Russland: Neue Hürden für ausländische Geistliche

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Foto: © Mario Modesto Mata (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

In Russland ist ein Gesetz verabschiedet worden, das von ausländischen Geistlichen eine Zertifizierung und zusätzliche Ausbildung verlangt. Künftig müssen Priester und Mitarbeitende von Religionsgemeinschaften, die ihre Ausbildung im Ausland absolviert haben und erstmals in Russland Gottesdienste durchführen oder eine missionarische oder Bildungstätigkeit aufnehmen, eine zusätzliche Berufsausbildung erwerben. Diese betrifft die Grundlagen der Beziehungen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften in Russland. Sie soll in geistlichen Ausbildungsstätten und staatlichen höheren Bildungsorganisationen besucht werden können. Zudem müssen die betroffenen Geistlichen eine Eignungsprüfung beim in Russland registrierten Leitungsorgan ihrer Glaubensgemeinschaft ablegen.

Von der neuen Regelung befreit sind Geistliche, die bereits zuvor in Russland eine geistliche Tätigkeit ausgeübt haben. Auch Geistliche, die nach Russland reisen, um eine einzelne Gottesdienstfeier zu leiten oder eine einzelne Vorlesung zu halten, sind von der Ausbildungs- und Attestpflicht ausgenommen. Das neue Gesetz soll verhindern, dass im Ausland ausgebildete Geistliche eine „religiös-extremistische Ideologie“ verbreiten.

Die katholische Kirche in Russland zeigte sich besorgt über das neue Gesetz. Sie habe aber „selbstverständlich angefangen, Studienprogramm und Prüfungen vorzubereiten“, sagte der Generalsekretär der Russischen Bischofskonferenz, Stephan Lipke. Das Gesetz bedeute ein zusätzliches Hindernis für ausländische Geistliche, da diese ihre erste Zeit in Russland mit Vorbereitungen auf die Prüfung verbringen würden. Es könnte sich aber auch „positiv auswirken“, da es die Betroffenen zwinge, sich mehr mit der „Kultur, Sprache, Geschichte und Grundzügen der Orthodoxie“ zu beschäftigen und „hoffentlich darauf einzugehen“.

Das Konzept für die Ausbildung und Prüfung erarbeitet laut Lipke das Priesterseminar in St. Petersburg. Die Prüfungen abnehmen sollen die vier katholischen Diözesen des Landes. Jährlich kommen ca. 20 katholische Geistliche und Ordensfrauen aus dem Ausland nach Russland.