Prinz Hassan Bin Talal: “Fratelli tutti” auch für den Nahen Osten gültig

Angehöriger des haschemitischen Königshauses betont, dass Papst Franziskus jene Brüderlichkeit hervorhebt, die „alle Menschen verbindet, die von dem einen Gott geschaffen wurden“

0
77
Foto: © Tarawneh (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International, 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic)

Amman, 17.10.20 (poi) In der heutigen Zeit spüre man insbesondere im Nahen Osten, der  „Wiege der drei abrahamitischen Religionen“, die Notwendigkeit einer neue „Sozialcharta“, die allen den Weg der universellen Solidarität aufzeigt. Die neue Papst-Enzyklika „Fratelli tutti“ entspreche dieser Dringlichkeit für die Völker des Nahen Ostens und für die gesamte Menschheit, betonte der jordanische Prinz Hassan Bin Talal in einem Kommentar zu „Fratelli tutti“, der von der in London erscheinenden arabischen Zeitung „al-Arab“ veröffentlicht wurde. Der Papst hebe die Brüderlichkeit hervor, die alle Menschen verbindet, die von dem einen Gott geschaffen wurden. Dies sei die Grundlage für neue soziale Beziehungen. Prinz Hassan Bin Talal, hochrangiges Mitglied des haschemitischen Königshauses, Onkel von König Abdallah II. von Jordanien, setzt sich seit jeher für den islamisch-christlichen Dialog ein, unter anderem als Präsident des Königlichen Instituts für interreligiöse Studien in Amman.

In seinem Beitrag erinnert Hassan Bin Talal daran, dass „Fratelli tutti“ im Einklang mit der am 4. Februar 2019 in Abu Dhabi von Papst Franziskus und dem Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, unterzeichneten „Gemeinsamen Erklärung über Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ stehe. In  „Fratelli tutti“ fordere der Papst alle auf, anzuerkennen, dass “Gott alle Menschen geschaffen und sie in Bezug auf Rechte, Pflichten und Menschenwürde gleichgestellt hat“. Das Band der Brüderlichkeit, das alle Menschen vereint, sei das wahre Gegenmittel gegen jede Form von Aggression und jeden Wunsch, diejenigen zu unterdrücken, die anderen sozialen oder religiösen Gruppen angehören. In diesem Zusammenhang verweist Hassan Bin Talal auf das Treffen zwischen dem Heiligen Franziskus und Sultan Malik al Kamil, das 1219 in der ägyptischen Stadt Damiette stattfand.

Der jordanische Prinz betont, dass der in der päpstlichen Enzyklika enthaltene Appell an die Brüderlichkeit nicht auf eine vage sentimentale Rhetorik reduziert werden dürfe, da er einen Wege aufzeige, wie die Armen, Kranken und Behinderten wirksam unterstützt werden können. „Die Welt wurde für alle geschaffen und wir Menschen wurden alle mit der gleichen Würde auf dieser Erde geboren“, schreibt der Prinz. Hassan Bin Talal fügt hinzu, dass der Wunsch, in Frieden und Harmonie mit allen Menschen zu leben, auch in Äußerungen des Propheten Mohammed zum Ausdruck komme. Die Botschaften der Religionen forderten Respekt für jeden Menschen und legten diesen Respekt als Grundlage für soziale Beziehungen fest. “Eine Tatsache, die durch die Covid-19-Pandemie noch deutlicher wurde, die die ganze Welt, starke Nationen und fragile Nationen erfasste und zweifelsfrei zeigte, dass nur menschliche Brüderlichkeit und soziale Freundschaft eine solide Grundlage dafür darstellen können, sich den Bedrohungen zu stellen, die die gesamte Menschheit betreffen“, so der Prinz abschließend.