Wien-Leopoldau: Spatenstich für den ersten syrisch-orthodoxen Kirchenbau in Österreich

Metropolit Mor Dionysios: „Mit dem Bau der neuen Marienkirche möchten wir zeigen, dass das Christentum lebendig und Jesus immer gegenwärtig ist“

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain/ United States public domain tag)

Wien, 25.11.18 (poi) Der für Österreich zuständige syrisch-orthodoxe Metropolit Mor Dionysios Isa Gürbüz führte am Sonntag in Wien-Leopoldau unter dem Gesang der ehrwürdigen orientalischen Kirchenhymnen den Spatenstich für die erste in Österreich zu errichtende syrisch-orthodoxe Kirche durch. In seiner Rede erinnerte der Metropolit daran, dass die syrisch-orthodoxen Christen aus Mesopotamien kommen, „sie sind Mitglieder einer Kirche, die in Antiochien als erste an Jesus Christus geglaubt hat“. Die syrisch-orthodoxen Christen seien immer wieder verfolgt, massakriert und umgebracht worden, sie hätten aber dennoch ihren Glauben nicht aufgegeben: „Sie haben ihr Leben geopfert, aber nicht ihren Glauben“. Unfreiwillig hätten sie ihre Kirchen, ihre Häuser, ihre Dörfer verlassen und ihre Hoffnung in Europa, Amerika, Ozeanien suchen müssen. In diesen Ländern hätten sich die syrisch-orthodoxen Christen wieder zusammengefunden, weil jeder von ihnen Kirche geblieben sei.

In der Gegenwart sei der Glaube in Europa geschwächt, bedauerte der Metropolit, viele Menschen hätten aufgehört, in die Kirche zu gehen. Viele christliche Gotteshäuser hätten schließen müssen, während gleichzeitig die Zahl der Moscheen wachse. Wörtlich sagt Mor Dionysios in diesem Zusammenhang: „Mit dem Bau der neuen Marienkirche in Leopoldau möchten wir zeigen, dass das Christentum lebendig und Jesus immer gegenwärtig ist“. Es gehe dabei nicht um den Bau einer Kirche aus Steinen, sondern um eine Kirche der Seelen, „die ihr christliches Leben unter dem Dach der Kirche besser gestalten können“. Die neue Kirche solle allen „Christen Hoffnung geben, damit sie ihre Kirchen nicht verlassen“.

Die Zeiten ändern sich, die Länder ändern sich, „die Herrscher kommen und gehen“, aber eines ändert sich nicht, die Kirche, die auf der Lehre von Jesus Christus erbaut ist und in Ewigkeit Bestand haben wird, unterstrich der Metropolit. Von Ost bis West, auf der ganzen Welt, habe die Kirche einen einzigen Glauben, „jenen Glauben, den Jesus Christus an seine Jünger weitergegeben hat“.

Der syrisch-orthodoxe Bischof betonte die Bedeutung des ökumenischen Miteinanders mit der am Leopoldauer Platz benachbarten katholischen Pfarrkirche Mater Dolorosa. Die syrisch-orthodoxen Christen hätten keine „konkurrierende Kirche“ bauen wollen, sondern eine Kirche, „die an der Seite der anderen steht, damit alle „wie eine christliche Familie in Frieden zusammenleben“. Aus beiden Kirchen würden immer Gebete des Friedens für „das schöne Land Österreich, für die Stadt Wien und für den Bezirk zum Himmel steigen, auf aramäisch, in der Muttersprache Jesu, und auf deutsch“. Humorvoll fügte der Metropolit hinzu: “Da die deutsche Grammatik schwierig ist, werden aramäische Gebete vielleicht schneller ankommen. So geht unser Segen an die Nachbarkirche und deren Segen an uns“.

