Zypern: Erzbischof kommemoriert Metropolit Epifanij

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Foto: © Anna Anichkova (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

29.10.2020 (NÖK) Das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche von Zypern, Erzbischof Chrysostomos (Dimitriou), hat bei einem Gottesdienst erstmals Metropolit Epifanij (Dumenko) von Kiew, das Oberhaupt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (OKU), kommemoriert. Mit der Nennung des Metropoliten bei der Weihe des neuen Bischofs von Arsinoe am 24. Oktober hat Chrysostomos indirekt die Autokephalie und Legitimität der OKU anerkannt. Die Anerkennung der Ende 2018 gegründeten OKU, der vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios im Januar 2019 die Autokephalie verliehen worden war, spaltet seither die Weltorthodoxie. Bisher haben außer dem Ökumenischen Patriarchat die Griechische Orthodoxe Kirche und das Patriarchat von Alexandria die OKU anerkannt.

Chrysostomos erklärte später, seine Entscheidung, Epifanij zu kommemorieren, diene der Orthodoxie und der Kirche von Zypern. Zwar habe er bisher eine neutrale Position vertreten, aber nun habe er Stellung beziehen müssen, obwohl die Hl. Synode seiner Kirche nicht einverstanden gewesen sei. Deren Mitglieder hätten nichts von seiner Entscheidung gewusst. So verließ Metropolit Athanasios (Nikolaou) von Limassol denn auch aus Protest den Gottesdienst noch vor seinem Ende.

Noch am selben Tag veröffentlichte Metropolit Athanasios mit drei weiteren Hierarchen der Orthodoxen Kirche von Zypern – Metropolit Nikiphoros (Kykkotis) von Kykkos, Metropolit Isaias (Kykkotis) von Tamasos und Bischof Nikolaos (Timiadis) von Amathous – ein Statement, in dem sie die Handlungen ihres Oberhaupts scharf verurteilen. Darin drückten sie ihre „große Beunruhigung und tiefe Trauer“ aus und bezeichneten das Vorgehen als „grobe Verletzung des synodalen, kollektiven und demokratischen Aufbaus unserer orthodoxen Kirche“. Der Erzbischof habe an der Sitzung der Hl. Synode vom 9. September die Frage nach der Anerkennung der OKU aufgeworfen, doch es sei entschieden worden, sie an einer späteren Sitzung zu erörtern, damit alle Mitglieder ihre Position darlegen und eine synodale Entscheidung getroffen werden könne. Sie kritisierten zudem das Vorgehen von Patriarch Bartholomaios bei der Verleihung der Autokephalie an die OKU grundsätzlich und bezeichneten es als „eigenmächtig, antikanonisch und antikirchlich“. Chrysostomos verschlimmere die sowieso schon angespannte Lage der orthodoxen Kirchen und vergrößere die Gefahr einer Spaltung. Abschließend riefen sie die Bischöfe der Kirche von Zypern auf, eine außerordentliche Sitzung der Hl. Synode zur Klärung dieser Frage zu verlangen.

Die OKU reagierte mit Dankbarkeit auf die Nachricht ihrer Anerkennung durch das Oberhaupt der Kirche von Zypern. Zum kritischen Statement der vier Hierarchen sagte der Sprecher der OKU, Erzbischof Evstratij (Zorja), dass sich jeder ausrechnen könne, ob die vier Verfasser ihre Position in der 18-köpfigen Hl. Synode durchsetzen können. Zudem kenne der Erzbischof von Zypern seine Kirche und hätte deshalb diesen „Schritt nie unternommen, wenn er nicht überzeugt wäre, dass er sich dabei auf die Unterstützung der Mehrheit stützt“. Zudem habe Chrysostomos versprochen, eine Sitzung der Hl. Synode zur Klärung der Frage einzuberufen, wenn die Mitglieder darum bitten sollten.

In der OKU besteht nun die Hoffnung, dass bald andere orthodoxe Lokalkirchen folgen werden. Metropolit Oleksandr (Drabynko) glaubt, dass das Patriarchat von Jerusalem die OKU ebenfalls anerkennen wird. Auch für die Rumänische Orthodoxe Kirche gebe es in dieser Hinsicht seiner Meinung nach keine Hindernisse.

Metropolit Antonij (Pakanitsch) von Borispol, der Geschäftsführer der dem Moskauer Patriarchat unterstehenden Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), sprach sich dafür aus, auf offizielle Informationen aus Zypern zu warten. Das Vorgehen stimme zudem nicht mit der Position der Hl. Synode überein, die als einzige die Kirche von Zypern vertrete. Nun gelte es, die Reaktionen anderer Bischöfe abzuwarten, erst dann könne man das Vorgefallene beurteilen. Außerdem verwies Antonij auf die andauernde „Einmischung der Interessen der Politik und Geopolitik in die Angelegenheiten der Kirche“. Die unter diesem Einfluss getroffenen Entscheidungen heilten das Schisma nicht, sondern würden im Gegenteil zu neuen Spaltungen führen.

Der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Ilarion (Alfejev), bedauerte den Schritt von Erzbischof Chrysostomos gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA. Die Reaktion der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) darauf werde der Hl. Synod beschließen, doch er nehme an, dass Erzbischof Chrysostomos in der ROK nicht mehr kommemoriert werde. Das bedeute den Abbruch der eucharistischen Gemeinschaft mit ihm, nicht aber mit der Kirche von Zypern. Mit den Hierarchen, die Chrysostomos Position nicht teilten, werde die Gemeinschaft aufrechterhalten. Das Vorgehen des Erzbischofs von Zypern erklärte Ilarion mit Druck vonseiten des Patriarchats von Konstantinopel und der USA. Die USA seien daran interessiert, die ROK zu „schwächen“ sowie die „griechische Welt“ und die „slawische Welt“ einander gegenüberzustellen.