Weltkirchenrat und Papst in Sorge um den Libanon

„Der Libanon ist eine sehr wichtige multireligiöse Nation, ihr sozialer Zusammenhalt, ihr kulturelles und intellektuelles Erbe müssen ein Zeugnis des Friedens, der Hoffnung und der Einheit in Verschiedenheit bleiben“

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Beirut-Genf-Vatikanstadt, 29.10.19 (poi) Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, hat am Dienstag seine tiefe Sorge um den Libanon, um die Rechte des libanesischen Volkes und um dessen Wohlergehen geäußert. „Als Gemeinschaft von Kirchen sind wir überzeugt, dass Gerechtigkeit in all ihren Formen – sozial, wirtschaftlich, politisch – von zentraler Bedeutung für das Leben jeden Gemeinwesens ist“, betonte Fykse Tveit: „Die Stimme des libanesischen Volkes, sein Protest und sein Forderungsprogramm ist ein Schrei nach Gerechtigkeit“. Der Weltkirchenrat schließe sich dem Appell an die Verantwortungsträger des Libanons an, die Forderungen des Volkes „zu respektieren und zu erfüllen“. „Der Libanon ist eine sehr wichtige multireligiöse Nation, ihr sozialer Zusammenhalt, ihr kulturelles und intellektuelles Erbe müssen ein Zeugnis des Friedens, der Hoffnung und der Einheit in Verschiedenheit bleiben“, so der Generalsekretär.

Die Kundgebungen für einen Rücktritt der Regierung und eine Änderung des politischen Systems bringen im Libanon seit rund zwei Wochen immer wieder hunderttausende Menschen aller Konfessionen, Altersstufen usw. auf die Straßen. Ministerpräsident Saad Hariri (ein sunnitischer Muslim) zog die Konsequenzen und kündigte am Dienstagnachmittag seinen Rücktritt an. Pfarrer Fykse Tveit sagte in diesem Zusammenhang: „Wir beten für den Libanon, für sein Volk und seine Sicherheit. Möge Gott dieses Land durch eine friedliche Veränderung geleiten – eine Veränderung auf der Basis von Dialog, gemeinsamer Unterscheidung und aktiver Teilnahme aller Beteiligten bei der Suche nach der Gestalt der Zukunft“.

Bereits am Sonntag hatte Papst Franziskus beim Angelus-Gebet dem „geliebten libanesischen Volk“ ein besonderes Gedenken gewidmet. Dieses Gedenken gelte vor allem der Jugend des Landes, die „angesichts der sozialen, moralischen und wirtschaftlichen Probleme des Libanons ihren Schrei ertönen ließ“. Papst Franziskus rief alle auf, gerechte Lösungen im Weg des Dialogs zu suchen. Zugleich rief er die Fürsprache der Jungfrau Maria, „Königin des Libanons“, an, damit die Zedern-Republik „mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft“ weiterhin ein „Raum des friedlichen Miteinanders“ und des „Respekts für Würde und Freiheit jeder Person“ bleiben mögen „zu Gunsten der ganzen nahöstlichen Region, die so viel leiden muss“.

Der Libanon mit seiner – wenn auch konfessionell geprägten – demokratischen Grundordnung hat für das Leben der orientalischen Christen, aber auch für die kulturelle und wissenschaftliche Situation des ganzen Nahen Ostens ungeheure Bedeutung. Nur in dem kleinen Land am östlichen Ufer des Mittelmeers können sich die christlichen Kirchen des Orients mit ihren patriarchalen Residenzen, Priesterseminaren, Klöstern, universitären Zentren usw. ungehindert entfalten – mit weiter Ausstrahlung in die übrigen Länder des Nahen Ostens. Eine positive und ruhige Entwicklung im Libanon ist daher für die Präsenz des Christentums im Nahen Osten von ausschlaggebender Bedeutung.