Wahlen in Bulgarien: Orthodoxe Kirche beugt Instrumentalisierung vor

Synod der Bulgarisch-orthodoxen Kirche: Geistliche dürfen nicht für politische Ämter kandidieren - Keine politischen Ansprachen von Priestern erlaubt

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Foto: © Julian Nyča, CC-BY-SA 3.0 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Sofia, 12. März 2021 (POI) In Bulgarien stehen am 4. April Parlamentswahlen an. Die Bulgarisch-orthodoxe Kirche hat im Vorfeld nun Richtlinien veröffentlicht, was die Teilnahme von Geistlichen an den Wahlen betrifft. Demnach hält der Hl. Synod fest, dass es Geistlichen gemäß Kirchenrecht nicht erlaubt ist, für politische Ämter zu kandidieren. Den entsprechenden Beschluss hat der Hl. Synod der Bulgarisch-orthodoxen Kirche bereits am 16. Februar getroffen, diese Woche wurde er auf der Website des Patriarchats veröffentlicht.

In dem Beschluss des Synods wird auch vor der politischen Vereinnahmung bzw. Instrumentalisierung der Kirche bzw. einzelner Geistlicher gewarnt. Gebete und Segnungen auf Ersuchen politischer Parteien, einzelner Politiker oder entsprechender Organisationen dürfen nur in Kirchen durchgeführt werden. Die Ansprachen der Priester müssten dabei rein spirituellen Inhalts sein, schreibt der Synod vor.

In Bulgarien wie auch in anderen orthodox geprägten Ländern hat die Stimme der Kirche noch relativ großes Gewicht. Laut einem Bericht des „Pew Research Center“ (Sommer 2020) betonen 59 Prozent der befragten Bulgaren, dass Religion wichtig für sie ist. 41 Prozent der Bulgarinnen und Bulgaren räumen dem Gebet eine wichtige Rolle in ihrem Leben ein, 55 Prozent bejahen die Frage, ob Gott für sie sehr wichtig sei. Die Bulgarisch-orthodoxe Kirche zählt rund sechs Millionen Gläubige in Bulgarien und weitere zwei Millionen in einer weltweit gewordenen Diaspora.

Die Parlamentswahlen finden nach monatelangen Protesten gegen die Regierung von Premier Bojko Borissow im vergangenen Jahr statt. Die Demonstranten hatten den sofortigen Rücktritt Borissows gefordert. Nachdem der bulgarische Präsident Rumen Radew Mitte Jänner den Wahltermin auf den 4. April festlegte, kann die Mitte-Rechts-Regierung die vier Jahre dauernde Legislaturperiode nun aber beenden. Das Mandat der Regierung läuft am 26. März aus. Die Regierungsgegner werfen Borissow Korruption und Machtmissbrauch vor. Präsident Radew hatte die Proteste unterstützt.

 

Regierung unterstützt Kirchen

Premier Borissow, Chef der konservativen Regierungspartei GERB, bemühte sich zuletzt jedenfalls, dass Wohlwollen der Kirche bzw. der Religionen im Land zu bewahren. So wurden erst im Februar erneut erhebliche Mittel für die Wiederherstellung von Kirchen und Klöstern im ganzen Land bereitgestellt. Erst am 25. Februar beschloss der Ministerrat, rund 3,5 Millionen Lev (ca. 1,8 Mio. Euro) für Reparaturen und Bauarbeiten an neun Kirchen freizugeben. Es wurden zudem auch Mittel für Reparaturen an einer Moschee bereitgestellt. „In Bulgarien leben Menschen verschiedener Religionen in Frieden und Verständnis … wofür ich ihnen danke“, zitierte das Infoportal Dobrotoliubie den Premierminister.

Eine Woche zuvor hatte die Regierung 4 Millionen Lev für die Finanzierung theologischer Schulen beschlossen; ein nicht ganz so hoher Betrag war auch Ende 2020 für Kirchen und Klöster geflossen. Borissow hatte zudem bereits im Juni 2020 während eines Besuchs im Rila-Kloster betont, dass die Regierung Mittel für weitere Klöster bereitstellen werde. Er kündigte zu diesem Zeitpunkt auch eine Zuweisung von umgerechnet einer Million US-Dollar (830.000 Euro) an das Rila-Kloster an. Das Kloster stand laut Medienberichten aufgrund der Corona-Krise kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Auch in den Jahren davor stellte die Regierung freilich immer wieder bedeutende Mittel für Kirchen und Klöster zur Verfügung.