Nahost-Christen: Hoffnung auf Osterfreude nach Leidenszeit

Chaldäisch-katholischer Bischof Warduni unterstreicht Verbindung mit der ganzen Christenheit – Glaube an die Auferstehung verlangt von den orientalischen Christen auch Einsatz für den Wiederaufbau ihrer Heimatländer

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Foto: © U.S. Army photo by SGT Daniel Nelson (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-ShareAlike License)

Bagdad-Damaskus, 31.03.18 (poi) Auch an diesem Osterfest müssten die Christen im Nahen Osten, in Mosul und Aleppo und an so vielen anderen Orten, ihr Leid mit Christus tragen, sagte der chaldäisch-katholische Weihbischof Shlemon Warduni – „rechte Hand“ des Patriarchen Mar Louis Raphael Sako – am Karsamstag in einem Telefoninterview aus Bagdad mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. „Es geht uns wie Simon von Cyrene, von dem die Evangelien berichten, wie er Jesus ein Stück weit das Kreuz tragen musste“, stellte der Bischof fest. Aber das Ziel sei nicht Golgotha, sondern das „leere Grab der Auferstehung“: „Wir beten, dass überall im Nahen Osten das Osterfest ein Grund zur Freude sein möge“, so Warduni. Nur im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes könnten „Waffengewalt, Zerstörung und Armut“ überwunden werden, die seit Jahren im Nahen Osten toben.

Bei den Gottesdiensten gelte das Gebet allen Leidenden, auch den Christen, die sich fragen, „wer für ihr Leben, ihre Zukunft, ihre Familie, ihre Sicherheit garantiert“, den christlichen Dörfern der Ninive-Ebene, wo die christlichen Familien zurückkehren, aber auch jenen Kleinstädten wie dem ganz zerstörten Batnaya, wo sich nur Soldaten aufhalten, die rückkehrwillige frühere Bewohner abschrecken. Bischof Warduni betonte, dass der Glaube an die Auferstehung von den nahöstlichen Christen auch Einsatz für den Wiederaufbau ihrer Heimatländer verlange, Bereitschaft zum Engagement für das Gemeinwohl und gegen die Sonderinteressen und die Korruption.

Der chaldäische Bischof unterstrich die Verbindung der Christen des Nahen Ostens mit der ganzen Christenheit: „Wir opfern unser Leiden für das Heil aller auf, aber wir bitten auch um das Gebet unserer Brüder und Schwester, damit wir die Kraft zum Ausharren erhalten“. Die Verbundenheit gelte aber auch den „nichtchristlichen Brüdern“, mit denen die orientalischen Christen „die Tragödie des Krieges“ teilen, sogar jenen, die „sich von Gott entfernt haben, indem sie falsche Weg eingeschlagen haben“.

Volle Kirchen in Aleppo

Der Apostolische Vikar für die Katholiken des lateinischen Ritus in Aleppo, Bischof Georges Abou Khazen, sagte, in seiner Heimatstadt schwanke zum Osterfest die Stimmung zwischen Hoffnung auf baldigen Frieden und Skepsis. Es gebe die Befürchtung, dass „die Mächte dieses Land ausnehmen und sich Teile aneignen wollen“. Aber die Kirchen in Aleppo seien bei den Gottesdiensten voll, die Menschen seien im achten Jahr des Syrien-Konflikts voll Sehnsucht nach Frieden, danach, „dass dem Kreuzweg die Auferstehung folgt“. Die Wirtschaft liege nach der Zerstörung vieler Fabriken und Gewerbetriebe darnieder, aber die Kirche versuche, Initiativen zu setzen, etwa die Aktion zur Reinigung der Stadt von den Spuren der Kämpfe, die Sommerlager für Kinder und Jugendliche, die Finanzierung der ärztlichen Versorgung und des Medikamentennachschubs.

Die Zahl der Gläubigen sei in Aleppo in den Jahren des Krieges gesunken, „aber unsere Kirche ist eine lebendige Kirche“, betonte der Bischof: „Wir haben Tod und Zerstörung erlebt, aber zugleich auch das Zeugnis großer Nächstenliebe und Solidarität. Der Krieg dauert noch an, es gibt neue Opfer, immer noch verlassen Leute das Land. Angesichts all dessen könne wir nicht taub und unberührt bleiben, auch nach sieben Jahren Krieg können wir uns nicht mit der Logik der Gewalt abfinden“. Der Glaube sei stärker als der Tod, deshalb strömten die Gläubigen so zahlreich in die Kirchen – wie sich auch bei der großen Prozession zu allen Gotteshäusern der Stadt nach der Karfreitagsliturgie gezeigt habe.

Hilferuf aus Amadiya

Die katholische Nachrichtenagentur „AsiaNews“ veröffentlichte am Karfreitag einen Hilferuf des chaldäisch-katholischen Pfarrers von Amadiya in der autonomen kurdischen Region, P. Samir Yousef. Die chaldäische Pfarre der kleinen Stadt hat für 158 christliche und jesidische Familien zu sorgen, die vor allem aus Mosul und Sinjar stammen. Sie waren vor den IS-Terroristen geflüchtet und versuchten nach deren Vertreibung heimzukehren. Aber ihre Häuser waren zerstört; vor allem das nichtfunktionierende Schulwesen und die Spannungen zwischen irakischer Armee und kurdischen „Pesh Merga“ veranlassten die Familien, an ihren Zufluchtsort Amadiya zurückzukehren. Der Pfarrer versorgt die Flüchtlinge allwöchentlich mit Reis, Öl, Brot, Kleidung, Heizöl usw.

„AsiaNews“ führt seit dem Einfall der IS-Terroristen im nördlichen Irak die Spendenaktion „Adoptiere einen Christen von Mosul“ durch. Durch die Aktion konnten bisher zwei Millionen Euro für die – christlichen und nichtchristlichen – Flüchtlinge aufgebracht werden, die in der kurdischen Region Zuflucht gesucht haben.