Islam-Beauftragte der europäischen Bischofskonferenzen setzen auf „Begegnung in der Mystik“

Bei Begegnung im albanischen Shkoder wurde Notwendigkeit des „Dialogs der Spiritualität“ betont – Kardinal Tauran: „Islam jenseits der stereotypen Vorstellungen, aber auch jenseits des fanatischen Verhaltens einer muslimischen Minderheit betrachten“

0
87
Foto: © Tobias Klenze (Quelle: Wikimedia, LizenzCreative Commons Attribution 3.0 Unported)

Tirana, 10.02.18 (poi) Die Verpflichtung zum Dialog auf akademischer und sozialer, aber auch religiöser und spiritueller Ebene wird im Abschlusskommunique der 5. Begegnung der Islam-Beauftragten  der europäischen Bischofskonferenzen betont, die von 7. bis 9. Februar in der nordalbanischen Stadt Shkoder (Scutari) getagt hatten. Der Dialog sei eine „alltägliche Erfahrung mit ihren Freuden und ihren Herausforderungen“. „Roter Faden“ der Diskussionen in Shkoder war „die Begegnung in der Mystik“, die Notwendigkeit des „Dialogs der Spiritualität“. Die Kontakte mit den muslimischen Gemeinschaften müssten auch auf dieser Ebene verstärkt werden, waren sich die Islam-Beauftragten der Bischofskonferenzen einig. Der innere Weg, der in die Tiefe des menschlichen Seins als dem „einzigartigen Ort des Dialogs mit Gott“ führe, mache Christen und Muslimen klar, dass sie Angehörige der selben, von Gott geschaffenen Menschheit sind. Ausgehend von dieser Erkenntnis könne der Dialog des Lebens und der Spiritualität sich entwickeln und „Beziehungen wahrer Freundschaft und wahrer Geschwisterlichkeit“ wachsen lassen. Die Berichte aus verschiedenen Ländern hätten klargemacht, dass der Islam in Europa „plural“ ist, wird in dem Kommunique betont. Die Unterschiedlichkeit der islamischen Gemeinschaften bedeute auch unterschiedliche Herausforderungen für die Christen.

In Shkoder sei auch an die „grausame Erfahrung“ des vom totalitären kommunistischen Regime auferlegten Staatsatheismus erinnert worden, die die Gläubigen der verschiedenen Religionen einander nahegebracht habe. Die gemeinsam erlittene Verfolgung habe dazu geführt, dass in Albanien Toleranz und Respekt unter den Gläubigen der verschiedenen Religionen gewachsen seien.

Der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, hatte in einer Botschaft an die 5. Begegnung der Islam-Beauftragten dazu eingeladen, den Islam und die Muslime „jenseits  der stereotypen Vorstellungen, der Vorurteile, der von manchen Medien gezeichneten falschen Bilder, aber auch jenseits des fanatischen und gewalttätigen Verhaltens einer muslimischen Minderheit“ zu betrachten. Zugleich wiederholte der Kardinal die Forderung nach einer „klaren Haltung“ der muslimischen religiösen Autoritäten wie auch der einzelnen Muslime im Hinblick auf religiös verbrämte Gewalttätigkeit.

Man müsse sich aber daran erinnern, dass es im Islam religiöse, moralische und spirituelle Ressourcen gebe, von denen viele auch von Christen und Juden geteilt werden, so Kardinal Tauran. Christen und Muslime müssten den gegenseitigen Respekt fördern, „die Objektivität im Reden und Schreiben über die andere Religion“, das Wohlwollen, die Compassion und die Barmherzigkeit, „die so zentral in der islamischen Tradition und zugleich so wichtig für Papst Franziskus“ sei. Von beiden Seiten sei eine neue Anstrengung notwendig, um den „Diskurs des Hasses“ zu überwinden, der die Grundlage gegenseitiger Verdächtigungen, Diskriminierungen, Ressentiments und Marginalisierungen ist. Albanien könne ein Beispiel für „respektvolle und fruchtbare Beziehungen“ zwischen Christen und Muslimen sein.

Auch der Erzbischof von Shkoder, Angelo Massafra, betonte, dass zur Vermeidung von Vorurteilen die Kenntnis des „Anderen“ von fundamentaler Bedeutung sei. Vor 25 Jahren habe Papst Johannes Paul II. in einer großen Rede auf dem zentralen Platz von Tirana betont, dass die „Kunst des Dialog und des Aufeinanderhörens“ das Geheimnis des „wahren moralischen und zivilen Fortschritts“ der Gesellschaft sei. Gerade diese Kunst könnten die albanischen Christen und Muslime auf Grund ihrer besonderen Erfahrungen den Religionsgemeinschaften in anderen Ländern Europas vermitteln.

Imam Lauren Luli, Vizepräsident der albanischen islamischen Glaubensgemeinschaft, legte vor den Islam-Beauftragten der europäischen Bischofskonferenzen seine Sicht des islamischen Glaubens dar. Entscheidend sei, dass der Glaube an Gott, den Schöpfer in „guten Werken“ sichtbar werden müsse. Der Gläubige müsse sich von allen Sünden fernhalten, insbesondere auch vom Hass, der nicht nur den einzelnen, sondern die ganze Gesellschaft schädige.