Wird Theologische Hochschule Chalki endlich wiedereröffnet?

Patriarch Bartholomaios I. äußerte sich in diesem Sinn vor einer Delegation der US-amerikanischen „Hellenic Educational Association“

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Foto © User:Darwinek: (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Istanbul, 11.05.18 (poi)  Die Theologische Hochschule und das orthodoxe Priesterseminar auf der Insel Chalki im Marmara-Meer soll „demnächst“ wieder eröffnet werden. In diesem Sinn habe sich der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. im Gespräch mit einer Delegation der US-amerikanischen „Hellenic Educational Association“ in Istanbul geäußert. Der Patriarch habe sich dabei auf Zusagen des türkischen Staatspräsidenten Recep T. Erdogan und des Außenministers Mevlut Cavusoglu berufen. Das Gespräch mit den beiden Politikern habe am 25. April im neuen Präsidentenpalast in Ankara stattgefunden. Bei der Begegnung sei es auch um andere Fragen der orthodoxen Kirche in der Türkei gegangen.

Das orthodoxe Priesterseminar von Chalki und die angeschlossene Theologische Hochschule  war bis zur Schließung durch den türkischen Staat im Jahre 1971 die wichtigste Theologische Einrichtung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Zugleich war Chalki eine der führenden orthodoxen theologischen akademischen Stätten weltweit. Das Seminargebäude wurde neben den Ruinen des Dreifaltigkeitsklosters erbaut, das von Patriarch Photios I. im 9. Jahrhundert gegründet worden war. Im Jahre 1844 widmete Patriarch Germanos IV. das Kloster in eine Theologische Hochschule um. Die Einweihung fand am 23. September 1844 statt. Alle Gebäude, außer der Kapelle, wurden durch ein Erdbeben im Juni 1894 zerstört und später durch den Architekten Perikles Fotiadis neu errichtet, um im Oktober 1896 eingeweiht zu werden. Eine größere Renovierung fand in den 1950er-Jahren statt. Viele orthodoxe Gelehrte, Theologen, Bischöfe und Patriarchen, unter ihnen auch Bartholomaios I., haben ihr Studium auf Chalki absolviert.

Im Jahre 1971 wurde Chalki durch ein Gesetz geschlossen, das den Betrieb von privaten Universitäten verbietet. Die USA, die Europäische Union und Russland setzen sich seit Jahren für die Wiedereröffnung der renommierten akademischen Ausbildungseinrichtung ein. Die Europäische Union hat in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei das Thema der Wiedereröffnung der Theologischen Hochschule im Zusammenhang mit Behinderungen der freien Religionsausübung der Christen in der Türkei auf die Liste der Forderungen an Ankara gesetzt.

Die Ernennung des Metropoliten von Bursa (Brussa), Elpidophoros Lambrinidis, zum neuen Abt des Dreifaltigkeitsklosters auf Chalki im Jahr 2011 wurde vielfach als Anzeichen für die Wiedereröffnung der Hochschule interpretiert. Im Jänner 2013 berichtete die Zeitung „Today’s Zaman“, dass der türkische Rat für die frommen Stiftungen („Vakiflar“) 190 Hektar Land an die Stiftung des Dreifaltigkeitsklosters zurückgegeben hat. Die Stiftung ist die Besitzerin des Seminars und der Hochschule von Chalki. Der größte Teil dieser Ländereien befindet sich um das Seminargelände. Trotz dieser „Signale“ gab es aber keine weiteren positiven Veränderungen.

Vorübergehende Unpässlichkeit

Patriarch Bartholomaios I. musste sich kurzfristig am 6./7. Mai in Spitalsbehandlung begeben. Der Patriarch hatte sich am Sonntagmorgen, 6. Mai, krank gefühlt und über Schwindelanfälle geklagt. Er beachtete die Symptome aber nicht und feierte die Göttliche Liturgie in der Georgskathedrale des Phanar. Nach dem Gottesdienst verstärkten sich die Symptome, sodass Bartholomaios I. im „American Hospital“ in Konstantinopel aufgenommen werden musste. Die Ärzte konnten aber nichts Bedenkliches feststellen, der Patriarch konnte nach einer Nacht im Krankenhaus und den entsprechenden Kontrollen am 7. Mai wieder in den Phanar zurückkehren.

Allerdings rieten die Ärzte zur Ruhe, die für 7./8. Mai geplante Visite in Selcuk an der Ägäis, wo der Ökumenische Patriarch in Konzelebration mit dem orthodoxen Patriarchen von Alexandrien, Theodoros II., in der Johannes-Basilika die Göttliche Liturgie feiern sollte, musste abgesagt werden. In Selcuk – ein Städtchen unweit des antiken Ephesos, das bis in die 1920er Jahre den Namen Ayasoluk trug (vertürkt aus dem griechischen Hagios Theologos im Hinblick auf den Heiligen Johannes) – waren große Vorbereitungen im Gang. Im Vorfeld des Patriarchenbesuchs fand im „Sanat“-Kulturzentrum in Izmir (Smyrna) ein Konzert der Istanbuler griechischen „Zografyon“-Schule und des „Domestiki“-Chors aus dem griechischen Drama statt. Yorgo Theodoridis, der Vorsitzende des griechischen Kulturverbandes in Izmir, betonte dabei die Brückenfunktion von kulturellen Aktivitäten. Die Johannes-Basilika ist in den letzten Jahren wieder das Ziel vieler Pilgerfahrten geworden.

 

Begegnung mit Theodoros II.

Nach Wiederaufnahme seiner Amtsgeschäfte nach dem kurzen Krankenhausaufenthalt traf der Ökumenische Patriarch am Mittwoch, 9. Mai, mit Patriarch Theodoros II. von Alexandrien zusammen. Theodoros II. hatte allein am 8. Mai in der Johannes-Basilika bei Ephesos die Göttliche Liturgie zelebriert. Bei der außerordentlich langen Begegnung zwischen Bartholomaios I. und Theodoros II. ging es nach Informationen von „romfea“ um Fragen des interorthodoxen Verhältnisses und des interreligiösen Dialogs. An dem Gespräch nahm u.a. auch der Metropolit von Konya (Ikonion), Theoliptos (Fenerlis), teil.

Theodoros II. hatte erst am 5. Mai in Kairo mit Metropolit Hilarion, dem Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, ein langes Gespräch geführt, bei dem es ebenfalls um Fragen des interorthodoxen Verhältnisses ging