Grabarka: Wo Polen orthodox ist

Tausende Pilger nahmen an der traditionellen Wallfahrt auf den Heiligen Berg Grabarka unweit der heutigen Grenzen zwischen Polen und Weißrussland teil

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Foto: © Jacek Karczmarz (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license)

Warschau, 20.08.20 (poi)  Die traditionelle Wallfahrt auf den Heiligen Berg Grabarka unweit der heutigen Grenze zwischen Polen und Weißrussland wurde in den letzten Tagen wieder zum Höhepunkt der orthodoxen Spiritualität in Polen. Tausende orthodoxe Pilger nahmen teil, Grabarka gilt als der bedeutendste orthodoxe Wallfahrtsort Polens. Metropolit Sawa (Hrycuniak), das Oberhaupt der orthodoxen Kirche Polens, leitete die Göttliche Liturgie, unzählige Pilger aus allen Teilen Polens, aber auch aus den orthodox geprägten Nachbarländern, waren versammelt. Die Feiern hatten am 17. August mit einem Gottesdienst zu Ehren der Iwerskaja-Ikone der Gottesmutter begonnen. Seit August 2000 wird auf dem Berg Grabarka eine Kopie der wundertätigen Iwerskaja-Ikone verehrt. Die heurigen 20-Jahr-Feiern wurden vom orthodoxen Erzbischof Jerzy (Pankowski) geleitet, der auch polnischer orthodoxer Militärbischof ist (und früher als Eparchialbischof für Siemiatycze zuständig war, in dessen Bereich der Heilige Berg von Grabarka liegt).

Die Iwerskaja-Ikone stammt aus dem Athos-Kloster Iviron, das um 980 unter der Leitung des georgischen Fürsten Johannes Varazvatche, Beamter am Hof des Königs Dawit IV. und später Mönch, seinem Sohn Euthymios und seinem Schwiegersohn Johannes Tornikios errichtet wurde. Im Dienst des oströmischen Kaisers Basileios II. hatte Johannes Tornikios 979 einen Aufstand in Kleinasien niedergeschlagen. Zum Dank wurde das Kloster errichtet. Der Name der Ikone leitet sich vom Landesnamen „Iberien“ ab, mit dem bis in das Mittelalter Georgien bezeichnet wurde.

Zum 35. Mal startete heuer eine große Wallfahrt aus der multiethnischen Stadt Bialystok, der Metropole der Landschaft Podlachien. Zum 25. Mal fand die Wallfahrt der Soldaten und der Angehörigen der uniformierten Corps (Zollwache etc.)  statt, die von Erzbischof Jerzy geleitet wurde. Die ersten Pilger waren bereits am Nachmittag des 17. August zum Berg gekommen, um – wie es auch anderswo in der Weltkirche, etwa in Mexiko, Guatemala oder Brasilien üblich ist – buchstäblich „auf den Knien“ zur Verklärungskirche emporzusteigen.

Auf dem Berg Grabarka ist es – wie in vielen anderen sarmatischen Gegenden, sowohl unter orthodoxem als auch unter katholischem Vorzeichen – üblich, Kreuze aufzustellen. Die Gläubigen beten an diesen für die ewige Seligkeit der Verstorbenen und für Glück und Wohlstand der Lebenden. Charakteristisch ist das „Meer  von Kreuzen“ um die Kirche von Grabarka, die ältesten von ihnen stammen aus dem 18. Jahrhundert.  Die originale Kirche ist 1991 abgebrannt, das Gerücht über Brandstiftung hält sich bis heute, die Sicherheits- und Justizbehörden konnten nichts ermitteln. Gotteshaus und Kloster wurden durch die orthodoxe Kirche von Polen originalgetreu wieder aufgebaut.