Eucharistischer Weltkongress in Budapest setzt auch ostkirchliche Akzente

Chaldäischer Patriarch Kardinal Louis Raphael Sako und melkitischer Patriarch Yousef Absi nehmen teil - Moskauer Außenamtsleiter Hilarion (Alfejew) nahm am Eröffnungsgottesdienst teil, Patriarch Bartholomaios wird zur abschließenden Papstmesse erwartet

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Foto ©: Mar Louis Raphael I Sako / Facebook

Budapest, 09.09.21 (poi) Der Eucharistische Weltkongress in Budapest dauert noch bis Sonntag, wo er mit einer großen Messe auf dem Heldenplatz mit Papst Franziskus abgeschlossen wird. Bei dem Kongress handelt es sich aber nicht um eine nur römisch-katholische Veranstaltung, sondern es gibt auch deutliche ostkirchliche Akzente.

Mit dabei ist u.a. der Chaldäisch-katholische Patriarch Kardinal Louis Raphael Sako. Er hat bereits am Dienstag im Rahmen des Kongresses ein Glaubenszeugnis gegeben. Der Patriarch der Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche, Yousef Absi, hat am Mittwochabend in der St.-Stephans-Basilika in Budapest die Göttliche Liturgie zelebriert. Die Melkitische Kirche steht wie die anderen katholischen Ostkirchen in Kircheneinheit mit Rom, hat aber ihre eigenen Traditionen bewahrt, vor allem im Bereich der Liturgie. Die Melkiten feiern ihre Gottesdienste im byzantinischen Ritus und (meist) in arabischer Sprache.

An dem Gottesdienst im byzantinischen Ritus nahmen u.a. auch der Budapester Erzbischof Kardinal Peter Erdö und Kardinal Angelo Bagnasco, Präsident des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), teil. Die Predigt hielt Erzbischof Fülöp Kocsis, Eparch von Hajdudorog. Er ist das Oberhaupt der Griechisch-katholischen Kirche in Ungarn, die Franziskus 2015 neu geordnet und zu einer Metropolitankirche mit mehr Eigenständigkeit erhoben hatte. Von den rund sechs Millionen ungarischen katholischen Christinnen und Christen – etwa zwei Drittel der Gesamtbevölkerung – gehören gut 300.000 der ungarischen Griechisch-katholischen Kirche an.

Am Rande der Liturgie fand eine Benefiz-Aktion für die bedrohten Christinnen und Christen im Nahen Osten statt, für die besonders Patriarch Absi warb. Er hat seinen Amtssitz in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Ungarn setzt seit einigen Jahren in seiner Außenpolitik vermehrt Akzente im Bereich der Hilfe für bedrängte Christinnen und Christen im Orient, u.a. mit der Hilfsaktion „Hungary helps“, mit der im Nordirak und Syrien verschiedene Projekte umgesetzt wurden. Immer wieder lädt die ungarische Regierung auch die orientalischen Kirchenführer zu internationalen Konferenzen nach Budapest, wo Hilfsmaßnahmen besprochen werden.

Im Rahmen des Eucharistischen Kongresses fand dieser Tage in Budapest auch die Jahrestagung der europäischen griechisch-katholischen Bischöfe statt. Dabei ergriffen u.a. die beiden Kardinäle Erdö und Bagnasco sowie der Apostolische Nuntius in Ungarn, Erzbischof Michael August Blume, das Wort.

Auch die Syro-malabarische Kirche ist beim Weltkongress vertreten – durch Bischof Joseph Pamplany. Er ist Weihbischof im indischen Tellicherry und hat am Donnerstag im Rahmen eines Workshops über seine Kirche bzw. deren eucharistische Lehre und Praxis berichtet. Die Syro-malabarische Kirche ist eine katholische Ostkirche, die ihr Zentrum im indischen Bundesstaat Kerala hat.

Auch im Kulturprogramm, das den Kongress umrahmt, gibt es ostkirchliche Akzente. So wird am Donnerstagabend in der Budapester Franz-Liszt-Akademie ein Konzert des Chors des Moskauer Patriarchats aufgeführt.

 

Moskau und Konstantinopel vertreten

Aus Moskau ist zudem auch Metropolit Hilarion (Alfejew), Leiter des Außenamts der Russisch-orthodoxen Kirche, nach Budapest gereist. Er nahm am vergangenen Sonntag am Eröffnungsgottesdienst des Kongresses teil. In den vergangenen Tagen ist er zudem mit den Kardinälen Erdö und Bagnasco zusammengetroffen. Politische Gesprächspartner des Metropoliten waren u.a. der ungarische Staatspräsident Janos Ader und der stellvertretende Ministerpräsident Zsolt Semjen.

Schließlich wird ab Freitag der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in Budapest erwartet. Auch er wird mit den politischen Spitzen Ungarns und hochrangigen Kirchenvertretern zusammenkommen. Am Freitag und Samstag stehen Gespräche mit Ader und Semjen, Parlamentspräsident László Kövér und Kardinal Erdö auf dem Programm.

Der Patriarch wird zudem am Samstag die Grundsteinlegung der orthodoxen Kirche zu den „Drei Heiligen Vätern“ am Sitz des griechisch-orthodoxen Exarchats in Budapest vornehmen. Am Samstagnachmittag bzw. -abend stehen im Rahmen des eucharistischen Kongresses ein Gottesdienst und eine Kerzenprozession vom Kossuth-Platz vor dem Parlament zum Heldenplatz auf dem Programm. Patriarch Bartholomaios wird vor dem Gottesdienst eine Ansprache halten und auch am Gottesdienst teilnehmen.

Sonntagvormittag zelebriert der Patriarch eine Göttliche Liturgie in der römisch-katholischen Kirche zur „Entschlafung der Gottesgebärerin“ in Budapest. Im Anschluss wird er auch am Abschlussgottesdienst des Eucharistischen Kongresses mit Papst Franziskus auf dem Heldenplatz teilnehmen. Dabei wird es sicher auch zu einer persönlichen Begegnung mit Papst Franziskus kommen.