Zukunftsträchtige EU-Offensive im Spannungsfeld von Religion, Gesellschaft und Politik

Federica Mogherini startete „Global Exchange on Religion in Society“ - „Pro Oriente“-Generalsekretär Mussinghoff: Indikator für die Neubewertung des Faktors Religion in vielen politischen Entscheidungszentren

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Germany)

Brüssel-Wien, 10.09.19 (poi) Federica Mogherini, die „Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik“, hat knapp vor Ende ihres Mandats eine zukunftsträchtige Offensive gestartet, die das Spannungsfeld von Religion, Gesellschaft und Politik betrifft. Unter dem Titel „Global Exchange on Religion in Society“ wird die EU zivilgesellschaftliche, vor allem religiös inspirierte Initiativen fördern, die an der Nahtstelle von Glaube und gesellschaftlicher Integration tätig sind. Der „globale Austausch“ soll den Repräsentanten der Initiativen helfen, voneinander zu lernen, Partnerschaften aufzubauen, neue Fähigkeiten zu erwerben und positive Beispiele der Koexistenz zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubensbekenntnisses in pluralistischen Gesellschaften darzustellen. Die Startveranstaltung des „Global Exchange“ fand am 6. September in Brüssel statt.

Bei der Startveranstaltung mit rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (vor allem „mit Basis-Bezug“) war aus Österreich „Pro Oriente“-Generalsekretär Bernd Mussinghoff präsent. Er interpretiert die Initiative Federica Mogherinis als Indikator für die Neubewertung des Faktors Religion in vielen politischen Entscheidungszentren. So sei es auch kein Zufall gewesen, dass zum Auftakt der Startveranstaltung drei Erfahrungsberichte zum Verhältnis von Religion und Außenpolitik im Bereich der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der USA standen. Die Referenten waren Azza Karam, „Senior Advisor on Social and Cultural Development at the United Nations Population Fund (UNFP)“, Merete Bilde, Beraterin des EU-Außendienstes und Ko-Vorsitzende des „Transatlantic Policy Network on Religion and Diplomacy“ und Susan Hayward, Beraterin zum Thema „Religion and Inclusive Societies“ am „United States Institute of Peace“.

Im Gespräch mit den Teilnehmenden konnte Mussinghoff feststellen, dass an den Erfahrungen von „Pro Oriente“ im inoffiziellen Dialog mit orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen größtes Interesse besteht. „Offensichtlich hat ‚Pro Oriente‘ im Hinblick auf den Bereich der Ostkirchen eine außerordentliche Sensibilität entwickelt, die auch von vielen anderen Akteuren sowohl im zivilgesellschaftlichen als auch im politischen Bereich hochgeschätzt wird“, so Mussinghoff.

Federica Mogherini stellte bei der Startveranstaltung fest: „An der Basis wird in der täglichen Arbeit festgestellt, welch eine positive Rolle Religion beim Aufbau ‚inklusiver‘, niemanden ausschließender Gesellschaften spielen kann. Mit ‚Global Exchange‘ möchten wir jene Menschen miteinander verbinden, die daran arbeiten, ihre Gesellschaften ‚inklusiver‘ und gerechter zu machen. ‚Global Exchange‘ ist ein ‚Erasmus‘-Programm für zivilgesellschaftliche Akteure, die an der Nahtstelle von Glaube und gesellschaftlicher Integration tätig sind“.

Die derzeitige EU-Chefdiplomatin gebrauchte im weiteren eine Formulierung, die in Österreich aus der Zeit von Sebastian Kurz als Staatssekretär für Integration in Erinnerung ist: „Religion muss Teil der Lösung sein. Und es ist wichtig: An vielen Orten in aller Welt ist Religion bereits ein Teil der Lösung. Auf allen Kontinenten gibt es gläubige Menschen, die sich für den Weg des Respekts und der Koexistenz entschieden haben. Nicht trotz ihres Glaubens, sondern wegen ihres Glaubens“.

An die Teilnehmenden gewandt, sagte Federica Mogherini: „Unter Ihnen sind säkulare und religiöse Menschen, Repräsentanten von großen und kleinen Organisationen, aber alle haben eines gemeinsam: Sie zeigen mit Ihrer täglichen Arbeit und Ihrem täglichen Leben, dass Koexistenz möglich ist. Sie arbeiten alle daran, dass unsere Gesellschaften ‚inklusiver‘ und gerechter für alle werden“. In aller Welt gebe es so viele „gute Geschichten“, die nicht gehört werden. Sowohl die „großen“ Medien als auch die „Social media“ hätten die Tendenz, sich auf die „schlechten Nachrichten“ zu konzentrieren. Wenn etwas schiefgehe, komme es in die Schlagzeilen. Die Aufgabe der EU-Institutionen sei es, bei der Verbreitung der „Stimmen des Guten“ zu helfen. Das sei auch das Ziel von „Global Exchange“.

Die Idee für „Global Exchange“ entstand 2016. Nach einem Treffen mit religiösen Führungspersönlichkeiten in Indonesien entdeckte Federica Mogherini, dass man von den Erfahrungen dieser Menschen viel lernen könne. So entstand das Konzept einer internationalen Austauschplattform, wo Menschen, die sich für Koexistenz und gesellschaftliche „Inklusion“ in religiös unterschiedlichen Kontexten einsetzen, ihre Erfolgserlebnisse und Erfahrungen austauschen können.