Polen: Neue kirchliche Initiative trifft erstmals Vertreter der Bischofskonferenz

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Foto: © Adrian Tync (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

6. Mai 2021 (NÖK) Bei einem ersten Treffen von vier Vertretern des neu gegründeten „Kongresses der Katholikinnen und Katholiken“ mit der Kommission für das Laien-Apostolat der Polnischen Bischofskonferenz haben alle Beteiligten ihre Bereitschaft zu vertieftem Dialog bekundet. Differenzen zeigten sich jedoch insbesondere bei Fragen der kirchlichen Strukturen.

Bischof Adrian Galbas, der als Vorsitzender der Kommission für das Laien-Apostalat zu der Sitzung am 24. April eingeladen hatte, beschrieb in einem Interview seine Einstellung gegenüber dem Kongress als „irgendwo zwischen Freude und Ablehnung“. Unter den Bischöfen gebe es sehr unterschiedliche Haltungen und auch Misstrauen gegenüber dem Kongress. Er schätze seit dem Treffen vor allem die Vielfalt unter den Kongressteilnehmenden und sei überzeugt, dass sie sich als Teil der Kirche sehen und nicht von außen als Fremdkörper über sie diskutieren. Sorge bereite ihm allerdings die mangelnde Kompetenz in manchen Fragen, z. B. die übertriebene Akzentuierung des Themas Macht in der Kirche, denn die Kirche sei nicht demokratisch organisiert. Galbas selbst findet das Thema der Priesterausbildung am wichtigsten, deren „geistliches und pastorales Profil vom Zweiten Vatikanischen Konzil klar beschrieben wurde“, wobei die Beziehung zwischen Geistlichen und Laien von großer Bedeutung sei. Dieses Thema spreche der Kongress bis jetzt jedoch nicht an.

Galbas unterstrich, er werde mit dem Kongress im Gespräch bleiben und beobachten, welche Töne die Initiative anstimme: „Werden das eine Art revolutionäre Manifeste oder eher ruhige Analysen verschiedener Aspekte des kirchlichen Lebens sein?“ Gleichzeitig würde er es begrüßen, wenn sich Geistliche aktiv an den Debatten des Kongresses beteiligen und den Teilnehmenden zuhören würden: „Wir können nicht immer wieder von der Kanzel die Aufforderung von Papst Franziskus wiederholen, an die Peripherie zu gehen, und dann nur zu denjenigen gehen, die nur das sagen, was wir hören wollen oder unsere eigenen Worte wiederholen“. Außerdem solle jede bischöfliche Kommission mit einem eigenen Vertreter an den jeweiligen Themendebatten des Kongresses teilnehmen.

Fryderyk Zoll, Mitinitiator des Kongresses, folgerte aus dem Treffen, dass es nicht einfach sei, in der Kirche über die Kirche zu sprechen, dass Mauern und Blockaden bestehen, dass nur eine eingehende Diskussion zu einer tieferen Erkenntnis der analysierten Probleme und zu Ergebnissen führe. Der Kongress sei nicht einfach eine weitere der zahlreichen kirchlichen Laienbewegungen und -organisationen, denn die „bestehenden Strukturen, Bewegungen und Organisationen haben die Krise in der Kirche nicht gestoppt, so dass es gerechtfertigt ist, weiter zu suchen und zu experimentieren (was Misserfolge und bittere Enttäuschungen nicht ausschließt).“

Was die Machtfrage in der Kirche betrifft, wies Zoll darauf hin, dass niemand im Kongress die Rolle der apostolischen Nachfolge und der Bischöfe in Frage stelle, vielmehr gehe es um die Art und Weise der Machtausübung: „Es ist notwendig, die Strukturen der Kirche an die Bedürfnisse der heutigen Gläubigen anzupassen, damit die getroffenen Entscheidungen verständnisvoll akzeptiert werden und das Leben der Kirchengemeinschaft real beeinflussen. […] Die Wahrnehmung der Gläubigen als Subjekte bedeutet auch nicht, die Macht der Bischöfe einzuschränken. Im Gegenteil kann sie zu deren Umsetzung beitragen.“

Regula Zwahlen