Syrien: Patriarch würdigt Wahl eines Christen zum Parlamentsvorsitzenden

Syrisch-orthodoxer Patriarch gab in Damaskus Empfang für Hammouda Sabbagh – „Bestätigung der Natur einer Gesellschaft, die Jahrhunderte hindurch die Erfahrung einer vielfältigen Gemeinschaft gemacht hat“

0
125
Foto ©: Seyyed Mahmoud Hosseini (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International)

Damaskus, 14.01.18 (poi) Die Wahl des syrisch-orthodoxen Christen Hammouda Sabbagh zum Vorsitzenden des syrischen Parlaments bedeutet für den syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatius Aphrem II. eine Bestätigung der Rolle der Christen in einem Land mit muslimischer Mehrheit wie Syrien. Talentierte und erfahrene Menschen hätten in Syrien die Möglichkeit, sich für das Land einzusetzen. Bei einem Empfang für Sabbagh im Patriarchatszentrum im Damaszener Stadtteil Bab Touma sagte Mor Ignatius Aphrem II., die Wahl eines Christen zum Parlamentsvorsitzenden sichere „die harmonische Natur der syrischen Gesellschaft“, die Jahrhunderte hindurch die einmalige Erfahrung einer vielfältigen Gemeinschaft mit Menschen unterschiedlicher religiöser, ethnischer und sprachlicher Zugehörigkeit gemacht habe. Diese Vielfalt habe der syrischen Gesellschaft die Kraft zum Widerstand gegen einen „globalen Krieg“ gegeben, „der Terrorismus und Religion einsetzt, um das Land zu zerstören“.

An dem Empfang nahmen u.a. auch der griechisch-katholische melkitische Patriarch von Antiochien, Joseph Absi, der sunnitische Großmufti von Syrien, Ahmad B. Hassoun, die politische Präsidentenberaterin Bouthaina Shaaban, mehrere syrische Minister und die in Damaskus residierenden Bischöfe aller Kirchen teil. Hassoun nahm zur Rolle der Christen in Syrien Stellung und betonte, dass „in unserem Land Menschen unterschiedlicher Überzeugung leben können“. Ämter würden in Syrien nicht auf Grund konfessioneller Zugehörigkeit, sondern „im Hinblick auf Fähigkeiten“ vergeben, „weil hier alle Bürger gleich sind“.

Sabbagh, der aus einer angesehenen syrisch-orthodoxen Familie der  Djazira (dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris im Osten Syriens) kommt, erinnerte seinerseits daran, dass er in einem Land aufgewachsen sei, „in dem die Menschen gleich waren“. Das zeige sich auch darin, dass diese Einheit trotz der jetzt sieben Jahre dauernden Krise weiterbestehe. Wörtlich sagte der Parlamentsvorsitzende: „Die Verschwörung mag groß sein, aber unsere Entschlossenheit, ihr zu widerstehen, ist größer“. Mit Sabbagh hat zum ersten Mal seit den späten 1940er Jahren wieder ein Christ eines der höchsten Staatsämter in Syrien übernommen.