Bisheriger Abt von Geras wird Vizerektor im „Collegium Orientale“ in Eichstätt

Michael Prohazka ist Vorstandsmitglied der Stiftung „Pro Oriente“ und genießt im orthodoxen Bereich hohes Ansehen

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Foto: © WaldiWuff (Quelle: Wikimedia: Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication)

München-St. Pölten, 14.07.18 (poi) Der bisherige Abt des Prämonstratenserstifts Geras, Michael Prohazka, wird neuer Vizerektor im „Collegium Orientale“ (COr) in Eichstätt. Prohazka, der dem Vorstand der Stiftung „Pro Oriente“ angehört, ist mit 14. Juli als Abt von Geras zurückgetreten. Er habe sich diesen Schritt gut überlegt und sich mit erfahrenen Leuten beraten. Er habe allerseits Zustimmung erfahren und sich zu diesem Schritt entschlossen, sagte Prohazka im Gespräch mit den „Niederösterreichischen Nachrichten“ (NÖN). Auch die Ärzte hätten ihm geraten, sich zurückzunehmen. Als Vizerektor des „Collegium Orientale“ – der er schon einmal war – vertieft Prohazka seinen Einsatz für die Ostkirchenarbeit.

Der frühere Abt versteht sich als ein Brückenbauer mit der Ostkirche. Er ist Priester des lateinischen und des byzantinischen Ritus. Im Stift Geras richtete er eine „Byzantinische Kapelle“ ein, in der regelmäßig die Liturgie im byzantinischen Ritus gefeiert wird. Seit vielen Jahren ist er mit dem melkitischen griechisch-katholischen Patriarchat von Antiochien verbunden, der frühere melkitische Patriarch Gregorios III. Laham erhob ihn 2012 zum Archimandriten. Zugleich ist Michael Prohazka in der orthodoxen Kirche hochangesehen, sowohl im Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel als auch in der orthodoxen Kirche von Griechenland.

Michael Prohazka ist Jahrgang 1956. Sein philosophisches und theologisches Studium absolvierte er in Wien, Freiburg und Rom. Mit 23 Jahren trat er in das Prämonstratenser-Chorherrenstift Geras ein und wurde dort 1983 zum Priester geweiht. Danach war er als Pfarrer, Dechant und langjähriger Novizenmeister tätig. Derzeit ist er auch Lehrbeauftragter für Ostkirchenkunde an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten. 2007 wurde er zum Abt von Geras gewählt, 2013 fand seine Wiederwahl statt.

Das „Collegium Orientale“ in Eichstätt beherbergt rund 40 Studierende. Die meisten gehören der griechisch-katholischen Kirche in verschiedenen Ländern Osteuropas und des Nahen Ostens an, aber auch der maronitischen, der syro-malabarischen und der syro-malankarischen Kirche. Auch Priesteramtskandidaten der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, der georgisch-orthodoxen Kirche und der armenisch-apostolischen Kirche sind unter den Studenten

Das COr versteht sich als eine ökumenische Einrichtung: Es ist international und interkonfessionell ausgerichtet. Studierende aller Ostkirchen sind eingeladen, miteinander zu studieren, zu beten und zusammen zu leben, damit in einem offenen Miteinander die Kenntnis und das Gespür füreinander wachsen kann. Zusammen mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt will das COr zu einer gediegenen spirituellen und theologischen Ausbildung verhelfen. Die Studierenden sollen in ihrer geistlichen Berufung reifen und in ihrer wissenschaftlichen Befähigung wachsen. So sollen für die jeweiligen Kirchen zuverlässige Mitarbeiter und für den interkonfessionellen Dialog kompetente Gesprächspartner ausgebildet und gefördert werden. Das COr greift damit ein ökumenisches, weltkirchliches und gesellschaftspolitisches Desiderat auf, das vielfach in den Beschlüssen des Zweiten Vaticanums und nachfolgenden Verlautbarungen des Heiligen Stuhls gewünscht wird.