Tiefe Ukraine-Schatten über dem Verhältnis der orthodoxen Kirchen von Zypern und Russland

Moskauer Heiliger Synod beendete am vergangenen Freitag die Gemeinschaft mit dem Erzbischof von Zypern, weil er den Metropoliten der neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ in der Liturgie genannt hatte – Heiliger Synod der Kirche von Zypern konnte am Montag keine Einmütigkeit finden, Diskussion geht am Mittwoch weiter

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Foto: © Anna Anichkova (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Moskau-Nicosia, 23.11.20 (poi) Der Ukraine-Konflikt wirft tiefe Schatten auf das Verhältnis der orthodoxen Kirchen von Zypern und Russland. Nachdem das Oberhaupt der Kirche von Zypern, Erzbischof Chrysostomos II., die neue „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ anerkannt hatte, wurde am Freitag, 20. November,  vom Heiligen Synod des Moskauer Patriarchats bei einer Online-Versammlung unter dem Vorsitz von Patriarch Kyrill I. der Beschluss gefasst, dass der Name von Chrysostomos II. in der russischen Kirche nicht mehr in den „Diptychen“ (den Ehrenlisten) genannt werden kann, mit dem Erzbischof von Zypern und anderen zypriotischen Bischöfen, die seiner Linie folgen, sei keine eucharistische und Gebetsgemeinschaft mehr möglich.  Die Entscheidung von Chrysostomos II. war nicht mit dem Heiligen Synod der Kirche von Zypern abgesprochen, vier zypriotische Bischöfe haben inzwischen öffentlich ihren Widerspruch angemeldet. Am Montag tagte der Heilige Synod der Kirche von Zypern, es kam aber zu keiner Übereinkunft, daher wird der Heilige Synod am Mittwoch ein zweites Mal zusammentreten, um eine von allen Bischöfen mitgetragene Entscheidung im Hinblick auf das Verhältnis zur neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ zu fällen. Der Sprecher des Heiligen Synods der Kirche von Zypern, Metropolit Georgios (Papachrysostomou) von Paphos, meinte am Montagnachmittag, die zypriotischen Bischöfe hätten die Frage in einem „Geist der Einheit“ behandelt, ohne zu einer gemeinsamen Haltung zu gelangen. Manche „Missverständnisse“ hätten aber geklärt werden können.

Erzbischof Chrysostomos II. hatte das Oberhaupt der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“, Metropolit Epifanij (Dumenko), am 24. Oktober in Paphos erstmals in der Liturgie kommemoriert, was in der orthodoxen Kirche von Zypern einen Skandal auslöste. Vier zypriotische orthodoxe Bischöfe – die Metropoliten Athanasios (Nikolaou)  von Limassol, Nikiphoros (Kykkotis) von Kykkos, Isaias (Kykkotis) von Tamassos und Bischof Nikolaos (Timiadis) von Amathous – veröffentlichten daraufhin ein Protestschreiben, in dem die Vorgangsweise des Ökumenischen Patriarchen in der Ukraine und die „einseitige Entscheidung“ von Erzbischof Chrysostomos II. zur Anerkennung dieser Aktionen als „gegen das Kirchenrecht gerichtete Verletzung der konziliaren und kollegialen Natur der orthodoxen Kirche und des kanonischen Territoriums der russisch-orthodoxen Kirche“ bezeichnet wurden. Die Zuerkennung der Autokephalie an die ukrainischen Schismatiker sei ein „willkürlicher, unkanonischer und antikirchlicher Akt“. Die vier Bischöfen nahmen zugleich Bezug auf eine Studie des zypriotischen Metropoliten Neophitos (Masuras) von Morphou, wonach es nur einen kanonischen Oberhirten von Kiew und der ganzen Ukraine gebe, nämlich das Oberhaupt der ukrainisch-orthodoxen Kirche in Verbindung mit dem Moskauer Patriarchat, Metropolit  Onufrij (Berezowskij).

Der Heilige Synod des Moskauer Patriarchats fasste am 20. November einen Fünf-Punkte-Beschluss. Darin wird die „tiefe Enttäuschung“ darüber ausgedrückt, dass Chrysostomos II. durch die liturgische Nennung von Epifanij (Dumenko) seine Kommuniongemeinschaft mit „Schismatikern“ zum Ausdruck gebracht habe. Zugleich wird daran erinnert, dass der Erzbischof von Zypern diese Entscheidung allein und ohne Zustimmung des Heiligen Synods der Kirche von Zypern getroffen habe, daher handle es sich nicht um eine „synodale Entscheidung“.  Der Heilige Synod der Kirche von Zypern habe noch am 18. Februar 2019 unter dem  Vorsitz von Chrysostomos II. im Hinblick auf das Kiewer „Vereinigungskonzil“ vom 15. Dezember 2018 Zweifel geäußert,  dass es möglich sei, rückwirkend kirchliche Gemeinschaften zu legalisieren, die von laisierten, exkommunizierten und mit dem Anathema belegten Bischöfen begründet wurden.

Die Anerkennung von Epifanij (Dumenko) durch Chrysostomos II. widerspreche aber auch wiederholten Feststellungen des zypriotischen Erzbischofs über die Ukraine-Frage, hielt der Moskauer Heilige Synod fest. So habe der Erzbischof in einem Brief vom 26. Juli 2018 an den Moskauer Patriarchen betont, dass die Kirche von Zypern die Haltung der russisch-orthodoxen Kirche im Hinblick auf die „sogenannte Autokephalie der Ukraine“ unterstützen werde, weil diese Haltung „fair und gerechtfertigt“ sei.  Punkt 5 der Entscheidung des Moskauer Heiligen Synods betrifft die „Unmöglichkeit“, den Namen des Erzbischofs von Zypern in der Liturgie zu nennen oder eucharistische bzw. Gebetsgemeinschaft mit ihm zu haben oder „mit solchen zypriotischen Bischöfen zu konzelebrieren, die in kirchliche Gemeinschaft  – ‚communio‘ – mit Repräsentanten des ukrainischen Schismas treten“.