„Sendungsgottesdienst“ zum Abschluss der Weltmissionskonferenz in Arusha

Das Zeugnis des syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatius Aphrem II. über die Situation der Christen in der Auseinandersetzung mit den IS-Terroristen beeindruckte die rund 1.000 Teilnehmenden besonders

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Foto: © Phase9 (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)

Dodoma, 14.03.18 (poi/örkö) Mit einem „Sendungsgottesdienst“ endete am Dienstag in der tanzanischen Stadt Arusha die vom Weltkirchenrat (ÖRK) veranstaltete Konferenz für Weltmission und Evangelisation (CWME). Dabei stand die Berufung der Christen zur „Jüngerschaft“  in einer Welt des Schmerzes, der Spaltung und des Aufruhrs im Mittelpunkt. Der jamaicanische Pfarrer Collin Cowan, Generalsekretär des ÖRK-Rates für Weltmission, betonte, dass ein „Jünger Jesu“ zu einem „Leben im Kontrast“ berufen sei. Jesus selbst habe Grenzen überwunden, sich der Macht entgegengestellt, Systeme der Korruption herausgefordert und seine Jünger gelehrt, kulturelle Normen und Praktiken in Frage zu stellen. Cowan appellierte an die Teilnehmenden in Arusha, sich auf einen lebenslangen Weg des „ständigen Neulernens und des Überwindens von Angelerntem“ einzulassen. Die Berufung zur „Jüngerschaft“ bedeute auch, Jesus auf einer „außerordentlichen Mission zur Wandlung des Chaos in Harmonie“ zu folgen und gemeinsam mit Anderen „an der Bewahrung von Bedeutung und Würde der Menschheit und der ganzen Schöpfung Gottes“ zu arbeiten. An der ökumenischen Konferenz nahmen rund 1.000 Vertreterinnen und Vertreter von orthodoxen, römisch-katholischen, evangelischen Diözesen, aber auch aus evangelikalen, afrikanischen und pentekostalen Gemeinschaften teil.

Besondere Beachtung fand am letzten Tag des CWME in Arusha die „Keynote adress“ des syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatius Aphrem II., der das Kreuz in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte. Der weltweiten Kirche gehe es darum, das Evangelium Christi überall zu verbreiten, so der Patriarch, damit die Menschen an Christus „als Heiland und Erlöser“ glauben. Im Zentrum der christlichen Botschaft stehe die Überzeugung, dass „Gott Liebe ist“. Deshalb bestehe die Mission der Christen darin, die Liebe überallhin zu verbreiten, wobei Liebe zu Gott auch Liebe zum Nächsten bedeute. Christen seien berufen, ihre Nächsten „ohne jeden Vorteil für sich selbst“ zu lieben. Es gehe um eine Liebe, die auf Selbstentäußerung und bedingungslosem Geben beruhe. Die syrisch-orthodoxe Kirche umarme das Kreuz Christi, sie folge dem Herrn auf den Kalvarienberg „in der Überzeugung, dass das Leben über den Tod triumphiert“.

Mor Ignatius Aphrem II. nahm auf die Situation der Christen im Nahen Osten Bezug. Wenn man Jesus in Wort und Tat bezeuge, gebe es „Verfolgung und Drangsal“, sagte Mor Ignatius Aphrem II. Vor 100 Jahren habe es im damaligen Osmanischen Reich – das mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn verbündet war – einen massiven Genozid gegen die syrischen Christen gegeben. Man habe damals versucht, das Christentum in seinem Ursprungsgebiet zu eliminieren. Mehr als 500.000 Christen der syrischen Tradition seien auf oft schreckliche Weise massakriert worden, ebenso wie Armenier und Griechen. Auch heute müssten die syrisch-orthodoxen Christen durch islamistisch-terroristische Gruppierungen Verfolgungen erleiden, viele christliche Kirchen und andere kirchliche Institutionen seien in den letzten Jahren zerstört worden.

Und doch lege die syrisch-orthodoxe Kirche – gemeinsam mit den anderen Schwesterkirchen – für Christus Zeugnis ab und  versuche, den Opfern der Barbarei Hoffnung zu vermitteln, sagte der Patriarch und erinnerte an seinen Besuch in der von den IS-Terroristen völlig devastierten syrischen Euphrat-Stadt Der-ez-Zor. Als Zeichen ihrer humanitären Aufgabe habe die syrische Kirche dort eine Armen-Klinik eröffnet;  die Göttliche Liturgie habe er in den Ruinen der syrisch-orthodoxen Marienkirche mit Seiten aus Messbüchern gefeiert, die aus dem Schutt geborgen worden waren, berichtete Mor Ignatius Aphrem II. Trotz aller grauenhaften Situationen fahre die Kirche fort, Vergebung zu predigen. Mit ihren bescheidenen Mitteln versuche die syrisch-orthodoxe Kirche  den Menschen zu helfen, die unter den Attacken der Terroristen in  Syrien leiden, zum Beispiel den Familien, die in der Altstadt von Damaskus wegen der ständigen Mörser-Angriffe aus Ost-Ghouta ihre Wohnungen verlassen müssen. Angesichts der Grausamkeit der Terroristen, die Hass und Krieg verbreiten, versuche die syrisch-orthodoxe Kirche – gemeinsam mit den anderen Schwesterkirchen – den Opfern dieser unmenschlichen Verhaltens zu Hilfe zu kommen: „Wir sind unserer Berufung treu, ‚Botschafter Christi‘ und Zeugen des Evangeliums des Friedens und der Liebe zu sein“.

Viele Christen hätten angesichts der Situation im Nahen Osten ihre angestammte Heimat verlassen, so der Patriarch von Antiochien. Aber die Präsenz der Christen im Nahen Osten sei nicht nur für das Christentum insgesamt von höchster Bedeutung, sondern auch für alle Bewohner dieser Weltgegend, unabhängig von ihrer Konfession. Die Christen seien immer ein „essenzielles Element der Versöhnung“ und eine „Brücke zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Komponenten der Region“ gewesen. Wörtlich fügte der Patriarch hinzu: „Wir müssen unseren Leuten – auch durch Maßnahmen im Bereich der Sorge um Sicherheit und Finanzen – Hoffnung machen, dass sie in ihrer ursprünglichen Heimat Zukunft haben“.

In Arusha leitete der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien auch eine Sitzung für die Repräsentanten der orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen bei der CWME. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Rolle der orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen im Weltkirchenrat, ihre Interaktion und ihre Zusammenarbeit mit anderen Kirchen.

Vor der Reise nach Arusha hatte der Patriarch von Antiochien dem armenisch-apostolischen Katholikos-Patriarchen Karekin II. in Etschmiadzin einen privaten Besuch abgestattet. Die beiden Patriarchen besuchten  mehrere Klöster und historische Stätten in Armenien. Sie betonten die guten Beziehungen zwischen den beiden Schwesterkirchen sowie das gemeinsame Martyrium, das Syrer und Armenier während des Völkermords 1915-1923 durchgemacht hatten. Mor Ignatius Aphrem II. traf auch mit den Seminaristen des Gevorkian Theological Seminary zusammen. Er sprach von der Bedeutung der intensiven spirituellen und kulturellen Vorbereitung auf den Seelsorgedienst.