Syrien: Erzbischof der Djazira in Sorge über die weitere Entwicklung

„Leider ist der Krieg noch immer nicht vorbei“ – Befürchtungen im Hinblick auf die Rückkehrmöglichkeiten der vertriebenen Christen in ihre verlassenen Häuser

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Foto: © Heretiq (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Damaskus, 29.03.18 (poi) Leider sei der Krieg in Syrien noch immer nicht vorbei, auch heuer – zum siebenten Mal in Folge – könnten die Christen in der syrischen Djazira (der Landschaft zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris) das Osterfest nicht in Freude feiern: Dies stellte der syrisch-katholische Erzbischof von Hassake und Nusaybin, Jacques Behnan Hindo, im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „Fides“ am Mittwoch fest. Es bestehe das Risiko, dass es in der Djazira zu einer direkten Konfrontation zwischen der syrischen Regierungsarmee und US-Einheiten kommen könnte, die in der Ebene zehn logistische Zentren eingerichtet haben, offiziell mit der Begründung, die kurdischen YPG-Milizen in deren Kampf gegen die IS (Daesh)-Terroristen zu unterstützen. Der Erzbischof befürchtet, dass die kurdischen Politiker auf US-amerikanische Unterstützung für ihre Unabhängigkeitspläne gesetzt hätten, „ohne die Lektionen der Geschichte ernst zu nehmen“. In diesem Zusammenhang erinnerte Behnan Hindo daran, dass die zuvor von YPG-Milizen kontrollierte syrische Stadt Afrin jetzt in der Hand von Anti-Assad-Kräften ist, die von der türkischen Armee massiv unterstützt wurden.

Es gebe bereits einen Zustrom von kurdischen Flüchtlingen in die Djazira, was auf die Dauer zu einer Veränderung des demographischen Profils der stark christlich geprägten Region führen werde, so der syrisch-katholische Erzbischof. Im Khabur-Tal, wo es früher nur christliche Dörfer gab, hätten sich bereits kurdische Flüchtlingsfamilien in den verlassenen Häusern der Christen niedergelassen. Die Dörfer im Khabur-Tal waren von den französischen Mandatsbehörden in den 1920er-Jahren für die Überlebenden des Genozids an den Christen der syrischen Tradition im Osmanischen Reich errichtet worden. Im Februar 2015 eroberten die IS-Terroristen die christlichen Dörfer, 250 Menschen, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten, wurden als Geiseln genommen und erst nach Zahlung hoher Lösegelder wieder freigelassen. Die IS-Terroristen wurden zwar von den kurdischen Milizen wieder aus dem Khabur-Tal vertrieben, aber die christlichen Dörfer blieben verlassen, nur ganz wenige der ursprünglichen Bewohner sind zurückgekehrt.

Solidaritäts-Initiativen in Aleppo

Zum Problem der Rückkehr der Christen hat auch der griechisch-katholische melkitische Erzbischof von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, in seinem Oster-Brief Stellung genommen, wie die italienische katholische Nachrichtenagentur SIR berichtet. Erzbischof Jeanbart hat zwei Solidaritäts-Initiativen gestartet , um die Rückkehr der christlichen Familien in Gang zu bringen. Die Initiative „Aleppo erwartet dich“ wendet sich an Familien, die an die Rückkehr denken. Im Rahmen der Initiative werden Reisekosten und die Kosten für Wohnungsrenovierungen finanziert. Bisher seien auf diese Weise 35 Familien in die einstige nordsyrische Wirtschaftsmetropole zurückgekehrt, „aber viele andere wollen ihnen folgen“, wie der Erzbischof feststellte. Ausschlaggebend für den Wunsch nach Rückkehr sei die erhöhte Sicherheit in der jetzt wieder zu Gänze unter Kontrolle der Regierung stehenden Millionenstadt ist und die Wiederaufnahme der Wasser- und Stromversorgung. Auch das wirtschaftliche Leben komme wieder in Gang, er freue sich, dass junge Leute, die im berufsbildenden Zentrum der melkitischen Kirche ausgebildet wurden, Arbeitsplätze gefunden hätten, stellte Jeanbart fest.

Eine andere Initiative der melkitischen Kirche in Aleppo heißt „Bauen, um zu bleiben“.  Im Rahmen dieser Initiative wurden bisher 800 schwer beschädigte Wohnungen und 50 Geschäfte und kleine Betriebe renoviert. Außerdem hat der Solidaritätsfonds bisher 200 zinsenfreie Darlehen an junge Leute vergeben, um ihnen die Gründung von kleinen Unternehmen zu ermöglichen.

Erzbischof Jeanbart, der vom Krieg in Aleppo selbst schwer betroffen war (70 Raketen der islamistischen Milizen beschädigten die Kathedrale und das Erzbischöfliche Palais so schwer, dass sie derzeit nicht benützbar sind), vertraut darauf, dass die göttliche Vorsehung seine Herde nicht im Stich lässt. Deshalb freue er sich auf das Osterfest, dass nach den düsteren Kriegsjahren wieder in Ruhe gefeiert werden kann.