„Panorthodoxer“ Besuch des russischen Außenministers in Athen

Im Jahr 2021 werden im Zeichen des 200-Jahr-Gedenkens der griechischen Revolution die „engen historischen Verbindungen zwischen dem russischen und dem griechischen Volk“ eine große Rolle spielen

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Athen, 27.10.20 (poi)  Im Zeichen des panorthodoxen Miteinanders stand am Montag der Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow in Athen. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis erklärte, dass die NATO-Mitgliedschaft Griechenland nicht hindere, die bilateralen Beziehungen mit Russland zu vertiefen, „vor allem im Hinblick auf das bevorstehende 200-Jahr-Jubiläum der griechischen Revolution“ (die zur Befreiung Griechenlands von der osmanischen Herrschaft führte). Mitsotakis teilte mit, dass er den russischen Präsidenten Wladimir Putin, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und den britischen Thronfolger, Prinz Charles, zur Teilnahme an den 200-Jahr-Feiern am 25. März 2021 persönlich eingeladen habe. Die beiden Präsidenten und der britische Thronfolger seien die Repräsentanten jener drei ´Länder, die im griechischen  Unabhängigkeitskrieg die entscheidende Rolle gespielt hätten. Darüber hinaus sei 2021 das „Jahr der griechisch-russischen Geschichte“. Beide Ereignisse – die 200-Jahr-Feiern und das Geschichtsjahr – würden Griechenland und Russland an ihre gemeinsame Geschichte als orthodoxe Länder und an ihre künftigen Möglichkeiten erinnern. Lawrow fügte hinzu, das Treffen in Athen bestätige, dass die Mitgliedschaft Griechenlands in der EU und in der NATO die Entwicklung der griechisch-russischen  Beziehungen nicht behindere. Es wäre aber „wünschenswert“, wenn EU und NATO diese Entwicklung „nicht  blockieren“ würden.  Die Feiern im Jahr 2021 seien ein Beweis für die „engen historischen Verbindungen zwischen dem russischen und dem griechischen Volk“.

Mitsotakis äußerte seine Besorgnis darüber, dass die Türkei ihre Aggressivität gegenüber Griechenland (und Zypern) religiös „bemäntle“. Dadurch würde die friedliche Koexistenz der Völker und Religionsgemeinschaften bedroht. Auch Lawrow nahm in Athen zur Instrumentalisierung des Faktors Religion in „geopolitischen Spielen“ Stellung. Er rief in diesem Zusammenhang zur Vorsicht auf und betonte, dass Russland Initiativen fördere, die Vorurteile gegen jüdische, christliche und muslimische Religionsgemeinschaften bekämpfen. Moskau werde das auch weiterhin tun.

In der griechischen Hauptstadt nahm der russische Außenminister auch zur Diskussion um die Hagia Sophia Stellung. Die Kathedrale sei ein UNESCO-Welterbedenkmal, das der ganzen Menschheit gehöre. Dieses Denkmal sei von außerordentlichem kulturellem und historischem Wert und „eine heilige Stätte“ für die orthodoxen Gläubigen in Russland und in der ganzen Welt. Lawrow verwies ausdrücklich auf die Stellungnahmen von Repräsentanten der russisch-orthodoxen Kirche – insbesondere von Patriarch Kyrill I. und dem Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew) – zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee. Es sei wichtig, die Aktivitäten der Experten des Welterbe-Zentrums der UNESCO und des „International Council on Monuments and Sites“ (ICOMOS) zu bewerten.