Zypern: Orthodoxe Kirche kritisiert ESC-Song „El Diablo“

0
184
Foto: © Anna Anichkova (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

11. März 2021 (NÖK) Der diesjährige Beitrag Zyperns für den Eurovision Song Contest (ESC) sorgt für Aufregung auf der Mittelmeerinsel. Orthodoxe Kirchenvertreter und Gläubige fordern den Rückzug des Liedes „El Diablo“ („Der Teufel“) der griechischen Sängerin Elena Tsagrinou aus dem Wettbewerb. Die Hl. Synode der Orthodoxen Kirche von Zypern sprach in einem Statement von der „Glorifizierung einer fatalistischen Unterwerfung und Ergebung unter die Mächte des Teufels“. Mittels einer Online-Petition wurden bereits mehr als 16‘000 Unterschriften gegen das Lied gesammelt.

Die Kirche kritisierte die Direktion der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Zyperns dafür, den Beitrag zur Vertretung Zyperns am ESC genehmigt zu haben. Sie bedauerte, dass das Lied, statt zur Förderung der Rechte der Zypriot*innen und ihren Forderungen nach Freiheit beizutragen, das Land global der Lächerlichkeit preisgebe. Den Hinweis der Rundfunkanstalt, der Liedtext sei metaphorisch zu verstehen, ließ die Hl. Synode nicht gelten. Diese Interpretation entspreche dem provokativen und inakzeptablen Inhalt nicht, zudem sei dieser Ausdruck einer „traurigen Subkultur, die der Kultur und den Werten der Menschen von Zypern nicht würdig ist, und ihren griechischen und orthodoxen Traditionen entgegengesetzt ist“. Die Hl. Synode rief die Regierung auf, den Beitrag zurückzuziehen und ein anderes Lied zu wählen, das die „Geschichte, Kultur, Traditionen und Forderungen Zyperns“ besser ausdrücke.

Trotz aller Proteste und der Drohung eines Brandanschlags will die Rundfunkanstalt an der Liedauswahl festhalten. Sie verwies darauf, dass es in dem Lied um eine Frau in einer ungesunden Beziehung zu einem Mann gehe, den sie „El Diablo“ nennt. Liedzeilen wie „I gave my heart to el diablo … because he tells me I’m his angel“ spielten somit keineswegs auf eine Verehrung des Teufels an. Das Pressebüro des zypriotischen Präsidenten erklärte, die Regierung respektiere die Ansichten der Hl. Synode und derjenigen, die mit dem Lied nicht einverstanden seien. Allerdings respektiere sie „vollkommen die intellektuelle und künstlerische Freiheit des Schaffens“.

Von dem Wirbel um das Lied profitiert ElenaTsagrinou schon jetzt. Auf YouTube erzielte der Song bereits mehr als 1,5 Mio. Klicks und bei Apple Music in Zypern steht er auf Platz eins der digitalen Charts.