Papst betet für Erfolg der Ukraine-Friedensverhandlungen

Ukrainischer Präsident lud Repräsentanten der Kirchen in der Ukraine ein und ersuchte um ihre Unterstützung – Metropolit Onufrij: „Es gibt kein Anliegen, für das man menschliches Leben opfern dürfte“

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Foto: © Ukrinform TV (Quelle: Wikimedia: Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Vatikanstadt-Kiew, 08.12.19 (poi) Papst Franziskus hat am Sonntag beim Angelus-Gebet seine Hoffnung auf eine Lösung für den Konflikt in der östlichen Ukraine bekundet. Wörtlich stellte der Papst fest: „Morgen, Montag, findet in Paris eine Begegnung der Präsidenten der Ukraine, Russlands und Frankreichs und der deutschen Bundeskanzlerin im „Normandie-Format“ statt, um Lösungen für den schmerzlichen Konflikt zu suchen, der seit Jahren in der östlichen Ukraine im Gang ist. Ich begleite diese Begegnung im Gebet, einem intensiven Gebet, denn hier muss der Friede hergestellt werden. Ich lade euch ein, ebenfalls zu beten, damit diese Initiative des politischen Dialogs dazu beiträgt, Früchte des Friedens in Gerechtigkeit für jenes Gebiet und seine Bevölkerung zu bringen“.

Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij hatte die Repräsentanten der Kirchen in der Ukraine am Mittwochabend im Hinblick auf den bevorstehenden Pariser Gipfel im „Normandie-Format“ eingeladen und sie ersucht, die ukrainischen Friedensinitiativen zu unterstützen. In einer Veröffentlichung der Kiewer Präsidentschaftskanzlei hieß es wörtlich: „Der Staatschef dankte den Hierarchen für ihre gemeinsame Adresse an die Bewohner der vorübergehend okkupierten Gebiete wie auch für ihren Einsatz zu Gunsten der Ukrainer. Im Kontext der Verhandlungen im ‚Normandie-Format‘ ersuchte der Präsident die Hierarchen, die friedlichen Initiativen der ukrainischen Seite zu unterstützen“. Die versammelten Bischöfe wünschten dem Präsidenten „Kraft und Geduld“ bei den Verhandlungen in Paris.

Metropolit Onufrij (Berezowskij), das Oberhaupt der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, unterstützte die Friedensinitiativen und betonte, dass menschliches Leben für „kein Anliegen“ geopfert werden dürfe. Wörtlich sagte der Primas der ukrainisch-orthodoxen Kirche und Metropolit von Kiew: „Das menschliche Leben ist das Kostbarste auf der Welt. Wir danken dem Präsidenten für seine friedensstiftende Mission und verstehen, dass es sich um einen schwierigen Prozess handelt. Aber dieser Prozess muss begonnen werden, er kann nicht erfolgreich sein, wenn ihn niemand beginnt“.

Für ein „Ende der aggressiven Rhetorik“

Der stellvertretende Leiter des Außenamts der ukrainisch-orthodoxen Kirche, Erzpriester Nikolai Danilewytsch, hat in einem Interview zu einem „Ende der aggressiven Rhetorik in den Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine“ aufgerufen. Wörtlich sagte der Erzpriester: „Es gibt keine Spannung zwischen den Menschen in den Kirchen unserer Länder. Der Konflikt spielt sich zwischen Politikern ab, zwischen den Staaten. Ich denke, wir könnten die Versöhnung mit einem ‚Informationsfrieden‘ starten. Wir müssen aufhören, die Hysterie des Gegeneinanders in den Medien zu befeuern. Wir müssen auf beiden Seiten radikale Ansichten und Erklärungen unterlassen“. Die Kirche und die Priester müssten zu Frieden und Versöhnung aufrufen, nicht zu Krieg und Opposition, unterstrich Danilewytsch. Das sei der Auftrag des Neuen Testaments.

Die ukrainisch-orthodoxe Kirche werde oft beschuldigt, „mit Moskau“ zu sein und die Interessen Russlands, der „russischen Welt“, zu unterstützen, sagte der stellvertretende Leiter des Außenamts der Kirche. Aber das sei „schlicht nicht wahr“. Metropolit Onufrij sage, wenn er das gefragt werde, die Kirche baue nicht „die russische Welt“, sondern die „Welt Gottes“. Die Leute sollten sich daran erinnern, dass die Kirche vom Staat getrennt ist, ganz gleich, ob es der ukrainische, der russische oder der US-amerikanische ist, betonte Danilewytsch und fügte hinzu: „Die Kirche sollte sich von der Politik fernhalten. Was der ukrainisch-orthodoxen Kirche am Herzen liegt, sind nicht politische Fragen, sondern kirchliche Fragen, die die Bewahrung der kanonischen Ordnung in der Kirche betreffen. Diese Dinge sollten verstanden und unterschieden werden“.

Der stellvertretende Leiter des Außenamts der ukrainisch-orthodoxen Kirche betonte, er sei dagegen, dass „die Ukraine antirussisch ist und Russland antiukrainisch“, denn als Resultat müssten die Völker in beiden Staaten leiden. Auf beiden Seiten seien Anstrengungen notwendig, es sei ein gegenseitiger Prozess.

 

Nuntius: „Raum für Frieden ist vorhanden”

Auch der Apostolische Nuntius in Kiew, Erzbischof Claudio Gugerotti, setzt Hoffnungen auf die Verhandlungen in Paris. Spielraum für Frieden sei vorhanden, auch seien die Menschen im Land dem Papst extrem dankbar für seine wiederholten Friedensappelle für die Ostukraine, sagte der Nuntius im Gespräch mit „Radio Vatikan“. „Einige mutige Schritte zum Frieden wurden in letzter Zeit getan“, so Gugerotti: „Den Raum für Dialog gibt es, wenn man ihn will. Es hängt natürlich von mehreren Seiten ab, einen einseitigen Dialog gibt es nicht. Der Wille zum Frieden muss beidseitig vorhanden sein. Und in diesem Fall ist er auch begleitet von einigen wichtigen europäischen Mächten“.

„Wir haben in diesen Jahren des Konflikts den Eindruck, dass Papst Franziskus der Ukraine extrem nahe ist“, sagte der Erzbischof. Der Papst habe eine wichtige materielle Hilfsaktion für die Kriegsopfer in der Ukraine in Gang gebracht. Die Menschen nähmen die häufigen Friedensappelle aus Rom und die Aufrufe des Papstes, Chancen zum Frieden zu nutzen, mit Hoffnung auf: „Das tut den Herzen der Ukrainer gut, die sich oft einsam und verlassen fühlen. Diese dauernde Aufmerksamkeit des Papstes ist für sie ein großer Trost“. Er selbst fahre oft in die Ostukraine, sagte der Nuntius: „Auf beiden Seiten ist das Leiden extrem, vor allem bei den einfachen Menschen, denen, die ohnehin arm sind, Alte und Kinder besonders. Auf beiden Seiten der Demarkationslinie fühlen alle, dass der Papst eine Stimme moralischer Autorität ist, die das Gute will und keine Hintergedanken hat“.