„Wo Religionsfreiheit eingeschränkt ist, werden auch andere Rechte unterdrückt“

„Kirche in Not“ hat Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ vorgestellt

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Foto: © Kirche in Not

3. Dezember 2018 (Kirche in Not) 61 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, in denen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht respektiert wird. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie „Religionsfreiheit weltweit 2018“, die das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ Deutschland am 28. November bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main vorgestellt hat.

196 Länder im Hinblick auf Religionsfreiheit untersucht

Der Bericht, an dem über 40 internationale Autoren mitgewirkt haben und der zum 14. Mail erscheint, nimmt die Situation in 196 Ländern in den Blick, analysiert die Rechtslage und dokumentiert Verstöße gegen das Grundrecht auf Religionsfreiheit – für Christen wie für alle anderen Religionen. Die Ergebnisse seien ernüchternd, erklärte Maria Lozano, Pressebeauftragte von „Kirche in Not“ International und Mitglied im Redaktionsteam des Berichts: „In 38 Ländern kommt es zu schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit und in 18 dieser Länder hat sich die Lage seit 2016 nochmals verschlechtert.“

Zu diesen Ländern gehören zum Beispiel Indien, China, der Iran und die Türkei. Beim Grad der Verletzungen des Berichts auf Religionsfreiheit unterscheidet der Bericht zwischen Diskriminierung religiöser Minderheiten (21 Länder wie Ägypten, Kasachstan, Vietnam und Russland) und offener Verfolgung (17 Länder, zum Beispiel Myanmar, Eritrea, Sudan und Usbekistan).

Dokumentiert werden aber auch erste Verbesserungen hinsichtlich der Religionsfreiheit, etwa in Syrien und dem Irak. Dort zum Beispiel begannen nach dem Sieg über die Truppen des „Islamischen Staates“ die Christen, in ihre Dörfer in der Ninive-Ebene zurückzukehren, wo sie ihren Glauben wieder frei leben können.

Zahlen über tatsächlich verfolgte Christen nicht seriös ermittelbar

„Es gibt drei Hauptursachen für die Verletzung der Religionsfreiheit: Islamischer Radikalismus, autoritäre Staaten und ein extremer Nationalismus“, erklärte Lozano. Letzter nehme international zu. Gleiches gelte für den „Nachbarschaftsfundamentalismus“, womit der Bericht die zunehme Radikalisierung und religiös motivierte Attentate in der westlichen Welt kategorisiert, zum Beispiel den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016.

„Insgesamt lässt sich auf Grundlage des Berichts davon ausgehen, dass etwa 327 Millionen Christen in Ländern mit religiöser Verfolgung leben und 178 Millionen in Ländern, in denen es zu Diskriminierungen kommt“, erklärte Lozano, die darauf hinwies, dass keine seriösen Zahlen zu ermitteln seien, wie viele Christen tatsächlich verfolgt würden.

Der Blick auf die eigene Religion dürfe auch nicht den Blick dafür verstellen, dass zusammen mit den Christen häufig auch andere Religionsgemeinschaften verfolgt werden: „Wo Religionsfreiheit eingeschränkt ist, werden immer auch andere Rechte unterdrückt“, erklärte Berthold Pelster, Experte für Religionsfreiheit beim deutschen Zweig von „Kirche in Not“. Diese Einschränkungen beträfen zum Beispiel auch die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit oder die Versammlungsfreiheit. Der Einsatz von „Kirche in Not“ für verfolgte Christen diene deshalb auch der Stärkung der Menschenrechte insgesamt. Darum veröffentliche das Hilfswerk den Bericht zur Religionsfreiheit.

187 Christen in Pakistan wegen Blasphemie im Gefängnis

Ein Land, in dem der Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ eine Verschlechterung der Lage identifiziert hat, vertrat bei der Pressekonferenz Dominikanerpater James Channan aus Pakistan. Er leitet in der Hauptstadt Lahore das „Peace Center“, das sich für den Dialog mit den Muslimen einsetzt. Obwohl die Christen nur 1,8 Prozent der Bevölkerung ausmachen, seien sie überdurchschnittlich von Verfolgung bedroht.

Hauptursache ist das strikte Blasphemiegesetz. „Oft wird es angewendet, um persönliche Rechnungen zu begleichen“, sagte Channan. Internationale Bekanntheit erlangte die Katholikin Asia Bibi, die zwar freigesprochen ist, aber noch immer an der Ausreise gehindert wird. Darüber hinaus gebe es jedoch noch 187 weitere Christen, die wegen Blasphemie im Gefängnis sitzen. Besonders dramatisch sei der Fall des Ehepaars Safqat und Shagufta Bibi, nicht verwandt mit Asia Bibi. Sie seien ebenfalls zum Tod verurteilt, weil sie blasphemische SMS in englischer Sprache verschickt haben sollen. Das Problem nur: Sie sprächen kein Englisch. Hinzu komme: „Wenn ein Christ wegen Blasphemie angeklagt wird, richten sich Wut und Empörung gegen die ganze Gemeinde und das ganze Dorf“, erklärte Channan.

Dennoch gebe es auch viele Muslime, die die Blaspehemiegesetze und die Diskriminierung der Christen ablehnten. „Es gibt viele Imame, die sich für den Dialog einsetzen, sie sind meine Freunde“, sagte Channan. Wichtig sei es, die Ausbildung der Religionsführer zu verbessern.

Religion zur Erhaltung von Macht missbraucht

Vom „Recht, nichts glauben zu müssen, um glauben zu können“, sprach der Vorsitzende des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland, Simon Jacob. Der 40-Jährige stammt aus der Südosttürkei und hat im Rahmen einer „Peacemaker“-Tour mehrere Monate lange Kriegs- und Krisenschauplätze des Nahen Osten besucht. Dies seien vermeintlich „Kriege zwischen religiösen Weltanschauungen, in denen es im Endeffekt aber um den Erhalt der eigenen Macht geht.“ Er sei im Nahen Osten auf junge Menschen aller Religionen gestoßen, die sich für politische und weltanschauliche Freiheit einsetzen. Dies schließe das Recht ein, „frei nach den persönlichen Wünschen auch nichts zu glauben“. Diese positive wie negative Religionsfreiheit sei im Nahen Osten nicht gewährleistet – und deshalb umso erstrebenswerter, erklärte Jacob: „Religion wird dann … zum größten Förderer des höchsten Ziels einer Gesellschaft: Frieden.“

Den gesamten Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ mit 196 Länderberichten finden Sie unter: www.religionsfreiheit-weltweit.de