„Konstantinopel hat das Schisma in der Ukraine vertieft“

Bischof Irinej, Sprecher des serbisch-orthodoxen Patriarchats, übt neuerlich scharfe Kritik an der Vorgangsweise des Phanars in der Ukraine

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Foto: © PanchoS (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Belgrad, 05.01.21 (poi)  Statt das ukrainische kirchliche Schisma zu heilen, habe das Eingreifen des Patriarchats von Konstantinopel in der Ukraine das Schisma vertieft und es in die ganze orthodoxe Welt verbreitet, stellte der serbisch-orthodoxe Bischof der Batschka, Irinej (Bulovic), in einem Interview mit dem serbischen Magazin „Pecat“ fest.  Durch die „nicht dem Kirchenrecht entsprechende“ Rehabilitierung der Schismatiker des „Kiewer Patriarchats“ und der „ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche“ hätten Patriarch Bartholomaios I. und der Heilige Synod der Kirche von Konstantinopel die Dinge „für die ganze Kirche“ schlimmer gemacht, betonte Bischof Irinej, als Sprecher des serbischen Patriarchats eine der einflussreichsten Stimmen in der serbisch-orthodoxen Kirche. Durch das Vorgehen Konstantinopels sei das Schisma aus der Ukraine in die ganze orthodoxe Welt übertragen worden.

Durch die Aktion des Ökumenischen Patriarchats in der Ukraine sei das Moskauer Patriarchat gezwungen gewesen, die „Communio“ sowohl mit Konstantinopel als auch mit den Hierarchen anderer orthodoxer Kirchen abzubrechen, „die den nicht bußfertigen Schismatiker Epifanij – oder besser gesagt den Bürger Dumenko  – anerkennen“. Die Schuld für diese „schreckliche Tragödie“ liege bei Konstantinopel, betonte Bischof Irinej. Im Vergleich dazu müsse man sehen, dass das Oberhaupt der kanonischen ukrainisch-orthodoxen Kirche (des Moskauer Patriarchats), Metropolit Onufrij  (Berezowskij), von den orthodoxen Ortskirchen respektiert und anerkannt ist, dass er von mehr als 100 kanonischen Bischöfen, mehr als 15.000 Priestern und Mönchen und Dutzenden Millionen von Gläubigen begleitet wird.

Konstantinopel habe durch sein Vorgehen in der Ukraine Spaltungen in orthodoxen Kirchen – zum Beispiel in Griechenland und auf Zypern – hervorgerufen, sagte Bischof Irinej. Die serbisch-orthodoxe Kirche habe eine „prinzipielle Position der bedingungslosen Loyalität zur jahrhundertealten kanonischen Ordnung der orthodoxen Kirche, mit der niemand spielen darf“.  Die serbische Kirche sei gegen „niemanden“ persönlich, aber gegen alle Aktivitäten, die die Einheit der orthodoxen Kirche „bedrohen oder verletzen“.

Bischof Irinej, der in Novi Sad, der Hauptstadt der Vojvodina, residiert, gilt als ökumenisch aufgeschlossen. Während der Jugoslawien-Kriege in den 1990er-Jahren unterstützte er die Versöhnungsbemühungen der Stiftung „Pro Oriente“. Bereits Anfang 2018 – noch bevor der Phanar in der Ukraine aktiv wurde – warnte Bischof Irinej den Ökumenischen Patriarchen vor den katastrophalen Folgen einer Anerkennung des selbsternannten Kiewer „Patriarchen“ Filaret (Denisenko) und anderer Schismatiker. In der Folge erhob der Bischof der Batschka immer wieder seine warnende Stimme. Im März 2019 machte er klar, dass die serbische Kirche die „Communio“ mit dem Patriarchat von Konstantinopel nur aus Erwägungen der „Oikonomia“ vorübergehend aufrechterhalte.