Zypern: Gotteshäuser werden stufenweise wieder geöffnet

Ab 4. Mai sind Kirchen und Moscheen zugänglich, ab 1. Juni gibt es wieder öffentliche Gottesdienste – Streit zwischen Kirche und Regierung in Moldawien, weil bei der Lockerung der Corona-Restruktionen der religiöse Bereich nicht berücksichtigt wurde

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Foto: © Anna Anichkova (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Nicosia-Chisinau, 01.05.20 (poi) Die zypriotische Regierung hat beschlossen, dass Kirchen und Moscheen – die wegen der Corona-Pandemie alle geschlossen waren – ab Montag, 4. Mai, wieder für das private Gebet der Gläubigen geöffnet werden. Zum selben Zeitpunkt dürfen sich aber nur zehn Personen in den Gotteshäusern aufhalten. Erst ab 1. Juni wird es wieder öffentlich zugängliche Gottesdienste geben.  Der zypriotische Präsident Nicos Anastasiadis teilte die neuen Regelungen für den religiösen Bereich in einer TV-Ansprache mit, in der er allgemein über die Lockerung der wegen der Pandemie auch auf Zypern verhängten Restriktionen informierte.

Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Zypern, Erzbischof Chrysostomos (Dimitriou), hatte sich zuvor für einen „Stufenplan“ zur Öffnung der Kirchen ausgesprochen. In der Zeitung „Cyprus Times“ stellte der Erzbischof fest, es wäre denkbar, zunächst eine begrenzte Anzahl von Gläubigen zu den Gottesdiensten zuzulassen, „vorausgesetzt, dass für jeden Anwesenden zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen“. Er könne sich aber auch vorstellen, dass die Gotteshäuser an den einzelnen Tagen für jeweils andere Gruppen von Gläubigen zur Mitfeier der Liturgie zugänglich sind.

Anlass für die Feststellungen des Erzbischofs war ein „Offener Brief“ einer Gruppe von Ärzten an Präsident Anastasiadis, in dem die sofortige Öffnung der Kirchen gefordert wurde. Erzbischof Chrysostomos stellte in diesem Zusammenhang wörtlich fest, die Ärzte sollten sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und sich nicht in kirchliche Angelegenheiten einmischen. Der Schutz der Gläubigen vor Ansteckung müsse an erster Stelle stehen. Die orthodoxe Kirche verfüge selbst über hervorragende Beziehungen zu Präsident und Regierung. Präsident Anastasiadis würdigte denn auch in seiner TV-Ansprache die „verantwortungsvolle Haltung“ des Erzbischofs in der „sensiblen Frage der Öffnung der Kirchen“.

In einem anderen orthodox geprägten Land, in Moldawien, kam es dagegen wegen der weiter aufrecht erhaltenen Schließung der Kirchen zu einem Schlagabtausch zwischen Metropolit Vladimir (Cantarian) von Chisinau und Ministerpräsident Ion Chicu. Der Metropolit veröffentlichte am Mittwoch, 29. April,  einen „Offenen Brief“ an den Regierungschef und brachte seine Unzufrieden darüber zum Ausdruck, dass bei der Milderung der Corona-Restriktionen die Situation der Gläubigen nicht mitbedacht wurde. Zugleich erinnerte Metropolit Vladimir daran, dass er immer noch über die Maßnahmen der Regierung in der österlichen Heiligen Woche empört sei, als den Gläubigen der Zugang zu den Kirchen verwehrt wurde. Jetzt sei es für die Kirche „äußerst traurig“, dass die Behörden zwar bestimmte Geschäfte geöffnet hätten, die Gotteshäuser aber nach wie vor wie Restaurants, Hotels und Einkaufszentren behandelt würden. Die Haltung der Regierung in Chisinau sei „verstörend und völlig inakzeptabel“.

Ministerpräsident Chicu antwortete auf Facebook, dass der „Schutz von Leben und Gesundheit der Menschen“ eine „überaus gesegnete und gottgefällige Haltung“ sei. Deshalb habe Moldawien –  „ebenso wie etwa Russland oder Italien“ – angesichts der Pandemie alle religiösen Aktivitäten in Anwesenheit von Gläubigen untersagen müssen. Die Entscheidungen der Regierung seien korrekt gewesen, weil es eben um Leben und Gesundheit gehe.

Er sei aber zufrieden darüber, dass „die absolute Mehrheit der Seelsorger aller Konfessionen“ Verständnis gezeigt, die enorme Gefahr des Virus für das Leben der Menschen erkannt und die religiöse Tätigkeit an den „strikten medizinischen und epidemiologischen Regeln“ der zuständigen Regierungskommission ausgerichtet habe. Die Kommission habe am Montag Spaziergänge in Parks wieder gestattet und bestimmte Ämter und Geschäfte (außer Märkten und Einkaufszentren) wieder geöffnet, für die Wiederaufnahme der Gottesdienste sei es aber noch zu früh.