Der Vordere Orient sei zum „Gebetsteppich des Islam“ geworden, bedauerte Mor Dionysios, viele christlichen Kirchen und Klöster seien zerstört und die Christen aus ihrer Heimat vertrieben worden. Mit dem Bau des neuen Gotteshauses in Leopoldau wolle die syrisch-orthodoxe Kirche ein Zeichen setzen, damit nicht auch Europa zum „Gebetsteppich des Islam“ wird: „Wir wollen zeigen, dass das Christentum in Europa lebendig ist. Obwohl wir aus anderen Ländern stammen, lieben wir unsere neuen Heimatländer nicht weniger als die Europäer. Wir wollen, dass die christliche Lehre und Kultur in diesen Ländern bewahrt bleibt. Wir sind überzeugt, dass ein harmonisches Zusammenleben auch die Integration fördert. Die österreichische Kultur ist nicht fremd für uns, weil sie eine christliche Kultur ist“.

In herzlichen Worten dankte der Metropolit Kardinal Christoph Schönborn, der alle Christen und so auch die syrisch-orthodoxe Kirche unterstütze. Der Dank gelte aber auch der Bezirks- und Kommunalpolitik und allen, die bei der Realisierung des Bauprojekts hilfreich sind.

Vor dem Spatenstich und der Vertragsunterzeichnung mit der Baufirma hatte der Metropolit der Festmesse im Saal des syrisch-orthodoxen Kulturzentrums beigewohnt, die von Pfarrer Toma und dem Brüsseler Chorepiskopos Abdullah Günel zelebriert wurde. Beim Festakt sagte die stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende Siham Islek, Gott habe „als Regisseur“ die Gemeinde zum Vorhaben des Kirchenbaus geführt: „Dieses Vorhaben hat uns geeint und entfaltet eine nachhaltige Wirkung“. Nahir Günel betonte, dass das Bauprojekt für die meisten syrisch-orthodoxen Gläubigen zum Lebensmittelpunkt geworden sei. Er skizzierte die verschiedenen Teilaspekte des Gesamtprojekts. Zentrales Objekt ist die neue Kirche mit zwei je zwölf Meter hohen Glockentürmen, die rund 300 Gläubigen Platz bieten wird. Der Entwurf von Oswin Stossier verbindet traditionelle Elemente des mesopotamischen Kirchenbaus mit zeitgenössischen Akzenten. Das Kulturzentrum (ein früheres Gasthaus), wo derzeit noch die liturgischen Feiern stattfinden, wird nach einer Sanierung weiterhin auch für die Samstagschule und die Priesterwohnung zur Verfügung stehen. Der Kindergarten in einem eigenen Gebäude ist bereits eröffnet. In Zusammenarbeit mit der St. Nikolaus-Stiftung der Erzdiözese Wien werden dort 80 Kinder betreut. Ein neues Wohnheim zwischen Kirche und Kindergarten wird 19 effiziente Wohnungen und einen Jugendraum bieten.

Der Vorsitzende der Baukommission, Attila Alici, bezeichnete Vertrauen, Gemeinschaft, Glauben als die zentralen Elemente, die bei der Verwirklichung des Bauprojekts hilfreich sind. Erfreulich sei, dass Bürgermeister Michael Ludwig „und alle politischen Parteien“ das Projekt der syrisch-orthodoxen Kirche unterstützen. Im September habe der Wiener Gemeinderat eine Subvention in Höhe von 100.000 Euro für den Kirchenbau in Leopoldau beschlossen. Bezirksrat Ferdinand Lesmeister sagte in Vertretung des Bezirksvorstehers, der Bau der neuen syrisch-orthodoxen Kirche sei bedeutsam für den ganzen 21. Bezirk. Es handle sich um „gelebte Ökumene“, die in Zukunft zu einem „noch tieferen Miteinander“ führen werde. Der Pfarrer der benachbarten katholischen Gemeinde, Dechant P. Klaus Coolen OSC, würdigte die Entschlossenheit der syrisch-orthodoxen Gemeinde und fügte hinzu: „Kirchen können wir nur bauen, wenn wir auf Christus schauen und sein Evangelium zur Richtschnur machen.