Istanbul: Trauer um christlichen „Arzt der Armen“

Der 78-jährige Internist wurde ein Opfer des Coronavirus – Der syrisch-orthodoxe Christ aus Mardin war an der Medizinischen Fakultät Istanbul überaus geschätzt

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Foto: © Nevit Dilmen Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Istanbul, 06.05.20 (poi) Trotz der auch in der Türkei geltenden Maßnahmen zur „sozialen Distanzierung“ im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie haben Hunderte von Ärzten, Studenten und Mitarbeitern der Medizinischen Fakultät der Universität Istanbul an der Gedenkfeier für den Arzt Prof. Christian Murat Dilmener teilgenommen, der am 3. Mai an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben ist. Der 78-jährige Arzt, ein syrisch-orthodoxer Christ, hatte sich Anfang April mit dem Virus infiziert, er verstarb, nachdem er mehrere Wochen auf der Intensivstation behandelt worden war. In der Türkei war Dilmener als „Arzt der Armen“ bekannt, er hatte auch in den Gemeinden der syrisch-orthodoxen Kirche Freiwilligen-Dienste auf den Weg gebracht. Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Tufan Tükek, stellte auf Twitter fest, seine Fakultät habe durch den Coronavirus „einen unserer besonders kostbaren Lehrenden“ verloren. Er vertraue ihn der „Barmherzigkeit Gottes“ an. Die Zeitung „Hürriyet“ würdigte die herausragenden Leistungen des Internisten für die Ausbildung vieler Studierender der Medizinischen Fakultät Istanbul.

Der in Mardin geborene Internist war der erste syrische Christ, der als fest angestellter Professor an einer medizinischen Fakultät in der Türkei unterrichten konnte. Im Jahr 2004 leiteten die türkischen Behörden Ermittlungen gegen Dilmener und 135 andere Ärztinnen und Ärzte ein, die ohne Genehmigung mittellose Patienten kostenlos in einem öffentlichen Krankenhaus in Istanbul behandelt hatten. Die Vorwürfe gegen den Professor, öffentliche Gelder verschwendet zu haben, um diese Initiative zu unterstützen, erwiesen sich als unbegründet.

Die Klöster der Region Mardin – wie das berühmte Kloster Mor Gabriel – sind ein bedeutendes Erbe der syrisch-orthodoxen Kirche, das in die Antike zurückreicht. Vom 13. Jahrhundert bis zum Jahr 1932 befand sich der Sitz des syrisch-orthodoxen Patriarchats in dem Kloster Der-ul-Zafaran in der Nähe von Mardin, das dem Heiligen Ananias geweiht ist.