Russland: Theologie kehrt in die Welt der Wissenschaft zurück

Staatliche Anerkennung für das kirchliche „Kyrill und Method-Institut für Postgraduate-Studien“ (CMI) – Postgraduate-Theologen werden damit den Studierenden anderer wissenschaftlicher Disziplinen gleichgestellt

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Foto ©: Υπουργείο Εξωτερικών (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Moskau, 10.02.18 (poi) In Russland ist ein bemerkenswerter Schritt zur Rückkehr der Theologie in die Welt der Wissenschaft erfolgt, aus der sie 1918 von den Leninisten vertrieben worden war. Die Föderale Behörde für die Supervision von Bildung und Wissenschaft verlieh dem – von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten – „Hl. Kyrill und Method-Institut für Postgraduate-Studien“ (CMI) die staatliche Anerkennung. Im Zug des Akkreditierungsverfahrens war genau untersucht worden, ob die erzieherische und akademische Arbeit des CMI den Vorgaben für die Anerkennung von wissenschaftlichen Institutionen entspricht. Das CMI hat jetzt das Recht, staatlich anerkannte höhere akademische Grade zu verleihen. Die Ausbildung der Postgraduate-Studenten erfolgt nach den Richtlinien für hochqualifiziertes wissenschaftliches Personal; die Studenten können ihre theologischen Dissertationen vor der neueingerichteten, für Theologie zuständigen Kommission des russischen Bildungs- und Wissenschaftsministeriums verteidigen. Damit sind die Postgraduate-Theologen den Studierenden anderer wissenschaftlicher Disziplinen gleichgestellt.

Das CMI ist eine Nachfolgeorganisation eines 1963 vom legendären Erzbischof Nikodim (Rotow) – späterer Metropolit des damals noch Leningrad benannten St. Petersburg, der 1978 in den Armen von Papst Johannes Paul I. starb, als er diesem zur Wahl gratulieren wollte – begründeten Postgraduate-Lehrgangs der Moskauer Theologischen Akademie am kirchlichen Außenamt. Das heutige CMI legt besonderen Wert auf Fremdsprachenkenntnis und auf die Kenntnis neuerer theologischer Forschungsmethoden. Das Institut lädt russische und ausländische – sowohl kirchliche als auch säkulare – Wissenschaftler zur akademischen Begleitung von Dissertationen (auch solchen für das anspruchsvolle russische Doktorat) ein. Diese akademische Begleitung soll dazu beitragen, neue Generationen von Theologinnen und Theologen heranzubilden, die über die notwendigen Voraussetzungen für unabhängige Forschung und die Umsetzung der Ergebnisse im kirchlichen Dienst verfügen. Regelmäßig lädt das CMI auch prominente Referenten aus dem In- und Ausland ein, um die Studierenden mit anspruchsvollen Themen vertraut zu machen.