß es in der Einladung zur Hommage: „Auf dieser Basis sollte sich die Idee entwickeln, auf dem Balkan und in den Gebieten um das östliche Mittelmeer neue und freie Staaten entstehen zu lassen sowie auch der avantgardistische Gedanke eines balkanischen Staatenbundes – unter gegenseitiger Anerkennung der jeweils eigenen kulturellen Ausrichtung, ohne Bevorzugung einer bestimmten Religion, ohne Monarchien, in demokratischer Verwaltung und demokratischem Selbstverständnis“. „Besser eine Stunde in Freiheit als 40 Jahre Sklaverei und Gefängnis“, habe eine Erkenntnis des Freiheitshelden gelautet, der sein kritisches Denken an den griechischen Autoren der Antike geschult und in Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Denkern und Literaten der späten Aufklärungszeit erweitert habe.  So sei er zum Dichter, Schriftsteller, Philosophen und politischen Visionär geworden.

Seine letzten Lebensjahre – die wichtigsten seines Schaffens – habe Rhigas Fereos in ständigem Kontakt mit den in der Stadt  ansässigen Griechen in Wien verbracht und hier seine Konzepte entwickelt, die in Wiener Verlagen veröffentlicht wurden, „darunter sogar eine detaillierte Karte des von ihm erträumten neuen Staatenbundes“. Abschließend wurde in der Einladung festgestellt: „Dass die Saat seines Wirkens erst in der Zukunft aufgehen würde, hat Rhigas Fereos kurz vor seiner Hinrichtung geäußert. Wir sollten ihm dankbar sein für die Gedanken, die er in die Welt gesetzt hat – nicht nur die Griechen, sondern wir alle, die wir ein Leben in demokratischen Gesellschaften gewöhnt sind und sie für selbstverständlich halten“.

Mit der „Hommage für Rhigas Fereos“ wurde die prägende Rolle des griechischen Visionärs im Wien des späten 18. Jahrhunderts in Erinnerung gerufen, die hier sonst oft ausgeblendet wird. Immerhin gibt es aber seit 1930 in Wien-Hernals die nach ihm benannte Rhigasgasse.