Antiochenischer Patriarch besuchte Ost-Ghouta

Visitation der von den Rebellen zerstörten Gotteshäuser und Appell an die Bevölkerung: “Wir leben in Syrien als eine Familie, Christen und Muslime, nichts kann uns trennen”

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Foto ©: Υπουργείο Εξωτερικών, Ministry of Foreign Affairs, Greece (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Damaskus, 09.07.18 (poi) Der antiochenisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X. hat am Sonntag, 8. Juli, zwei wichtige Bezirke von Ost-Ghouta besucht, um die von den Rebellen verursachten Zerstörungen kirchlicher Gebäude in Augenschein zu nehmen und die Bevölkerung zu ermutigen. Die westliche Parteinahme für die – zumeist islamistisch-dschihadistisch eingestellten – Rebellen von Ost-Ghouta hatte in der kirchlichen Hierarchie zu großer Erbitterung geführt. Erste Station der Visitation durch den Patriarchen war Afrin, wo die orthodoxe Georgskirche von den Rebellen weitgehend zerstört wurde. Der Patriarch und seine Begleitung wurden vom Imam der Freitagsmoschee von Afrin, Scheich Ihsan al-Sayyid Hasan, Vertretern der Stadtverwaltung und der Pfarrgemeinde von St. Georg begrüsst. Wörtlich sagte der Patriarch: “”Wir leben in Syrien als eine Familie, Christen und Muslime. Nichts kann uns trennen. Wir arbeiten Hand in Hand, um die Seelen, die Gotteshäuser und Wohnhäuser wiederaufzubauen. Der fremde und barbarische Geist der Zerstörung der Terroristen ist der syrischen Kultur zutiefst fremd. Er soll in diesem geliebten Land keine Heimstatt finden. Deshalb sind wir heute hierher gekommen, um vor aller Augen zu zeigen, dass wir hier bleiben und dass das Morgen besser als das Heute sein wird”. Syrien sei immer ein “Land des Friedens und der Koexistenz” gewesen, fügte Youhanna X. hinzu. Auch in Zukunft werde Syrien ein Land der Begegnung bleiben, die Syrer seien gläubige und ehrliche Menschen, die “ihrem Glauben treu bleiben und in der Wahrheit zusammenkommen”. Christentum und Islam bezeichnete der Patriarch als “die beiden Lungen des Nahen Ostens”, vor allem in Syrien als einem “Symbol-Ort der Brüderlichkeit”.

In seiner Antwort sagte der Scheich, dass Christen und Muslime in Arbin Brüder geblieben seien; die dunklen Wolken der jüngsten Vergangenheit seien nicht imstande, Spaltungen herbeizuführen. Das Leben werde in Arbin zurückkehren. Der Scheich führte den Patriarchen durch die Reste der Freitagsmoschee, die von den Rebellen fast zur Gänze zerstört wurde, nur das Minarett blieb stehen.

Anschließend besuchte Youhanna X. den Stadtteil Harasta, um die Überreste der Eliaskirche in Augenschein zun nehmen, die ebenfalls von den Rebellen völlig zerstört wurde. Er bedauerte zutiefst, was durch die Hände der Terroristen und deren Sprache ohne Religion und Moral geschehen sei. Der Patriarch betonte aber, dass alles wiederaufgebaut werden würde, “Kirchen, Moscheen, Wohnhäuser”. Dieses Wunder werde durch die gegenseitige Liebe und Unterstützung von Christen und Muslimen in Harasta zustandekommen. In Harasta besichtigte Youhanna X. auch die ebenfalls zerstörte “Al-Zahra-Moschee” und den Friedhof, wo die Rebellen zahllose Gräber geschändet hatten.

Warum Youhanna X. nicht nach Bari kam

Tags zuvor, am 7. Juli, war aufgefallen, das Youhanna X. als einziger der nahöstlichen Patriarchen nicht auf die Einladung von Papst Franziskus nach Bari reagiert und auch keinen Vertreter benannt hatte. Nach Angaben aus kirchlichen Kreisen war das Motiv, dass Metropolit Nektarios (Selalmadzidis) als Vertreter des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem bereits für Bari benannt war. Das Patriarchat von Antiochien hat die kirchliche Gemeinschaft mit dem Patriarchat Jerusalem wegen des Streits um die kirchliche Zuständigkeit für das Fürstentum Katar aufgehoben. Das beinhaltet auch das Fernbleiben von allen panorthodoxen oder ökumenischen Veranstaltungen, wo der Patriarch von Jerusalem oder ein von ihm benannter Vertreter in Erscheinung treten. Letztlich führte diese Haltung auch zum Fernbleiben Antiochiens vom Konzil von Kreta; das Fernbleiben Antiochiens bewirkte auch die Verweigerung Bulgariens und Georgiens und letzlich die Absage Russlands. Ausgelöst wurde der Streit zwischen Antiochien und Jerusalem durch die Ernennung eines Jerusalemer Metropoliten für Katar, das von Antiochien als Teil des eigenen kanonischen Territoriums angesehen wird. Katar hat eine kirchliche Bedeutung, weil dort sehr viele christliche Palästinenser leben, die zumeist akademische Berufe ausüben.