Zehn-Jahres-Jubiläum der wiedererrichteten orthodoxen Marien-Kirche in Peking

Metropolit Antonij, der Exarch des Moskauer Patriarchen für Westeuropa, feierte die Festmesse – Die erste orthodoxe Kirche in der chinesischen Hauptstadt war 1696 geweiht worden

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Foto: © Patrick He (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Peking, 21.10.19 (poi) Am orthodoxen Fest des Heiligen Apostels Thomas (der das Evangelium in die Tiefen Asiens gebracht hat) wurde in Peking der 10. Jahrestag der Weihe der wiedererrichteten orthodoxen Kirche der Entschlafung der Gottesmutter auf dem Areal der russischen Botschaft in der chinesischen Hauptstadt begangen. Den Festgottesdienst feierte Metropolit Antonij (Sewryuk) von Korsun (Chersones), Exarch des Moskauer Patriarchen für Westeuropa und Leiter der Patriarchatsverwaltung für die kirchlichen Institutionen im Ausland. An dem Gottesdienst nahmen nicht nur viele Gläubige aus der internationalen orthodoxen Gemeinschaft in der chinesischen Hauptstadt  teil, sondern auch viele in China tätige russische Diplomaten mit Botschafter Andrej Denisow an der Spitze. Metropolit Antonij überbrachte die Segenswünsche des Moskauer Patriarchen, der sich bereits in seiner Zeit als Leiter des Außenamts der russisch-orthodoxen Kirche für die Revitalisierung der orthodoxen Kirche in Peking eingesetzt hatte. Beim Empfang von Botschafter Denisow aus Anlass des Zehn-Jahres-Jubiläums der Kirche waren auch Vertreter des chinesischen Außenministeriums und der Kommunistischen Partei Chinas anwesend.

Die erste orthodoxe Kirche in Peking war 1696 als Sophien-Kirche geweiht worden. Beim Erdbeben von 1730 wurde sie schwer beschädigt, nach der Restaurierung wurde sie 1732 der Entschlafung der Gottesmutter geweiht. Beim Boxer-Aufstand im Jahr 1900 wurde die Kirche praktisch völlig zerstört. 1902 gab es einen provisorischen Wiederaufbau, zugleich wurde mit dem Bau einer Märtyrer-Kathedrale begonnen, die dem Gedächtnis der vielen chinesischen orthodoxen Christen geweiht sein sollte, die der Mordorgie der Boxer zum Opfer gefallen waren. 1954 wurde die Pfarre auf dem Botschaftsgelände geschlossen, die diplomatische Vertretung der Sowjetunion benützte das Gebäude in der Folge als Garage.

Ab 2006 war die Restaurierung der Kirche Gegenstand der russisch-chinesischen Verhandlungen. Am 13. Oktober 2009 wurde das restaurierte Gotteshaus neu geweiht, tags darauf besuchte Wladimir Putin (damals Ministerpräsident der Russischen Föderation) die Kirche und überbrachte eine Ikone der Fürsprache der Gottesmutter als Geschenk.

Metropolit Antonij besuchte nach Peking auch Shanghai. Am 20. Oktober – dem Gedenktag des heilig gesprochenen russisch-orthodoxen Bischofs Jonah (Pokrowskij, 1888–1925) – feierte der in Paris residierende Metropolit Antonij im russischen Generalkonsulat der chinesischen Metropole einen festlichen Gottesdienst. Bischof Jonah war nach den Wirren des russischen Bürgerkriegs zum Bischof der mandschurisch-russischen Grenzstadt Mandschurija – einem wichtigen Eisenbahnknoten – ernannt worden. Er trug wesentlich zum Aufbau der Seelsorge unter den Scharen von russischen Bürgerkriegsflüchtlingen in der Grenzstadt bei. Bei dem feierlichen Gottesdienst in Shanghai kam im liturgischen Gebrauch der kirchenslawischen, englischen, chinesischen, griechischen, rumänischen und serbischen Sprache der multinationale Charakter der orthodoxen Gemeinschaft in der chinesischen Millionenmetropole zum Ausdruck. Metropolit Antonij und seine Delegation nahmen nach der Liturgie auch einige andere „überlebende“ orthodoxe Kirchengebäude in der Stadt – wie die Kathedrale Unserer Lieben Frau, Zuflucht der Sünder und die St. Nikolaus-Kirche – in Augenschein.