Trauer um den Altabt von Niederaltaich, P. Jungclaussen

Der emeritierte Abt war besonders um die spirituelle Ökumene bemüht und galt als behutsamer und eindringlicher Brückenbauer zwischen West- und Ostkirche

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Foto ©: Claudia Schneider (Lizenz: Erlaubnis der Fotografin)

München, 08.12.18 (poi) In der Ökumene herrscht Trauer um den emeritierten Abt von Niederaltaich (Bayern), P. Emmanuel Jungclaussen OSB.  Er ist am 8. Dezember, dem Fest der ohne Makel der Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria, gestorben. Die Benedikinerabtei Niederaltaich ist ein Brennpunkt der Ökumene zwischen katholischer Kirche und orthodoxer Kirche. Der (1927 in Frankfurt an der Oder geborene) emeritierte Abt war besonders um die spirituelle Ökumene bemüht, er war sowohl in der westlichen als auch in der östlichen Spiritualität zu Hause und verfasste mehrere Standardwerke zum Jesus-Gebet. Sein spiritueller Zugang ermöglichte es ihm, als behutsamer und eindringlicher Brückenbauer zwischen West- und Ostkirche zu wirken. Er war sich bewusst, dass Glaube und Spiritualität in der Ostkirche untrennbar miteinander verbunden sind, sodass Ökumene weniger durch theologische Diskurse und mehr durch spirituelle Begegnung wächst. 

Emmanuel (Geburtsname: Walter) Jungclaussen stammte aus einer evangelischen Familie. 1944 führte den Schüler sein Weg in den Wiener Stephansdom; dort hörte er innige Marienlieder und war zutiefst berührt. Es begann eine geistliche Entwicklung, die Jungclaussen in die katholische Kirche führte, an einem 8. Dezember wurde er in Hamburg in die katholische Kirche aufgenommen. 1949 begann er mit dem Studium der Philosophie und Theologie an der Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main. 1953 wurde er in der Diözese Osnabrück zum Priester geweiht und war zunächst in der Pfarrseelsorge tätig. 1955 trat er bei den Benediktinern in Niederaltaich ein, wo er den Ordensnamen Emmanuel erhielt. Von 1989 bis 2001 wirkte er in Niederaltaich als Abt. P. Jungclaussen suchte die geistliche Vertiefung des Klosterlebens und sowohl die benediktinische Spiritualität der Westkirche als auch die kontemplative der Ostkirche in Niederaltaich zu beheimaten und diese seinen Mönchen wie interessierten Laien zu erschließen. Auf der Website von Niederaltaich heißt es: „Wir Mönche der Abtei des Heiligen Mauritius und des Heiligen Nikolaus zu Niederaltaich leben als eine Gemeinschaft in zwei Traditionen und feiern die klösterlichen Gottesdienste parallel nach dem römischen sowie dem byzantinischen Ritus. Durch unser Gebet und unser Leben möchten wir zur Verständigung zwischen den getrennten Christen in Ost und West beitragen. Zur Vertiefung und Reflexion solch gelebter Vermittlung bieten das Kloster und das Ökumenische Institut der Abtei vielfältige Veranstaltungen für Christen aller Konfessionen und für jeden interessierten Menschen an“. 

Das Interesse von P. Jungclaussen galt aber auch dem Zusammenwirken von Psychotherapie und Spiritualität und der Bewahrung der Schöpfung.