Zypern: Doch keine Anerkennung der neuen ukrainischen Kirche, nur ja zur Haltung des Erzbischofs

Im Kommunique des Heiligen Synods der Kirche von Zypern ist zugleich die Rede von der Krise, „die die Kirche Jesu Christi zu zerreißen droht“

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Foto: © Presidential Press and Information Office/Kremlin.ru (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Nicosia, 25.11.20 (poi) Die Auseinandersetzung um die Anerkennung der neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ endete am Mittwoch im Heiligen Synod der orthodoxen Kirche von Zypern (bei seiner Sitzung zum Thema am Montag war keine Übereinkunft erzielt worden) mit einem Kompromiss. Nach Ansicht von kirchlichen Beobachtern blieb aber unklar, ob die Synodalen für die Anerkennung der neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ abstimmten oder darüber, ob sie sich gegen die persönliche Entscheidung von Erzbischof Chrysostomos II. stellten wollten (der am 24. Oktober das Oberhaupt der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“, Metropolit Epifanij, in Paphos erstmals in der Liturgie kommemoriert hatte). Im „weich“ formulierten Kommunique des Heiligen Synods heißt es wörtlich: „Der Heilige Synod der Kirche von Zypern hat bei seinen Sitzungen am 23. und 25. November im Detail die ukrainische Kirchenfrage behandelt, aber auch das Problem, das dadurch entstanden ist, dass Erzbischof Chrysostomos II. den Primas der ‚Orthodoxen Kirche der Ukraine‘, Metropolit Epifanij (Dumenko), in der Liturgie kommemoriert hat. Es wurde beschlossen, sich nicht gegen die Entscheidung des Erzbischofs zu stellen. Zugleich setzt der Heilige Synod auf eine umfassendere Konsultation, in der jeder mitwirken kann, um die derzeitige Krise zu überwinden, die die Kirche Jesu Christi zu zerreißen droht“. Die Abstimmung über die Haltung von Erzbischof Chrysostomos II. endete mit zehn Stimmen für und sieben Stimmen gegen ihn – bei einer Enthaltung. Laut griechischen Websites lehnte Erzbischof Chrysostomos II. eine von manchen Synodalen eingemahnte geheime Abstimmung ab.

Die Diskussion am Mittwoch war nach Angaben von Teilnehmern zunächst ruhig, dann wurde sie „lebhaft“. Einer der Kritiker der Haltung von Chrysostomos II., Metropolit Nikiphoros (Kykkotis) von Kykkos, hatte einen etwas umfangreicheren Text vorgeschlagen, in dem es u.a. hieß, die Kirche von Zypern folge nicht dem Pfad der „Akribie“ (genaue Einhaltung der Bestimmungen), sondern dem Pfad der „Oikonomie“ (großzügiger Umgang mit den Bestimmungen), dem die Väter der Kirche seit jeher gefolgt seien und der für die orthodoxe Kirche „Liebe, Befriedung und Versöhnung“ bedeute. Metropolit Nikiphoros hatte auf diesem Hintergrund vorgeschlagen, dass der Heilige Synod sich „zum Schutz der Einheit der Kirche von Zypern“ nicht gegen die Entscheidung von Chrysostomos II. stellen sollte, Epifanij als „Metropoliten von Kiew“ zu kommemorieren, zugleich solle aber jede Form der Konzelebration und der vollen eucharistischen Gemeinschaft mit Epifanij und den Seinen für die Kirche von Zypern untersagt werden. Zudem solle der Heilige Synod die Position seiner Mitglieder in Übereinstimmung mit der einmütigen Entscheidung vom 18. Februar 2019 respektieren (damals hatte das Leitungsgremium der Kirche von Zypern die Vorgänge um die neue „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ scharf verurteilt). Abschließend hieß es im von Metropolit Nikiphoros vorgeschlagenen Text, der Heilige Synod von Zypern erwarte panorthodoxe Konsultationen, „an denen alle Oberhäupter der autokephalen Kirchen“ teilnehmen – „ohne jeden Einfluss äußerer politischer Kräfte“ und „ohne jegliche Einmischung geostrategischer und geo-ökonomischer Interessen“. Bei diesen Konsultationen könne die Weisheit der Bischöfe zutage treten und die gegenwärtige Krise überwunden werden, mit der ein „katastrophales Schisma der weltweiten orthodoxen Kirche Christi“ drohe.

Weil es bei der Abstimmung im Heiligen Synod zu einer drastischen Verwässerung seines ursprünglichen Textes kam, stellte Metropolit Nikiphoros fest, dass die Entscheidung nicht verbindlich sei, weil es um „Glaubensfragen“ gehe. In der Geschichte der Kirche gebe es Beispiele, dass auch nur ein Einziger mit „Nein“ gestimmt habe. Aber später sei dieser Einzige heiliggesprochen worden, sagte der Metropolit von Kykkos und bezog sich auf den Heiligen Markos Eugenikos (1391-1444), Metropolit von Ephesos, der beim Unionskonzil von Ferrara-Florenz als einziger Orthodoxer nicht die Schlussakte unterschrieb und später von der orthodoxen Kirche heiliggesprochen wurde.

