Patriarch Theophilos III. verurteilt Brandstiftungsversuch in der „Kirche aller Nationen“ in Jerusalem

Hintergrund der Attacke ist noch unklar – Sie erfolgte zum Zeitpunkt der Amtseinführung des neuen lateinischen Patriarchen in der Grabeskirche

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Foto: © Michał Józefaciuk (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Poland)

Jerusalem, 05.12.20 (poi) Der orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., hat den versuchten Brandanschlag auf die (katholische) „Kirche aller Nationen“ im Garten Getsemani am Fuße des Ölbergs in Jerusalem scharf verurteilt. Der Patriarch sprach von einem „Hassverbrechen“, das die Mentalität gewisser Radikaler aufzeige, die christliche Gotteshäuser attackieren. Wörtlich stellte der Patriarch fest: „Dieser radikale Akt ist en Verbrechen, das von einer extremistischen Ideologie inspiriert wird, die die Christen aus dem Heiligen Land vertreiben möchte“. Der Brandstiftungsversuch sei genauso schlimm wie die Versuche zur „Übernahme“ kirchlicher Immobilien am Jaffa-Tor. Theophilos III. appellierte an die internationale Gemeinschaft, sich für den Schutz der christlichen Heiligen Stätten und die Sicherung der Präsenz der einheimischen Christen einzusetzen. Zugleich würdigte er den Einsatz des jordanischen Königs Abdullah II. für die islamischen und christlichen Heiligen Stätten im Heiligen Land. Radikale Ideologien seien Feinde aller Nationen, unterstrich der Patriarch. Frieden, Toleranz und Koexistenz seien die besten Wege zu einer schönen Zukunft der Stadt Jerusalem, die unter dem Hass und den daraus resultierenden Verbrechen leide.

Der Vorfall hatte sich am Freitag ereignet. Der Täter versuchte, die Kirchenbänke in der „Kirche aller Nationen“ in Brand zu stecken. Er verteilte eine brennbare Flüssigkeit, es gab an mehreren Kirchenbänken Brandspuren, aber nur an einer Bank entstand Sachschaden. Der Sicherheitsmann der Basilika beobachtete das Geschehen und hielt den Täter bis zum Eintreffen der Polizei fest. Bei dem versuchten Brandstifter handelte es sich um einen 49-jährigen Mann aus Gilo. Ein Sprecher für die „Holy Land Churches“ appellierte an die Behörden, den Hintergrund des Brandstifters genau zu durchleuchten. Auf einem Video war der Mann mit Kippa zu sehen. Der Brandstiftungsversuch erfolgte zum Zeitpunkt der Amtseinführung des neuen lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, in der Grabeskirche.

Von Seiten der Feuerwehr wurde betont, dass sich das Feuer in der von Rauch erfüllten Kirche glücklicherweise nicht ausgebreitet habe. Die Polizei teilte mit, dass der Verhaftete schon früher als Brandstifter in Aktion getreten sei. Seine Zielobjekte seien unterschiedlicher Art gewesen, keines habe aber einen religiösen oder christlichen Bezug gehabt. In der ersten Befragung des Verhafteten habe es auch diesmal keinen Hinweis auf ein „ideologisches Motiv“ gegeben.
Die „Kirche aller Nationen“ wurde 1919 bis 1924 mit Geldern aus zwölf europäischen sowie nord- und südamerikanischen Staaten errichtet. Sie steht auf den Fundamenten einer römischen Basilika aus dem 4. Jahrhundert, die im Jahr 746 durch ein Erdbeben zerstört wurde. In der Zeit des lateinischen Königreichs wurde an der Stelle wieder eine Kirche errichtet, die aber 1345 einer Zerstörungsaktion der muslimischen Machthaber zum Opfer fiel. Der Altar der heutigen Kirche steht vor dem Felsen, an dem Jesus in der Nacht seiner Verhaftung gebetet hat; im Lukas-Evangelium heißt es dazu: „Er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte“.