Russland: Geistlicher für Unterstützung Navalnyjs bestraft

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Foto: © Aleshru (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

04.11.2021 (NÖK) Der Priester Georgij Suchobokij aus der Eparchie Melekess ist aller seiner Pflichten enthoben worden, nachdem er sich auf Facebook positiv über Alexej Navalnyj geäußert hatte. Auf Anordnung von Bischof Diodor (Isajev) verlor Suchobokij seine Posten als Leiter der Informations- und Verlagsabteilung, Pressesprecher und Verantwortlicher der offiziellen Website der Eparchie. Vor ihm hatte bereits der prominente Priester Alexej Uminskij für seine unterstützenden Worte über Navalnyj viel Kritik einstecken müssen.

Als Navalnyj den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments erhielt, gratulierte ihm Georgij Suchobokij, indem er eine Meldung darüber auf Facebook postete, mit dem Kommentar: Früher „habe ich ihn kritisiert, aber heute bin ich bereit, ihm die Hand zu geben“. Daraufhin teilte ihm Bischof Diodor per Telefon mit, seine Aussage habe Aufsehen erregt und er werde ihn nicht schützen. Wörtlich fragte er Suchobokij im auf der sozialen Plattform TikTok veröffentlichten Gespräch, was er „wieder für eine Provokation veranstaltet“ habe. Er warf ihm vor, die Aufmerksamkeit der Behörden geweckt zu haben und unnötig Wirbel zu verursachen. „Sie“ hätten ihn schon nach Suchobokij gefragt, damit wolle er nichts zu tun haben. So einen Pressesprecher dürfe es nicht geben, sei ihm gesagt worden, also werde es ihn auch nicht geben. Auch aus Moskau – der Kirchenleitung – kämen unangenehme Fragen, daher bleibe ihm keine Wahl. Diodor bedauerte, Suchobokij, den er für talentiert hält, entlassen zu müssen und warnte ihn, er werde auch in keiner anderen Eparchie mehr unterkommen.

Georgij zeigte sich wenig beeindruckt und blieb bei seiner Haltung. Gegenüber dem Youtube-Kanal Schtab, der Alexej Navalnyj gehört, erklärte er, früher habe er Navalnyjs Aussagen über Gott und den Glauben für leere Worte gehalten. Inzwischen habe ihn Navalnyj jedoch überzeugt, seine Worte und Taten decken sich, findet er. Jeder Mensch, der für seine Überzeugungen zu leiden bereit sei und für sie leide, verdiene Achtung. Georgij Suchobokij ist in den sozialen Medien sehr aktiv, auch auf der besonders bei Jugendlichen beliebten Plattform TikTok, und erreicht auf seinen Kanälen ein beträchtliches Publikum. Schon früher hatte er aufgrund seiner Äußerungen zugunsten einer Europäisierung der Ukraine Schwierigkeiten bekommen. Er gab zu bedenken, dass der Druck und die Gefahr, die eigene Lebensgrundlage zu verlieren, viele Menschen zum Schweigen bringe.

Bischof Diodor veröffentlichte einen offenen Brief, in dem er erklärte, Suchobokij wegen der unsachgemäßen Ausübung seiner Pflichten entlassen zu haben. Er habe sich vielfach politische, bisweilen provokative Aussagen erlaubt, auch auf kirchlichen Plattformen. Der stellv. Vorsitzende der Synodalabteilung für die Beziehung der Kirche mit der Gesellschaft und den Medien, Vachtang Kipschidse, hält den Entscheid Diodors für begründet. Ein in einer Eparchie beschäftigter Geistlicher habe nicht das Recht, seine politische Position öffentlich mitzuteilen. Das Aufzeichnen eines Telefonats ohne das Einverständnis des Gesprächspartners sei völlig unethisch. Kipschidse warf Suchobokij vor, mit seinem Vorgehen lediglich provozieren zu wollen.