Weihe eines orthodoxen Auxiliarbischofs in der Wiener Dreifaltigkeitskathedrale

Bischof Paisios (Larentzakis) wird Metropolit Arsenios (Kardamakis) bei der Leitung des Exarchats des Ökumenischen Patriarchats für Ungarn unterstützen

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Foto ©: Claudia Schneider (Lizenz: Erlaubnis der Fotografin)

Wien, 20.10.18 (poi) Der neue orthodoxe Auxiliarbischof für Ungarn, Paisios (Larentzakis), wurde am Samstagvormittag in der Wiener orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale von Metropolit Arsenios (Kardamakis) zum Bischof geweiht. Mitweihende waren der Pariser Metropolit Emmanuel (Adamakis) und der für Spanien und Portugal zuständige Metropolit des Ökumenischen Patriarchats, Polykarpos (Stavropoulos). Unter den Konzelebranten waren viele orthodoxe Priester aus Ungarn und von der Insel Kreta, woher der neue Bischof stammt. Im Hinblick auf das Aufgabengebiet von Bischof Paisios wurde das Evangelium bei der Göttlichen Liturgie nicht nur auf Griechisch und Deutsch, sondern auch auf Ungarisch proklamiert. Nach der Übergabe der liturgischen Kleidung und des Enkolpions an Bischof Paisios erklang in der Dreifaltigkeitskathedrale mehrfach der traditionelle Ruf des Gottesvolkes „Axios“ (Würdig). Mit ihren Bischöfen nahmen zahlreiche Gläubige aus Griechenland, aber auch aus Österreich und Ungarn am Weihegottesdienst teil.

Metropolit Arsenios ist als Exarch des Ökumenischen Patriarchats auch für Ungarn zuständig. Auf seinen Antrag – und auf Vorschlag des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. – wählte der Heilige Synod von Konstantinopel Archimandrit Paisios Larentzakis, Generalvikar der Metropolis von Austria, im August einstimmig zum Auxiliarbischof. Als Titularsitz wurde ihm Apameia in Bithynien (Apameia Myrleia) zugewiesen, eine antike Stadt am Marmarameer, im Bereich des heutigen Mudanya. Bis zum sogenannten Bevölkerungsaustausch im Jahr 1923 war die Gegend des einstigen Apameia noch weitgehend christlich geprägt gewesen.

Der neue Bischof wurde in der kretischen Hauptstadt Iraklion geboren. Seine Ausbildung erhielt er in seiner Heimatstadt sowie im kirchlichen Gymnasium „Rizareios“ in Athen. Er ist Absolvent der Kirchlichen Hochschule von Athen und der Theologischen Fakultät der „Kapodistrias“-Universität Athen. 1998 wurde er im Georgskloster von Epanosifi zum Mönch und Diakon geweiht. Im Jahr 2000 weihte ihn der Erzbischof von Kreta zum Priester. Als Seelsorger wirkte er auf Kreta (1998-2015) und im Patriarchat von Alexandrien (2015/16), bevor er nach Mitteleuropa kam, wo er Metropolit Arsenios als Generalvikar diente. 2018 wurde ihm der Titel eines „Archimandriten des Ökumenischen Throns (von Konstantinopel)“ verliehen.

Bischof Paisios wird in Zukunft vor allem in Ungarn wirken. Die ungebrochene ostkirchliche Tradition in Ungarn lässt sich bis vor die Zeit der Kirchenspaltung von 1054 zurückverfolgen. Im 16. Jahrhundert wurde die orthodoxe Kirchenstruktur im damals osmanisch beherrschten Ungarn durch Patriarch Makarije (Sokolovic) von Pec erneuert (der ein enger Verwandter des zum Islam übergegangenen Großwesirs Mehmed Sokolovic war). Nach der habsburgischen Wiederoberung Ungarns durch christliche Truppen kamen im 17./18. Jahrhundert viele orthodoxe Immigranten aus den weiterhin osmanischen Gebieten in das heutige Ungarn. Ein letzter Zuwachs erfolgte schließlich in den 1940er/50er Jahren, als nach dem Ende des griechischen Bürgerkriegs viele Anhänger der kommunistischen  ELAS (bzw. DSE) in die sogenannten „sozialistischen Länder“, auch nach Ungarn, emigrierten.

Heute weisen die dem Metropoliten von Austria und Exarchen von Ungarn unterstehenden orthodoxen Gemeinden in Ungarn ein kräftiges Wachstum auf.