Neuer orthodoxer Exarch von Weißrussland wurde zum Metropoliten erhoben

Patriarch Kyrill I.: „Frieden und Gerechtigkeit mögen in der weißrussischen Gesellschaft triumphieren“ – Der Moskauer Patriarch erläuterte vor den orthodoxen Bischöfen aus Belarus, warum Wenjamin (Tupjeko) zum Exarchen erwählt wurde – „Die Kirche muss offen für das Volk sein“

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Foto ©: Alvesgaspar (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Moskau-Minsk, 07.09.20 (poi) Der neue russisch-orthodoxe Exarch für Weißrussland, Wenjamin (Tupjeko), wurde am Sonntag bei einem feierlichen Gottesdienst in der Moskauer Erlöserkathedrale von Patriarch Kyrill I. entsprechend  einem Beschluss des Heiligen Synods in den Rang eines Metropoliten erhoben. Nach der Liturgie würdigte der Patriarch die kirchliche Gesinnung des neuen Metropoliten. Er hoffe, dass Metropolit Wenjamin in dieser „auch für Belarus schwierigen Zeit“ mit Weisheit und geistlicher Stärke das Volk Gottes führen werde, sodass  alle Arten von Spaltungen, „die für das spirituelle und nationale Leben schädlich sind“, vermieden werden, so Kyrill I.: „Frieden und Gerechtigkeit mögen in der weißrussischen Gesellschaft triumphieren“. Der Patriarch bezeichnete die Einmütigkeit des Heiligen Synods bei der Wahl von Metropolit Wenjamin als „Zeichen des großen Vertrauens“.

Im Anschluss an den Gottesdienst versammelten sich die weißrussischen orthodoxen Bischöfe mit Kyrill I. im Saal des Obersten Kirchenrates in der Erlöserkathedrale. Mit Metropolit Wenjamin waren auch die Erzbischöfe bzw. Bischöfe von Witebsk, Pinsk, Grodno, Nowogrudok, Brest, Gomel, Bobruisk, Turow, Molodetschno, Lida und Polotsk anwesend. Der Moskauer Patriarch erläuterte, warum die Wahl auf Wenjamin (Tupjeko) gefallen war: „Wenn jemand zum Bischof – und damit zum Vater seines Kirchenvolks – ernannt wird, verschwinden alle nationalen Unterschiede. Heute spielt aber der nationale Faktor in Belarus eine immer wichtigere Rolle. Daher haben wir beschlossen, dass die weißrussische Kirche von jemandem geleitet werden soll, der in Belarus geboren wurde, der die weißrussische Sprache spricht und im weißrussischen Milieu aufgewachsen ist“. Jetzt müssten auch jene, die in der russisch-orthodoxen Kirche etwas für Belarus, die weißrussische Kultur und das weißrussische Leben „Fremdes“ sehen, erkennen, dass der Primas der weißrussischen Kirche, der Exarch, aus dem weißrussischen Volk kommt.

Zweifellos gebe es in Belarus nicht jene gefährlichen Prozesse, „die in der Ukraine zu einer schrecklichen Spaltung geführt haben“, betonte der Moskauer Patriarch. Der Erzfeind, der Teufel, habe die Frömmigkeit des ukrainischen Volkes verlacht und jetzt könne man sehen, wie die Religion in diesem Land zu einem Faktor der Spaltung, nicht der Einigkeit geworden sei. Die tiefste Spaltung im Leib des ukrainischen Volkes sei die kirchliche Spaltung, stellte Kyrill I. fest. Es sei sehr wichtig, dass in Belarus nicht Ähnliches passiere. Wörtlich sagte der Patriarch: „Die Kirche muss offen für das Volk sein, einschließlich der Jugend. Es ist schlecht, wenn der Eindruck erzeugt wird, dass die orthodoxe Kirche ein Club für die Generation ‚50 plus‘ ist. Einige wollen unsere Kirche so erscheinen lassen, aber es entspricht nicht der Wirklichkeit. Tatsächlich ist die orthodoxe Kirche die spirituelle Stärke unseres Volkes“. Deshalb seien die Menschen 1941 in der offiziell „gottlosen“ Sowjetunion in die noch offenen Kirchen geströmt, als der Überfall NS-Deutschlands begann, erinnerte der Patriarch. Als die Kirchenverfolgung intensiviert wurde, hätten die Menschen die Kraft gefunden, Gotteshäuser zu besuchen, zu beten und die Kirche zu unterstützen.  Heute hätten die Gläubigen das Glück, in einer günstigen Zeit zu leben, „niemand verfolgt uns, wir können arbeiten, wie es uns Christus gelehrt hat, wie unser pastorales Gewissen es uns nahelegt“.

Metropolit Wenjamin sagte in seiner Antwortrede, vielleicht sei heute auch deshalb eine „günstige Zeit“, weil die Menschen bis vor kurzem nur an weltliches Glück, Wohlstand, großartige Urlaubserlebnisse und dergleichen gedacht hätten, aber nicht an den Sinn des Lebens. Die Corona-Pandemie und die innere Sorge, die jetzt dem Vaterland widerfahren sei, habe die Menschen zum Nachdenken gebracht: „Sie fangen an, das Reich Gottes zu suchen, zu dem alles andere hinzugefügt wird“.

Im Anschluss wurden von den versammelten Bischöfen „verschiedene Aspekte des kirchlichen Lebens in Belarus“ diskutiert, wie es im Kommunique des Pressedienstes des Moskauer Patriarchats heißt.