Nach der Sitzung des Heiligen Synods kam es zu einer heftigen öffentlichen verbalen Auseinandersetzung zwischen Metropolit Nikiphoros und dem Journalisten Aristides Viketos. Der Metropolit legte die Motive für seinen Entwurf dar und erläuterte, warum er die Entscheidung von Chrysostomos II. zur Anerkennung des Metropoliten Epifanij ablehne. Als der Journalist einwarf, Metropolit Nikiphoros vertrete die Ansichten des Moskauer Patriarchen, kam es zu einem Wortgefecht. Am Ende der Journalistenbegegnung stellte Aristides Viketos die Frage, ob Metropolit Nikiphoros ein „neuer Heiliger Markos Eugenikos“ werden wolle, worauf Metropolit Nikiphoros antwortete: „Halten Sie den Mund“. Wenig später erklärte der Metropolit, es tue ihm leid, er habe sich durch das „provokante und offensive“ Benehmen des Journalisten selbst zu einem unangemessenen Verhalten verleiten lassen. Der Metropolit drückte sein tiefes Bedauern über den Zwischenfall aus und entschuldigte sich sowohl bei dem Journalisten als auch beim TV-Publikum, das Zeuge des Vorfalls geworden sei.

Überaus scharf formulierte Metropolit Isaias (Kykkotis) von Tamassos beim Heiligen Synod, dass für ihn die einsame Entscheidung von Erzbischof Chrysostomos zur Anerkennung der neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ den Beginn der Abkehr der orthodoxen Kirche von der Synodalität bedeute, was „unabsehbare Konsequenzen“ haben werde. Auf der Basis der orthodoxen Ekklesiologie, der Heiligen Kanones (Kirchenrechtsbestimmungen) und der Verfassung der Kirche von Zypern stehe fest, dass nur dem Heiligen Synod eine Entscheidung zustehe, wie sie Chrysostomos II. getroffen habe. Persönlich stehe er zur einhellligen Entscheidung des Heiligen Synods von Zypern in Sachen Ukraine vom 18. Februar 2019, die „leider von Erzbischof Chrysostomos verletzt worden ist“. Die im Februar 2019 geäußerten „Sorgen und Zweifel“ im Hinblick auf die Apostolische Sukzession bei der neugegründeten ukrainischen Kirche seien nach wie vor aufrecht. Wörtlich sagte Metropolit Isaias in diesem Zusammenhang: „Ich kann die Gültigkeit der von den leitenden Personen der ‚Orthodoxen Kirche der Ukraine‘ erteilten Weihen und Sakramente nicht akzeptieren“. Der einzige wahre orthodoxe Primas der Ukraine und Metropolit von Kiew sei Onufrij (Berezowskij). Auf Grund der Festlegungen des Ersten Ökumenischen Konzils („keine zwei Bischöfe in einer Stadt“) weigere er sich, einen anderen „Prälaten“ in der ukrainischen Hauptstadt anzuerkennen, vor allem, wenn dieser über keine gültige Weihe verfüge, betonte Metropolit Isaias.

Seine Weigerung, die „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ und deren „Primas“ anzuerkennen, basiere auf Lehre, Glauben und Tradition der orthodoxen Kirche, sagte der Metropolit. Hier gehe es nicht um irgendwelche untergeordnete administrative Fragen, sondern um Zentralthemen der orthodoxen Ekklesiologie, um die Lehre der Kirche über die Sakramente, um Fragen, „die das Heil der Menschen betreffen“. Diese Fragen könnten nicht von einer flüchtigen Versammlung gelöst werden. Die Entscheidung von Erzbischof Chrysostomos, den „Primas“ Epifanij zu kommemorieren, sei „willkürlich, irregulär und im Widerspruch zur kirchlichen Tradition und zur orthodoxen Ekklesiologie gewesen“.
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Nach dem Beschluss des Heiligen Synods von Zypern stellte der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), fest, das Schisma in der Weltorthodoxie gehe weiter, der Schuldige sei Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel. Der vom ihm gesetzte Akt gegen das Kirchenrecht in der Ukraine führe jetzt zum Verlust der inneren Einheit der autokephalen orthodoxen Kirchen. Eine Überwindung der tiefen Krise der Orthodoxie sei nur möglich, wenn zum kanonischen Kirchensystem und zur orthodoxen Synodalität zurückgekehrt werde, die keinen Macht-Primat für irgendeines der Oberhäupter in der Kirche vorsehe, denn deren wahres Oberhaupt „war, ist und bleibt unser Herr Jesus Christus“.
Metropolit Hilarion betonte seine Überzeugung, dass Erzbischof Chrysostomos II. unter Druck aus Konstantinopel zugestimmt habe, das Oberhaupt der ukrainischen schismatischen Gruppe zu kommemorieren. Aus dem Kommunique des Heiligen Synods der Kirche von Zypern gehe hervor, dass ein Teil der zypriotischen Bischöfe Chrysostomos II. unterstützen und ein anderer Teil nicht. Diese vom Kirchenrecht und ihrem Gewissen geleiteten Bischöfe hätten jetzt eine schwierige Position. Zweifellos seien sie entschlossen, die Einheit ihrer eigenen autokephalen Kirche zu bewahren, andererseits erlaube ihnen ihre Treue zur heiligen Tradition und zu den kirchenrechtlichen Regelungen nicht, an der Kommemoration eines Schismatikers teilzunehmen oder eine „Kirche“ anzuerkennen, deren selbsternannte Führungspersönlichkeiten keine legalen Weihen haben.