Metropolit Arsenios bei Weihe einer orthodoxen Klosterkirche in Frankreich

Das Nonnenkloster in Solan am östlichen Ausläufer der Cevennen hat sich zu einem geistlichen Zentrum in Südfrankreich entwickelt – Der Wiener orthodoxe Metropolit ist seit seiner Tätigkeit in Paris eng mit der orthodoxen Kirche in Frankreich verbunden

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Foto ©: Franz Johann Morgenbesser (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Paris-Wien, 14.10.19 (poi) Der orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios (Kardamakis), nahm am 12./13. Oktober an der feierlichen Weihe der neuen Hauptkirche des orthodoxen Nonnenklosters Maria Schutz in Solan nahe der Ortschaft La Bastide d’Engras im französischen Departement Gard am östlichen Ausläufer der Cevennen teil. Metropolit Arsenios ist aus seiner früheren Tätigkeit, als er ab 2004 Generalvikar der Pariser orthodoxen Metropolie und ab 2005 Sekretär des französischen Ökumenischen Rates war, eng mit der orthodoxen Kirche in Frankreich verbunden. Die Göttliche Liturgie unter Leitung des Pariser Metropoliten Emmanuel (Adamakis) konzelebrierten insgesamt sechs Bischöfe – unter ihnen auch der zypriotische Metropolit Athanasios (Nikolaou) von Limassol und der griechische Metropolit Iustinos (Bardakas) von Nea Krini – sowie eine große Zahl von Priestern und Diakonen aus verschiedenen Ländern. Zahlreiche Gläubige aus allen Teilen Frankreichs nahmen an den Feiern teil.

Archimandrit Elias, Abt des Mutterklosters von Solan, des Klosters Simonopetras auf dem Berg Athos, berichtete in seiner Predigt über die Geschichte des Klosters seit seiner Gründung und die zahlreichen Schwierigkeiten, mit denen insbesondere die „Gründerväter“ Emilianos und Placide zu kämpfen hatten. Ihre harte Arbeit habe aber schöne Früchte hervorgebracht, trotz aller Widrigkeiten sei das Kloster von Solan zu einem geistlichen Zentrum geworden, das in Südfrankreich bedeutende Strahlkraft besitze.

Metropolit Emmanuel betonte die Wichtigkeit des monastischen Lebens und der Klöster für das Leben der Kirche, die er als „Lungenflügel unserer Ortskirche“ bezeichnete. Weiters hob der Metropolit die Bemühungen der Schwestern von Solan um die Bewahrung der Schöpfung und den Umweltschutz hervor, diese Bemühungen seien in Frankreich auch auf öffentlicher und staatlicher Ebene wohlbekannt und geschätzt. Der Einsatz der Schwestern, um den orthodoxen Glauben im französischen Umfeld zu leben und zu verkünden, bedeute eine „Taufe der Kultur“. Wenn Sprache und Kultur  bewusst in das Leben der orthodoxen Kirche integriert werden, könne eine „Orthodoxie französischer Zunge“ entstehen.

Metropolit Arsenios bezeichnete die Errichtung der neuen Kirche in Solan als „ein Wunder durch die gnädige Hand Gottes“ – auch wenn das in einer „säkularisierten und kapitalistischen Zeit“ nicht verstanden werde. Obwohl heute Materialismus und Individualismus prägend sind, habe das monastische Leben nach wie vor Strahlkraft und sei „in mancher Hinsicht aktueller und radikaler als je zuvor“. Der Wiener Metropolit zitierte den ägyptischen Mönchsvater Antonius den Großen, der im 4. Jahrhundert mit dem Wort Christi im Matthäus-Evangelium „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach“ Ernst machte. Auf diese Worte hin habe Antonius das monastische Leben in der Wüste begonnen. Metropolit Arsenios: „Diese Worte erklingen durch die Jahrhunderte in den Seelen all derer, die sich für das monastische Leben entscheiden und sich um die Gaben des Gebetes, der Liebe und der Demut bemühen“. Das „engelgleiche Leben“, wie das monastische Leben auch oft genannt werde, sei dabei kein Leben frei von Problemen und Kämpfen, sondern vielmehr ein täglicher „unsichtbarer Kampf“, betonte der Wiener Metropolit. Dabei sei das Gebet ein entscheidendes Element, es dürfe keinesfalls als „pure Meditation im säkularen Sinn“ missverstanden werden. Das Gebet sei „wahrhaftes Gespräch mit Gott, das dem Leben des Mönches Struktur und Rhythmus gibt, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang“.

Dem Kloster in Solan gehören derzeit 15 Nonnen an, Vorsteherin ist Mutter Hypandia. Kirchenrechtlich ist das Kloster in den Cevennen ein „Metochion“ (eine Dependance) des Athos-Klosters Simonos Petras. Die Gemeinschaft wurde in den 1980er-Jahren vom Higumen Emilianos und von Archimandrit Placide Deseille begründet, zunächst in Vernoux-en-Vivarais im Ardeche, bevor 1992 der Gutshof in Solan erworben werden konnte, der seither von den Schwestern im Sinn des „Respekts vor der Schöpfung“ bewirtschaftet wird. Die ikonographische Ausstattung der Klosterkirche ist noch nicht vollendet, sie umfasst Ikonen und Reliefs, die der künstlerischen Tradition der Gegend entsprechen. Dabei werden auch regionale Heilige der „ungeteilten Kirche“ dargestellt. Das Kloster betreibt Wein- und Obstanbau auf 60 Hektar Fläche. Es stellt verschiedene Weine, Konfitüren und andere biologische Produkte her und vertreibt sie über die Grenzen Frankreichs hinaus.